Corona-Verluste

Hoteliers: Zehn Jahresgewinne durch Schließung weg

Österreich
01.06.2020 17:03

Seit Freitag dürfen die österreichischen Hotels nach zweieinhalb Monaten Zwangspause wieder Gäste beherbergen. Einzelne Betriebe in Top-Destinationen melden auch gute Auslastungen am verlängerten Pfingstwochenende, bei den meisten Hotels herrscht aber noch gähnende Leere und von einem rentablen Betrieb sind sie noch weit entfernt. Die Hoteliervereinigung rechnet vor, dass bei zweieinhalb Monaten Schließung zehn Jahresgewinne verloren gegangen seien.

„Da ist schon noch viel Luft nach oben“, meinte der Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Martin Stanits, am Montagnachmittag. Einzelne Hotels, etwa an klassischen Tourismus-Hotspots an den Kärntner Seen, seien bei gutem Wetter sogar zu hundert Prozent ausgelastet gewesen, „das ist viel besser als erwartet“, so Stanits. Hotels mit einem besonderen Mehrwert, an guten Standorten und mit einem klingenden Namen würden wesentlich besser abschneiden als die meisten anderen. So seien andererseits manche Hotels auch komplett leer gestanden, weil zwar Gäste gebucht hätten, wegen des schlechten Wetters aber nicht erschienen seien.

(Bild: APA/BARBARA GINDL)

Von rentablem Betrieb weit entfernt
Wegen des großen Angebots etwa in Vorarlberg, Tirol und im Salzburger Land habe die Auslastung etwa 15 Prozent betragen, „das tut weh“, so Stanits. Von einem rentablen Betrieb sei man damit weit entfernt, die Öffnung sei eher eine Investition in die Beziehung zu den Gästen und Mitarbeitern gewesen.

Die Touristen vor dem Schloss Schönbrunn in Wien fehlen derzeit noch. (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)
Die Touristen vor dem Schloss Schönbrunn in Wien fehlen derzeit noch.

Noch schlechter dran seien die Hotels in Städten, „da sind 15 Prozent Auslastung eher die positive Ausnahme“. Was den Städten derzeit noch fehle, seien die Attraktionen und die internationalen Gäste. Hier hoffe man sehr auf die Grenzöffnungen Mitte Juni.

Thermen und Wellness etwas besser dran
Etwas besser läuft es bereits für die Thermen und Wellnessbetriebe, die sich zum Teil selbst aus Sicherheitsgründen bei der Auslastung eine Obergrenze von 70 Prozent gesetzt hätten, berichtete Stanits. „Aber bei 70 Prozent beginnt erst die Wirtschaftlichkeit bei den Thermen.“

(Bild: APA, stock.adobe.com, krone.at-Grafik)

Etwas anders sei das bei den Qualitätshotels. „Bei 55 bis 60 Prozent Auslastung beginnt ein größerer Teil der Hotels rentabel zu arbeiten.“ Allerdings gelte das für einen längeren Durchrechnungszeitraum, im Sommer bräuchte man mehr. „Im August 2019 hatten wir 74 Prozent Auslastung, und die wird man auch brauchen, sonst gehen Arbeitsplätze verloren. Da ist schon noch viel Luft nach oben, da muss man sich anstrengen, um das rentabel zu machen.“

„Kein Hotel wird heuer Gewinn machen“
Heuer werde jedenfalls kein Hotel Gewinn machen, lässt Stanits keine Illusionen aufkommen. „Ein gutes Qualitätshotel macht zwei Prozent vom Jahresumsatz Gewinn. Im Schnitt werden in einem Monat 8,3 Prozent des Jahresumsatzes gemacht. Bei den Betrieben, die zweieinhalb Monate geschlossen waren, sind also zehn Jahresgewinne verloren gegangen.“

(Bild: Einöder Horst)

Solche Verluste könne man mit knappen Margen nicht mehr aufholen, „es wird Eigenkapitalzuschüsse brauchen“. Die könnten als nicht rückzahlbare Zuschüsse von der öffentlichen Hand kommen, sagte der ÖHV-Sprecher. „Das würde sich aber auszahlen, denn der Tourismus ist in Österreich ein Exportturbo.“ Eine Alternative wäre, dass andere einsteigen, so Stanits.

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