27.04.2020 13:07 |

Verschwörungstheorien

Feindbild Bill Gates: Das wird über ihn behauptet

Weil er sich für die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus einsetzt, wird Bill Gates verstärkt zur Zielscheibe von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern. „Es gibt Leute, die wollen das durch eine politische, nicht durch eine wissenschaftliche Brille betrachten“, so der Microsoft-Gründer gegenüber dem US-Sender CNN. „Das kann dich zu seltsamen Ansichten führen.“ Was derzeit über Gates behauptet wird und was dran ist - ein Überblick.

Behauptung 1: Gates will im Kampf gegen den Erreger den Menschen Mikrochips einpflanzen lassen - und so die totale Kontrolle erlangen

Fakten: Gates schrieb im März, dass irgendwann „digitale Zertifikate“ Auskunft darüber geben könnten, wer eine Infektion mit dem Coronavirus bereits durchgestanden hat oder - sobald das möglich ist - dagegen geimpft ist. Diese Aussage wurde mit vollkommen anderen Projekten verrührt, die von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung unterstützt werden - etwa Forschungen zur digitalen Identifizierung, zu einer Technik, die Impfungen im Infrarotlicht auf der Haut anzeigt, sowie zu Verhütungsmethoden via Mikrochips. Mit dem Coronavirus haben sie nichts zu tun.

Bewertung: falsche Zusammenhänge.

Behauptung 2: Gates finanziert die Weltgesundheitsorganisation

Fakten: Im Budgetzeitraum 2018/2019 flossen Spenden der Gates-Stiftung in Höhe von 367,7 Millionen Dollar (rund 340,5 Millionen Euro) in Projekte der WHO. Damit war sie als zweitwichtigster Zahler nach den USA (553 Millionen Dollar) gelistet, die jüngst ihre finanzielle Unterstützung an die UN-Behörde einfroren. Die Gates-Stiftung beteiligte sich damit zu 9,8 Prozent an den zweckgebundenen Spenden, die wiederum 77 Prozent des gesamten WHO-Budgets ausmachen. Kritiker bemängeln, Gates dürfe die Ziele seiner Spenden bestimmen und könne so der WHO eine Richtung vorgeben.

Bewertung: Die Behauptung, Gates finanziere die WHO, ist übertrieben, doch gehört seine Stiftung tatsächlich zu den größten Geldgebern der Weltgesundheitsorganisation.

Behauptung 3: Die Gates-Stiftung soll die Entwicklung des neuen Coronavirus finanziert haben - inklusive Patent.

Fakten: Als vermeintlicher Beweis für diese Behauptung angeführt wird ein Patent eines von der Stiftung unterstützten Instituts von 2015 mit dem Titel „Coronavirus“. Dabei geht es aber nicht um SARS-CoV-2, sondern um die Impfstoffentwicklung gegen ein Geflügelvirus aus der Gruppe der Coronaviren. In der Immunologie ist es üblich, dass Forscher das Erbgut von Erregern verändern, um sie weniger gefährlich zu machen. Diese eignen sich dann zur Herstellung von Impfstoffen. Zudem halten Wissenschafter eine Entwicklung des neuen Coronavirus im Labor für nicht plausibel.

Bewertung: entbehrt jeder Grundlage.

Behauptung 4: Gates hat seine eigenen Kinder nicht impfen lassen.

Fakten: Gates vermeintlicher früherer Arzt soll das in den 1990er-Jahren auf einem Symposium in Seattle erzählt haben. Es werden weder der Name des Symposiums noch der des Arztes genannt. Wer diese unbelegte These zuerst in die Welt brachte, ist nicht mehr nachvollziehbar.

Bewertung: abstruse Quelle, daher nicht glaubwürdig.

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