01.07.2020 14:32 |

„Buddies“ gesucht

Faßmann: „Die Sommerschule wird funktionieren!“

Rund 23.000 Schüler werden in den letzten zwei Ferienwochen in der nach der Corona-Krise eingerichteten Sommerschule Deutschförderung erhalten. Dabei werde es keinen „Paukerkurs“, sondern einen abwechslungsreichen Projektunterricht in Kleingruppen geben, betonte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Mittwoch. Lehrpersonal dafür gibt es genug, Schüler-Buddies werden noch gesucht.

„Die Sommerschule wird funktionieren, allen Unkenrufen zum Trotz“, zeigte Faßmann sich bei der Präsentation des Programms begeistert. Obwohl das Angebot freiwillig sei, habe man 56 Prozent jener Schüler erreicht, die laut Berechnungen seines Ressorts wegen Problemen mit der Unterrichtssprache besondere Unterstützung brauchen. Bei Erfolg „kann es durchaus eine Wiederholung geben“, so der Minister.

1800 Gruppen an 500 Schulen
Insgesamt wird es 1800 Gruppen an 500 ausgewählten Volksschulen, Neuen Mittelschulen (NMS) und AHS-Unterstufen geben. 60 Prozent der Teilnehmer besuchen eine Volksschule. Vorgesehen ist die Sommerschule für außerordentliche Schüler bzw. Schüler, die in Deutsch zwischen vier und fünf stehen oder die aufgrund der Corona-bedingten Umstellung auf Fernunterricht in den vergangenen Monaten einen besonderen Aufholbedarf haben. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos, sie erfolgt auf „Empfehlung“ der jeweiligen Lehrer bzw. Direktoren.

Lehramtsstudenten werden unterrichten
Den Unterricht übernehmen Lehramtsstudenten. Ihnen sollen dafür 5 ECTS für die Studienleistung angerechnet werden, dadurch können sie gleich einen Teil ihrer wegen der Covid-19-Krise entfallenen Schulpraktika nachholen. Begleitet werden sie dabei von erfahrenen Lehrern, die als Mentoren und „Unterrichtsunterstützer“ fungieren sollen. Das pädagogische Konzept wurde von Buchautor Andreas Salcher und von Norbert Kraker (Vizerektor der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich) in Absprache mit der Universität Wien und anderen Pädagogischen Hochschulen erarbeitet.

Projektunterricht mit rotem Faden
An den Sommerschulen werde es keinen simplen Deutschunterricht in 50-Minuten-Einheiten geben, betonte Faßmann. Stattdessen soll es Projektunterricht mit einem durchgehenden roten Faden geben, an dessen Ende ein greifbares Projekt etwa in Form einer Aufsatzsammlung oder eines Videos steht. Ausgewählte gute Schüler sollen als „Buddies“ die Gruppen auflockern. 160 haben sich bisher gemeldet, „wenn es mehr werden, bin ich nicht unglücklich“, sagte Faßmann.

Lob und Kritik am Projekt
Lob für das Projekt gab es bei dem Termin von den Bildungsdirektoren Robert Klinglmair (Kärnten) und Paul Gappmaier (Tirol): Mit der Sommerschule würden genau jene Schüler Unterstützung erhalten, die diese am dringendsten bräuchten.

Kritik kam dagegen vom Verband für Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache. Kostenlose Unterstützungsmöglichkeiten in den Ferien für diese besonders stark von den Schulschließungen getroffenen Schüler sei zwar grundsätzlich zu begrüßen, schreiben Vertreter in einer Stellungnahme. Es sei aber „aus fachlicher Sicht zweifelhaft“, ob ein zweiwöchiger Kurs helfen könne, die durch die Corona-Krise entstandenen Rückstände aufzuholen. Eine Sommerschule könne nur ein Baustein eines umfassenden und langfristigen Konzepts sein. Außerdem ziehen die Sprachexperten in Zweifel, ob alle eingesetzten Lehramtsstudenten die spezifische Ausbildung für den Unterricht von Deutsch als Fremd- bzw. Zweitsprache in heterogenen Gruppen mitbringen.

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