Gefährliche Idee

Trump: „Menschen Desinfektionsmittel spritzen“

Ausland
24.04.2020 07:11

US-Präsident Donald Trump hat sich wieder einmal mit einer abstrusen Idee zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie zu Wort gemeldet. So schlug er Forschern ernsthaft vor, im Kampf gegen Covid-19 zu prüfen, Menschen direkt Desinfektionsmittel zu spritzen. Trump sagte im Weißen Haus vor Journalisten, es wäre „interessant“, das zu probieren. Unmittelbar vorher hatte bei der Pressekonferenz ein Regierungsexperte erklärt, dass Bleich- und Desinfektionsmittel das Virus SARS-CoV-2 auf metallischen Flächen rasch abtöten. Eine Injektion mit Desinfektionsmittel wäre höchstwahrscheinlich lebensgefährlich, warnen unterdessen Mediziner.

Trump hingegen fände es "interessant, das zu prüfen. Das müsste man natürlich den Ärzten überlassen, aber es klingt für mich interessant“.

(Bild: AFP)
(Bild: APA/BARBARA GINDL)

Mediziner hatten wiederholt vor solchen Experimenten gewarnt. Seife, Desinfektions- und Bleichmittel können das Virus bei äußerer Anwendung - also beim Händewaschen oder Putzen - zuverlässig abtöten. Es gibt jedoch bislang keine nachweislich wirksamen Medikamente oder Techniken, die den Erreger in infizierten Patienten abtöten können - im Gegenteil. Eine Injektion könnte lebensbedrohliche Folgen für den Menschen haben. Schon das Verschlucken kann schwere Vergiftungen auslösen. 

Auch „Lichttherapie“ gefällt Trump
Der Experte der US-Regierung hatte auch geschildert, dass sich die Lebensdauer des Erregers bei direkter Bestrahlung mit Sonnenlicht dramatisch verkürzt. Auch das nutzte Trump, um über mögliche Coronavirus-Therapieansätze zu spekulieren. „Nehmen wir mal an, wir behandeln den Körper mit einer enormen Menge, entweder ultraviolettes oder einfach starkes Licht“, sagte Trump.

Eine Drive-in-Teststation in Arkansas (Bild: AP)
Eine Drive-in-Teststation in Arkansas

Der intuitive Ansatz einer möglichen „Lichttherapie“ fiel beim US-Präsidenten erneut ungewöhnlich aus: „Mal angenommen, man könnte das Licht in den Körper bringen, was man durch die Haut oder auf andere Weise tun kann“, sagte er weiter und fügte hinzu, die Forscher wollten wohl auch diese Möglichkeit prüfen. „Das ist ziemlich gewaltig“, sagte Trump weiter.

Zweites 500-Milliarden-Paket verabschiedet
Während der Präsident solche Theorien verlautbart, haben US-Senat und das Repräsentantenhaus mit überwältigender Mehrheit unterdessen ein zweites Konjunkturpaket in Höhe von 484 Milliarden US-Dollar (rund 450 Milliarden Euro) als Reaktion auf die Corona-Krise verabschiedet. Der Kongress hatte bereits im März bereits ein Konjunkturprogramm in Höhe von rund 2,2 Billionen Dollar beschlossen, um die schwer geplagte US-Wirtschaft zu stützen.

(Bild: AP)

Mit dem neuen Paket soll ein bestehendes Kreditprogramm für kleine und mittlere Unternehmen um rund 320 Milliarden Dollar aufgestockt werden. Mit den Krediten, die später erlassen werden können, soll der Anstieg der Arbeitslosigkeit in den USA begrenzt werden. Für ein weiteres Kreditprogramm sollen rund 60 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt werden, zudem 75 Milliarden Dollar für das Gesundheitswesen und weitere 25 Milliarden Dollar für Coronavirus-Tests und weitere Forschung zu dem Thema.

26 Millionen Arbeitslose
Die Mittel des Kreditprogramms für Arbeitgeber aus dem vorigen Konjunkturpaket in Höhe von 350 Milliarden Dollar waren vergangene Woche bereits ausgeschöpft worden. Die Republikaner hatten daher auf eine Erhöhung gedrängt. Die Demokraten wollten dem aber nur zustimmen, wenn es auch zusätzliche Mittel für das Gesundheitswesen und Corona-Tests geben würde.

Im US-Bundesstaat Utah gab es am Samstag Demonstrationen für eine Wiederöffnung der Wirtschaft. (Bild: AP)
Im US-Bundesstaat Utah gab es am Samstag Demonstrationen für eine Wiederöffnung der Wirtschaft.

Die Corona-Pandemie hat die US-Wirtschaft schwer getroffen. Infolge der Pandemie haben in den USA die fünfte Woche in Folge Millionen Menschen einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Insgesamt verloren in diesem Zeitraum mehr als 26 Millionen Menschen ihren Job.

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