04.09.2020 13:00 |

„Care by Light“

Mit speziellem Licht im Verborgenen gegen Viren

„Care by Light“ nennt sich das Tiroler Start-up, welches auf Desinfektion mittels UV-C-Strahlung setzt. Im Heim St. Vinzenz in Innsbruck wird die neue Technologie nun mit einem Prototypen demonstriert.

Was das Coronavirus besonders bedrohlich macht ist, dass man es nicht sieht. Bakterien, die etwa über die Handfläche übertragen werden, sind nur mit Spezialgeräten erkennbar. Nun soll die Krankheit im Unsichtbaren bekämpft werden – mit UV-C-Licht, welches bei längerer Einstrahlung die DNA von Viren zerstört.

Was vielleicht kompliziert klingt, ist in der Praxis ganz einfach. Im Heim St. Vinzenz der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck steht ein Prototyp, eine große weiße Box. Besucherin Apollonia Pernlochner bekommt die Türe geöffnet, schiebt ihren Rollator in das Gerät und setzt sich für etwa zwei Minuten daneben auf einen Stuhl, während die Bestrahlung bzw. Desinfektion bei verschlossener Tür läuft.

Lichtexperte kooperiert mit MCI und der Med Uni
Die Idee stammt von dem Tiroler Beleuchtungsunternehmen Planlicht, welches eigentlich mit normalem Licht hantiert. Doch weit hergeholt ist der „Branchenwechsel“ nicht, wie Geschäftsführer Gerald Kohler erklärt: „Die Beschaffung ist dieselbe, das Licht kommt auch vom selben Produzenten. Der einzige Unterschied ist, dass man es nicht sieht.“

Von Anfang an standen für die Firma Forschung und Sicherheit im Mittelpunkt – dazu wurden das Management Center Innsbruck (MCI) und die Medizinische Universität mit ins Boot geholt. Gemeinsam gründete man das Tiroler Start-up „Care by Light“. Kohler schildert: „Dadurch, dass man das Licht nicht sieht, muss man eine andere Messtechnik anwenden. Das MCI hat die Strahlungsintensität überprüft und die Med Uni machte die virologischen Untersuchungen.“

Mehrere Modelle in verschiedenen Größen
Heraus kam die unscheinbare weiße Box – in mehreren Größen, damit sie in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden kann. Ein etwas größeres Modell als das im Heim soll etwa bei einem Supermarkt die Einkaufswägen desinfizieren. Die Backofen-Größe hingegen sei für Juweliere perfekt.

Michael Kraxner, der die Forschung am MCI leitet, erklärt die Abläufe hinter der verschlossenen Tür: „UV-C ist ein Teil des Sonnenlichtes und in der Atmosphäre nur sehr wenig vorhanden. Eine Konzentrierung davon zerstört die DNA von Viren. Die nötige Dauer der Bestrahlung hängt dabei von der Größe des Gegenstandes ab und reicht von 30 Sekunden bis zu zwei Minuten.“

Heimbewohner dürfen Gerät selber benutzen
Im Heim St. Vinzenz soll das Gerät allen frei zur Verfügung stehen, jeder kann nach Belieben desinfizieren. Generaloberin Schwester Pauline Thorer erwartet geteilte Reaktionen: „Es gibt sicher solche Bewohner, die das nicht interessiert. Es gibt aber sicher auch solche, die neugierig werden und sich erkundigen.“ Sehr besorgte Personen haben nun die Möglichkeit, ihre privaten Gegenstände – zusätzlich zu den bereits bestehenden Möglichkeiten – schnell und einfach zu desinfizieren.

Zu denen gehört Frau Pernlochner zwar nicht, trotzdem wäre sie beinahe mit in das Gerät marschiert, um ebenfalls „desinfiziert zu werden“. Das funktioniert so nicht, denn die Strahlung kann Haut und Hornhaut beschädigen. Daher lässt sich das Gerät auch nicht einschalten, wenn sich eine Person darin aufhält.

Technologie zukunftsfit
Der Rollator, den die 99-Jährige zurückbekommt, ist dafür nicht nur frei vom Coronavirus, auch Noroviren und andere Keime wurden abgetötet - was sich auch nach der Pandemie noch als nützlich erweist. Sehen kann man den Unterschied allerdings nicht. Die Welt der Viren liegt halt doch im Verborgenen.

Mirjana Mihajlovic
Mirjana Mihajlovic
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