Topmodell gefahren

Alfa Romeo Junior Veloce: Endlich ein echter Alfa?

Motor
09.07.2024 13:00

Nach dem namenstechnisch holprigen Start des Junior gibt Alfa Romeo nun wirklich alles – und legt beim Junior Veloce spontan 40 PS drauf. Macht 280 PS. Macht? Ja, Macht. „Krone“-Motorredakteur Stephan Schätzl hat den Elektrosportler gefahren, noch vor der Homologation. Seine Eindrücke hier im Video.

(Bild: kmm)

Ob Milano oder Junior, Hauptsache Alfa Romeo, könnte man sagen. Und man meint: Es wird Zeit, dass Alfa Romeo endlich wieder etwas auf den Markt bringt, was einen wirklich vom Hocker reißt. Die Italiener sind in Zugzwang, um die Fans der Marke bei Laune zu halten. Kann das mit einem Kleinwagen gelingen? Man mag es nicht glauben, nachdem der MiTo damals nicht wirklich den großen Anklang gefunden hat.

(Bild: Stephan Schätzl)

Nun also der Junior. Der kommt als Mildhybrid mit 136 PS und als braver Stromer mit 156 PS. Mit Technik aus dem Mutterkonzern Stellantis, die man auch aus Opel Corsa & Co. kennt. Aber auch eine Veloce-Version wurde gleich angekündigt, mit 240 Elektro-PS. doch dann der Sinneswandel. „Alle Veloce-Versionen haben 280 PS, also muss das auch der Junior erreichen“, sagt Produktmanager Mario Lamagna am Vorabend der Testfahrten beim Abendessen im Alfa-Romeo-Museum in Arese (er meint die Benziner Giulia und Stelvio sowie den Plug-in-Hybrid Tonale). Das zeigt, wie ernst es den Herrschaften ist. Genau genommen sind es 281,5 PS, 207 kW.

„Die dynamischen Qualitäten des neuen Alfa Romeo Junior Veloce werden vom selben Ingenieursteam verantwortet, das zuvor bereits die Alfa Romeo Sportwagenmodelle 4C, 8C, Giulia GTA, 33 Stradale, Giulia Quadrifoglio sowie Stelvio Quadrifoglio entwickelt hat“, steht großspurig in den Presseunterlagen. Und es soll sich bald zeigen, dass jeder Einzelne stolz drauf sein kann.

Testtag in Balocco
Morgens auf der Pista di prova in Balocco, für die Alfa Romeo vor 63 Jahren den Grundstein gelegt hat. Heute hat es eine Fläche von rund sechs Quadratkilometern mit mehr als 80 Kilometern Straßen und Wegen unterschiedlichster Qualität. Für uns haben sie eine rund 20 Kilometer lange Strecke geöffnet, die so ziemlich alles bietet, was einem so begegnen kann. Den sogenannten Circuito Langhe. Es regnet.

(Bild: Stephan Schätzl)

Und das ist gut so. Denn bevor es aufreißt und der Asphalt trocknet, bekomme ich mit, wie spielerisch sich der Alfa Romeo Junior Veloce auf rutschigem Untergrund bewegen lässt. Obwohl 280 PS und 345 Nm über die Vorderräder herfallen. Torsen-Sperrdifferenzial an der Vorderachse! Ja! Man bekommt richtig Kraft auf den Boden und man spürt in Kurven den schmalen Grat, auf dem man gerade noch so viel Grip hat, dass man nicht in der Leitplanke landet. Wäre auch zu schade um die schöne Karosserie. Auch wenn der Front ein Chrom-Scudetto besser stehen würde als dieses gewollt jugendliche Ding in der Mitte. Alfa will jung werden, die Käufer sollen im Schnitt jetzt 35 Jahre alt sein, nicht mehr 55. Okay.

Auch als die Sonne herauskommt, bleibt kein Auge trocken. Der Junior Veloce – 25 mm tiefergelegt – presst sich auf den Asphalt und zieht durch Kurven wie ein astreiner Sportwagen. 1590 Kilogramm bringt der Testwagen ohne Fahrer auf die Waage, mit den optionalen Sabelt-Schalensitzen, E-Heckklappe etc. Ohne Sonderausstattung sind es laut Datenblatt nur 1485 kg. Auch mit knapp 1,6 Tonnen fühlt er sich leicht an. Leichtfüßig. Lenkt präzise ein. Direkt, mit einer Lenkübersetzung von 14,6:1. Aber was heißt das schon? Eine direkte Lenkung ohne Gefühl wäre stressig. Doch hier im Junior Veloce gibt es jede Menge Gefühl. Hier fängt man etwas an mit der Direktheit, hier zieht man der Kurve intuitiv den Scheitel und spürt genau, was passiert, wo es lang- und was sich ausgeht.

