09.09.2020 09:37 |

Brandstiftung vermutet

Lesbos: Flammeninferno im Flüchtlingslager Moria

Feuersbrunst in Griechenlands größtem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos: Mehrere Brände führten zu einer teilweisen Evakuierung des Lagers. Die Feuer wüteten, angefacht durch starken Wind, auch noch in den frühen Morgenstunden, beinahe das gesamte Camp war von den Flammen betroffen. Inzwischen ist der Großbrand nach Regierungsangaben weitgehend unter Kontrolle, als Grund wird organisierte Brandstiftung angenommen. Nach Stand Mittwochmorgen wurde niemand verletzt oder gar getötet. Sondereinheiten der Bereitschaftspolizei sind im Einsatz. 

Nach Angaben der Feuerwehr waren mehrere Brände innerhalb des Lagers wie auch in dessen Umgebung ausgebrochen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete in der Nacht, auch ein außerhalb des Hauptlagers liegender Olivenhain mit Zeltunterkünften für Flüchtlinge brenne. Asylbewerber flüchteten demnach zu Fuß in Richtung des Hafens der Inselhauptstadt Mytilini. Dabei seien sie jedoch von Polizeiwagen gestoppt worden. Videos in sozialen Netzwerken zeigten herumirrende, verängstigte Menschen und auch solche, die „Bye-bye, Moria!“ sangen. 

„Alles brennt, die Menschen fliehen“
Die Flüchtlingshilfsorganisation Stand by Me Lesvos twitterte: „Alles brennt, die Menschen fliehen.“ Augenzeugen berichteten der Organisation zufolge, dass Einwohner flüchtende Asylbewerber daran gehindert hätten, ein nahe gelegenes Dorf zu betreten.

Bei Anbruch des Tages ließ sich das Ausmaß der Zerstörung bereits erahnen - eine Vielzahl an Unterkünften und Zelten war ein Raub der Flammen geworden, Rauchschwaden stiegen auf. Immer noch gab es Brandherde, starker Wind mit bis zu 70 km/h ließ das Feuer immer wieder weiter wüten.

Brände nach Revolte ausgebrochen
Ob die Brände von Migranten oder Inselbewohnern gelegt wurden, blieb vorerst unklar - die Angaben dazu gingen zunächst auseinander. Die griechische Nachrichtenagentur ANA meldete etwa, die Brände seien nach einer Revolte in dem Lager ausgebrochen. Einige Flüchtlinge hätten dagegen protestiert, dass sie isoliert untergebracht werden sollten, nachdem sie positiv auf das Coronavirus getestet worden seien oder direkten Kontakt zu Infizierten gehabt hätten. 

Feuerwehrleute mit Steinen beworfen
Außerdem versuchten Migranten, die Feuerwehr an den Löscharbeiten zu hindern, wie Regierungssprecher Stelios Petsas bestätigte. Bei der Teilevakuierung des Lagers waren laut Feuerwehr 25 Feuerwehrleute sowie zehn Wagen im Einsatz. Nach Ausbruch des Feuers hätten Lagerbewohner die Feuerwehrleute mit Steinen beworfen, berichtete der Einsatzleiter im Fernsehen. 

Spannungen habe es in Moria immer gegeben, wegen der Corona-Problematik sei die Situation nun regelrecht explodiert, sagte Mytilinis Bürgermeister Stratos Kytelis dem griechischen Staatssender ERT. Man wisse nicht, wo die Menschen nun untergebracht werden sollten, Tausende seien obdachlos. Auch für die Einheimischen sei die Situation eine enorme Belastung.

12.600 Menschen im Flüchtlingslager untergebracht
Moria ist seit Jahren völlig überfüllt. Das Lager ist für rund 2800 Menschen ausgelegt, doch leben dort mehr als 12.600 Asylsuchende unter schwierigsten Bedingungen. In der vergangenen Woche war dort der erste Fall einer Coronavirus-Infektion festgestellt worden. Das Lager wurde daraufhin unter Quarantäne gestellt. Seither wurden nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums in dem Lager etwa 2000 Corona-Tests ausgeführt und dabei 35 Infektionsfälle diagnostiziert. Das Lager wurde daraufhin bis 15. September unter Quarantäne gestellt.

Während laut der halbstaatlichen griechischen Nachrichtenagentur ANA-MPA manche der Flüchtlinge das Lager verlassen wollten, um sich nicht anzustecken, hätten sich hingegen einige der vom Coronavirus Betroffenen sowie deren Kontaktpersonen geweigert, sich in Isolation zu begeben. 

Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis habe für den Vormittag ein Krisentreffen in Athen einberufen, sagte Regierungssprecher Petsas dem staatlichen Fernsehsender weiter. Neben dem Migrations- und dem Bürgerschutzminister sollen daran auch der Chef des griechischen Nachrichtendienstes EYP und der Generalstabschef teilnehmen.

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