23.06.2020 13:59 |

Nach Tönnies-Skandal

Anschober: Corona-Tests in Schlachthöfen kommen

Nach dem Ausbruch in einer deutschen Fleischfabrik, der nicht zuletzt einen Lockdown im gesamten Landkreis nach sich zog, hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) Corona-Tests in heimischen Schlachtbetrieben angekündigt. Im Rahmen des neuen Screening-Schwerpunkts, der ab Anfang Juli startet, soll auch in den Fleischereien getestet werden. Anschober betonte zudem, der Tönnies-Skandal zeige deutlich „die Schattenseiten von Billigst-Fleisch“: „Diese Missstände müssen beendet werden.“

572.473 Covid-19-Tests wurden in Österreich bereits durchgeführt, für das neue Screening-Programm sollen unter anderem Tests „im Bereich schwieriger Arbeits-, Wohn- und Lebensverhältnisse“ durchgeführt werden, teilte der Gesundheitsminister am Dienstag via Aussendung mit: „Dabei wird es umfassendere Testungen auch im Bereich von Schlachtbetrieben geben.“ International hätten Studien zudem gezeigt, „dass im Bereich prekärer Arbeitssituationen ein möglicher Risikobereich vorliegt“: „Diesen wollen wir uns jetzt ganz genau ansehen.“

Anschober reagiert damit auch auf eine Forderung von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, die in den Schlachthöfen „eine besondere Gefahrensituation“ ortet. Mehr Tests seien aufgrund der Lockerungen überall dort notwendig, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenarbeiten, so Rendi-Wagner.

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Die Schattenseite von Billigst-Fleisch sind Tierleid, schlechte Entlohnung der Bäuerinnen und Bauern, prekäre Arbeitsbedingungen auf den Schlachthöfen.

Gesundheits- und Tierschutzminister Rudolf Anschober (Grüne)

„Rabattschlacht mit Billig-Fleisch beenden“
Der Skandal um die deutsche Großmetzgerei Tönnies habe gezeigt, dass in der internationalen Fleischindustrie dringender Handlungsbedarf besteht, so Anschober. „Die Schattenseite von Billigst-Fleisch sind Tierleid, schlechte Entlohnung der Bäuerinnen und Bauern, prekäre Arbeitsbedingungen auf den Schlachthöfen - diese Missstände müssen beendet werden.“ Er fordert neben einer klaren Kennzeichnung von Herkunft und Tierhaltung auch den Lebensmittelhandel auf, „die teilweise gnadenlose Rabattschlacht mit Billig-Fleisch als Lockangebot zu beenden“.

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies hatte in weiterer Folge am Dienstag zu einem Lockdown in Gütersloh geführt. Erstmals in Deutschland werde ein gesamter Kreis wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf die Schutzmaßnahmen zurückgeführt, die noch vor einigen Wochen gegolten hätten, sagte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. Insgesamt hatten sich über 1500 Tönnies-Mitarbeiter mit dem Virus infiziert.

„Keine Industriebetriebe dieser Größenordnung“
Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) betonte, von Fleischprodukten gehe generell keine Corona-Gefahr aus: „In Österreich gibt es keine Industriebetriebe dieser Größenordnung, die Bedingungen sind mit jenen in Deutschland nicht vergleichbar.“ Die Vorfälle in deutschen Fleischfabriken zeigten aber sehr deutlich auf, „dass Preisdumping und Billigimporte große Probleme mit sich bringen“. Die Ressortchefin forderte auch „eine klare und einfache Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Produkte“.

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