22.06.2020 13:37 |

Kampf gegen Corona

Aufruf an Genesene: „Bitte spenden Sie Plasma!“

Im Kampf gegen das Coronavirus hat sich die Behandlung von Erkrankten mit Blutplasma bereits genesener Covid-19-Patienten als hoffnungsvolle Therapieoption herausgestellt. So können die darin enthaltenen Antikörper einen schweren Verlauf der Infektion abmildern. Am Montag erging deshalb seitens der Ärztekammer ein Aufruf an alle jene, die eine Coronavirus-Infektion mittlerweile überstanden haben: „Bitte spenden Sie Ihr Plasma!“, bat Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres.

Nach wie vor gibt es keine gezielte Therapie gegen das Coronavirus. „Antikörper, die genau gegen dieses Virus gerichtet sind, sind aber vorhanden“, betonte Gerda Leitner, interimistische Leiterin der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin der MedUni Wien. „Wir haben seit April mit Plasma von Rekonvaleszenten (Genesenen, Anm.) - mit den darin enthaltenen Antikörpern - eine wirklich hoffnungsvolle Therapieoption“, sagte ihr Mitarbeiter Dieter Schwartz. Diese Methode komme nicht nur bei Covid-19 zum Einsatz, sondern schon seit Jahrzehnten auch im Kampf gegen andere Erreger.

„Wunderheilung ist es natürlich nicht“
Plasmaspenden haben laut Szkeres in Österreich schon Leben von Covid-19-Erkrankten gerettet - wie das eines Patienten in Graz, der keine Antikörper bilden konnte. „Eine Wunderheilung ist es natürlich nicht“, erläuterte Leitner. Im Wiener AKH sind laut Schwartz zwei Patienten trotz Plasmagabe gestorben, diese hätten jedoch zuvor schon irreversible Lungenschäden gehabt. Daher sei es wichtig, die Therapieoption so frühzeitig wie möglich anzuwenden.

Eine Plasmaspende ist ungefährlich, schmerzlos und „im Prinzip wie eine Blutabnahme“, betonte Szekeres. Es handle sich um einen kurzen Prozess, der weniger als eine Stunde dauert, erläuterte auch Christof Jungbauer, der medizinische Leiter der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und das Burgenland des Roten Kreuzes.

So läuft die Plasmaspende
Für eine Spende ist eine überstandene und durch einen Test nachgewiesene Covid-19-Erkrankung notwendig, erläuterte Jungbauer. Zudem wird der potenzielle Spender auf eine Eignung untersucht. Trifft dies zu, wird der Betreffende an einen Zellseparator angeschlossen und über die Armvene Blut genommen. Das gelblich-klare Plasma mit den darin enthaltenden Antikörpern wird in Beuteln gesammelt. Tiefgefroren ist eine Haltbarkeit von bis zu drei Jahren gegeben. Die übrigen Bestandteile des Blutes werden wieder in den Körper des Spenders zurückgeführt. Er behält genügend Antikörper, um weiterhin geschützt zu sein.

Appell vor allem an genesene Männer gerichtet
Gesucht werden vor allem jene Personen, die hoch fieberhaft an Covid-19 erkrankt waren, da diese besonders viele Antikörper haben. Jungbauer richtete seinen Appell besonders an genesene Männer, da Frauen bei einer Schwangerschaft zusätzliche Antikörper bilden können, die in bestimmten Fällen für Empfänger von Plasma unverträglich sind. Darauf müssen Spenderinnen mit zusätzlichem Aufwand getestet werden, was bei Männern wegfällt.

35 Schwererkrankten konnte mit Plasmaspenden schon geholfen werden, wurde betont. Auch die Bereitschaft zur Plasmaspende ist bereits groß. „Mehrere Hundert Menschen haben bisher ihr Rekonvaleszentenplasma gespendet“, sagte Szekeres.

Forderung: Genesene direkt anschreiben
Genesene, die ihr Plasma spenden wollen, können sich telefonisch beim Roten Kreuz oder bei den medizinischen Universitäten Wien, Graz, Innsbruck und Salzburg, sowie bei Plasmapherese-Instituten melden. Zu den Plasmaspenden wird seit Montag auch in TV-Spots aufgerufen. Genesene sollten zudem von den Behörden angeschrieben und um eine Spende gebeten werden, forderte die Ärztekammer. Zumindest in Wien passiere das bereits, erläuterte ÖÄK-Präsident Szekeres. Auch die behandelnden Ärzte sollten Covid-19-Patienten über die Möglichkeit einer Plasmaspende informieren.

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