09.09.2020 05:30 |

Lager in Krieglach

Forstwirte saßen trotz Corona nicht am Trockenen

Mit dem Lockdown im März gingen auch die Balken für die Holzindustrie im obersteirischen Mürztal nieder. Die Sägewerke machten dicht, die Holzproduzenten standen mit ihren Ernten da – und fanden eine Lösung: Bei Krieglach entstand ein Lager, in dem das Holz beregnet wurde. Jetzt wandert es in die Sägeindustrie.

12.500 Festmeter sind eine gewaltige Menge Holz: Gelagert bis zu einer Höhe von gut vier Metern liegt es auf einer Fläche von mehreren Fußballfeldern da, durch die pausenlose Beregnung nass-dunkel glänzend und dadurch die Qualität bewahrend. Das nasse Holz lockt Millionen kleinster Fliegen und andere Insekten an, sodass regster Schwalben-Flugverkehr herrscht, wie man ihn selten gesehen hat.

Christian Rinnhofer, Obmann des Regionalverbands Mürztal des Waldverbands Steiermark, zeigt auf seinem Smartphone ein Foto, wie die Holzstämme nach mehrmonatiger Lagerung und dank der Beregnung etwa zwei Zentimeter hinter den alten Schnittstellen aussehen: wie frisch geschnitten.

Wäre das Holz nach der Ernte im Wald liegen geblieben, wäre ein Qualitätsverlust unvermeidbar gewesen. Verblauung durch Pilzbefall, möglicherweise Borkenkäfer, schildert Peter Rossegger, Waldbesitzer am Alpl und Schriftführer des Regionalverbands, die Folgen.

Preissituation seit langem angespannt
Verblauung bedeutet Qualitäts- und somit Preisverlust von etwa 30 Euro pro Festmeter, und das bei einer schon seit Längerem angespannten Preissituation bei den heimischen Holzproduzenten. Von diesem Einkommensverlust wären die etwa 450 Mitglieder des Regionalverbands betroffen gewesen, hätte man sich nicht ab dem Lockdown dazu entschlossen, das schon seit dem Sturmtief Paula 2008 existierende Areal bei Krieglach für die Lagerung aufzurüsten. In zweitägiger Arbeit wurde die Bewässerung aus dem nahen Schotter-Fischteich durch den Aufbau von Ringleitungen, eines Dieselaggregates und von Sprinkleranlagen sichergestellt: Mit 1,9 Millionen Liter Wasser pro Tag wird der Holzberg beregnet. Das Wasser versickert aber nicht ungenutzt, sondern wird durch eine spezielle Schotter-Untergrundschicht mit verschiedenen Korngrößen gefiltert und zurück in den Fischteich sowie die Mürz geleitet, wie Experte Benedikt Jahn erklärt.

Natürlich musste das Nasslager über den ganzen Sommer kontrolliert werden, es gab Kinderkrankheiten. Etwa, dass eine Pumpe ausfiel oder der Begrenzer am Werfer nicht funktionierte und somit den Nachbarn bewässerte.

Das gesamte Holz wird bis Ende September zum Mayr-Melnhof-Standort Leoben zur Weiterverarbeitung angeliefert.

Peter Bernthaler, Kronen Zeitung

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