26.05.2020 13:00 |

Deutlicher Rückgang

Coronavirus hat extremen Effekt auf Krankenstände

Im ganzen Land stehen seit Mitte März Büroräume so gut wie leer: Ein Großteil der berufstätigten Bevölkerung befindet sich aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus im Home-Office. Zudem wird Social Distancing auch im privaten Alltag großgeschrieben. Und nun ist ein auffälliger Effekt in dieser außergewöhnlichen Zeit bemerkbar: Alleine im April wurden fast um zwei Drittel weniger Krankenstände vermeldet.

So gab es im April laut Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK) 148.999 neue Arbeitsunfähigkeitsmeldungen, während es im entsprechenden Monat 2019 noch 436.619 waren. Das entspricht einem Rückgang um fast zwei Drittel.

Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Home-Office als Faktoren
ÖGK-Sprecherin Marie-Theres Egyed führt diese enorme Reduktion auf folgende Faktoren zurück: den Ausfall von planbaren Operationen, Kurzarbeit, steigende Arbeitslosigkeit, Home-Office, Betreuungsfreistellungen bzw. wenn man einer Risikogruppe angehört auch Dienstfreistellungen.

Eine Auswahl der Bundesländerzahlen: In Wien gab es im heurigen April 28.907 Arbeitsunfähigkeitsmeldungen, während es 2019 116.354 waren, in Tirol 12.234 gegenüber 33.438, in Vorarlberg 7266 zu 19.358 und in der Steiermark 18.144 im Vergleich zu 52.721. Diese Zahlen lassen sich laut ÖGK noch nicht nach Krankheiten aufschlüsseln. Dies sei erst in einigen Monaten möglich, wenn die Abrechnungen der Kassenärzte eingetroffen sind.

Gegenteiliger Effekt in Deutschland
Ganz anders die Situation in Deutschland, wo der Krankenstand im März auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Mit 6,84 Prozent erreichte der Anteil der krankgemeldeten Arbeitnehmer den höchsten Wert seit 20 Jahren, wie eine am Dienstag in Hamburg veröffentlichte Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) laut Nachrichtenagentur AFP zeigt. Die Kasse erklärt die überdurchschnittliche Zahl mit präventiven Krankmeldungen wegen der Corona-Krise. 2019 lag das Jahreshoch beim Krankenstand bei 5,30 Prozent, 2018 waren es 6,30 Prozent.

In der Hochphase der Corona-Pandemie ist in Deutschland die Zahl der Facharztbesuche deutlich zurückgegangen. Das bestätigte eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage bei Berufsverbänden sowie Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen. Kardiologen und Onkologen melden für ihre Patienten, die in der Regel zu einer Risikogruppe gehören, demnach Rückgänge bei den Terminen zwischen geschätzt 30 und 50 Prozent. Zahnärzte verzeichnen sogar ein Minus von bis zu 80 Prozent.

Entsprechende valide Zahlen für Österreich liegen nicht vor: „Die Abrechnungen über die E-Card erfolgen immer erst im Nachhinein, das dauert meist einige Monate“, sagte Egyed. Laut Ärztekammer hätten gut 90 Prozent der Ordinationen zwar trotz Corona-Krise weiterhin geöffnet, vor allem bei Fachärzten wurden Routinekontrollen aber verschoben. Viele Mediziner setzten auch auf Telemedizin und berieten ihre Patienten über das Telefon. Die Ordinationen wurden von bis zu 90 Prozent weniger Patienten aufgesucht, hieß es Mitte April.

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