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Dabei ist das Fahrwerk nicht einmal besonders hart, sondern bietet richtig Komfort. Also beides, Komfort und Sportlichkeit. Das liegt an den Stoßdämpfern, die serienmäßig je zwei hydraulische Endanschläge mitbringen. Fürs Ein- und Ausfedern. Wir kennen das von Citroen, allerdings nicht in einer so sportlichen Version. Oder vom Renault Megane R.S., dort allerdings nur beim Einfedern.

Besonderheit im Bremssystem
Erstklassig auch die Bremsen. Vorne Scheiben im Format 382x32 mm, mit Vierkolben-Monobloc-Bremssätteln, innenbelüftet. Natürlich wird beim Tritt auf das Bremspedal zunächst rekuperiert, bevor die Scheiben in Anspruch genommen werden. Der Übergang funktioniert gut. Ungewöhnlich: Diese Mischfunktion wird im Sport-Modus außer Betrieb gesetzt, dann bremst man nur klassisch. Alfa Romeo gibt übrigens aus Tempo 100 einen Bremsweg von 35 Metern an.

Anders herum dauert es aus dem Stand 5,9 Sekunden. Über 200 km/h läuft er, sagen sie. Als Reichweite geben sie 410 Kilometer an, die sie aus der netto 51 kWh großen Batterie holen. Geladen wird nicht so schnell wie gefahren, 20 bis 80 Prozent dauert 27 Minuten, maximale Ladeleistung 100 kW. Na ja.

Apropos laden. In den Kofferraum passen 400 bis 1265 Liter, der doppelte Boden lässt sich easy in drei Positionen fixieren. Unter der Fronthaube hat in einem Mini-Frunk das Ladekabel Platz. Auf der Rückbank geht es mit den Sabelt-Sitzen eher eng zu – sie tragen mächtig auf. Da muss man Prioritäten setzen. Aber der Junior ist ja auch nur 4,17 Meter lang und 1,78 Meter schmal, bei 2,56 Meter Radstand.

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Vorn ist Platz genug. Und schön genug ist es auch. Mit Alcantara. Und einem herrlichen Design. Integriertes Zentraldisplay. Typische Alfa-Romeo-Röhren hinter dem Lenkrad, mit digitalen Instrumenten. Und das Navi kann auch Ladestopp-Routen legen, wobei man den gewünschten Ladestand am nächsten Punkt einstellen kann (leider wird nicht unterschieden zwischen Ladestopp und Zielort).

Die Preise
Ab 48.990 Euro steht der Alfa Romeo Junior Veloce in der Preisliste. Gut 6000 Euro kommen da noch für Extras dazu, vom herrlichen Rosso Brera über das Technologie-Paket mit LED-Matrix-Scheinwerfern, Navi, Parksensoren vorn bis hin zum Sportpaket samt Sabeltsitzen und dem Glasdach. 20-Zoll-Alus, Adaptivtempomat, Wärmepumpe und 11-kW-Lader sind Serie.

Der brave Basisstromer ist ab 29.900 Euro zu haben, der Mildhybrid-Benziner ab 29.000 Euro.

Fahrzit
Es ist ein geschickter Schachzug, Journalisten für den Junior-Erstkontakt ausschließlich das Topmodell an die Hand zu geben – und das, ob wohl es noch nicht einmal homologiert ist, also gar nicht auf öffentlichen Straßen fahren darf. Im Gegensatz zu den Normalo-Versionen. Vor allem wenn man weiß, dass es wirklich gelungen ist. Denn das ist es. So macht Elektromobilität Spaß. Und so macht Alfa Romeo Spaß. Der Junior Veloce ist ein echter Alfa Romeo. Und er braucht keinen Verbrennungsmotor, um Emotionen zu erzeugen. Ich gehe sogar so weit, dass ich sage: Er ist der elektrische Nachfolger des legendären und Alfasud. Der war der erfolgreichste Alfa Romeo aller Zeiten. Und wohl der rostigste. An ersterem könnte der Junior anknüpfen.

Warum?
Weil der Veloce wirklich gut und wirklich schnell ist
Weil er Alfa Romeo ins Heute holt

Warum nicht?
56.000 Euro ist viel Geld für so ein kleines Auto.

Oder vielleicht ...
... VW ID.3 GTX, Cupra Born – oder dann gleich eine bravere Junior-Variante?

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(Bild: kmm)



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