18.04.2020 02:07 |

65.000 Corona-Tote?

Trump heizt mit Tweets Proteste gegen Lockdown an

Am Vorabend hatte US-Präsident Trump das Schritt-für-Schritt-Hochfahren der USA verkündet, bereits am Freitag ging ihm der drei Phasen-Plan offenbar zu langsam voran. In einer Tweet-Serie warf er drei Bundesstaaten, denen jeweils ein demokratischer Gouverneur vorsteht, vor, die Bevölkerung quasi in Geiselhaft zu halten. Trumps Forderungen nach einer „Befreiung“ der Bundesstaaten, die er in Großbuchstaben kundtat, heizten Proteste konservativer Bürger gegen die strengen Schutzmaßnahmen in der Corona-Krise an. Die US-Regierung rechnet nach neuesten Angaben mit 60.000 bis 65.000 Toten infolge der Pandemie in den USA, wie Trump sagte.

Trump hatte bei der Vorstellung seines Drei-Phasen-Plans für die Rückkehr zur Normalität - bzw. einem Zustand, den wir wohl als die neue Normalität leben werden müssen -  keinen genauen Zeitplan vorgegeben und stattdessen die Entscheidung den Gouverneuren der 50 Bundesstaaten überlassen. Eine landesweite Schließung könne aber keine langfristige Lösung sein, betonte Trump am Donnerstag. Am Freitag startete er seinen Twitter-Feldzug, beginnend mit der Frontfrau der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, und gegen die Gouverneure von Minnesota, Michigan und Viriginia. 

Dies heizte Proteste von Konservativen an. In den Hauptstädten von Michigan und Minnesota, Lansing und Saint Paul, war es in den vergangenen Tagen bereits zu Demonstrationen gekommen.

US-Gouverneure arbeiten an „Trump-sicherem" Plan
Danach widmete Trump sich New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo. New York ist der von der Corona-Pandemie am schlimmsten betroffenen US-Bundesstaat. Cuomo engagierte laut Insidern namhafte Beratungsfirmen, um einen wissenschaftlich fundierten Plan für die sichere wirtschaftliche Wiedereröffnung des Landes zu entwickeln. Ziel sei es, den Plan „Trump-sicher“ zu machen, erklärte ein Berater am Donnerstag. Mit an Bord sind unter der Führung von New York sechs weitere wirtschaftsstarke Staaten an der Ostküste und drei im Westen.

Trump riet Cuomo, der zuvor in seiner täglichen Pressekonferenz mehr Geld aus Washington gefordert hatte, mehr Zeit auf das Machen und weniger auf das Beschweren zu verwenden. „Geh raus und erledige die Arbeit. Hör auf zu reden!“, wütete Trump, der sich seinerseits darüber beschwerte, dass New York die Tausenden Spitalsbetten, „die wir euch gebaut haben, nicht braucht oder benützt“, und dass Cuomo nicht Danke sage.

Cuomo: „Was soll ich machen - einen Blumenstrauß schicken?“
Noch während der Pressekonferenz darauf angesprochen, wurde Cuomo - der sich in der Krise zuletzt national profilierte hatte - wütend: „Wenn er zu Hause sitzt und Fernsehen schaut, sollte er vielleicht aufstehen und zur Arbeit gehen.“ Cuomo fragte rhetorisch, wie oft er sich noch für die bisherige Hilfe aus Washington in der Krise bedanken solle, dies sei schließlich Trumps Jobs gewesen. „Ich weiß nicht, was ich machen soll - einen Blumenstrauß schicken?“

Cuomo konterte auch den Vorwurf mit den Spitalsbetten: „Wenn Sie mit dem Finger auf jemanden zeigen wollen, weil wir mehr Betten haben, als wir brauchen, war unser einziger Fehler nur, Ihren Zahlen zu glauben.“ Dies werde nicht noch einmal passieren. Auch brauche er den Präsidenten nicht dafür, ihm seine Rechte als Gouverneur vorzulesen. Über die Öffnung von Gesellschaft und Wirtschaft in der Pandemie würden einzig die Regierungschefs der US-Bundesstaaten entscheiden.

Texas öffnet Geschäfte, Parks, Schulen bleiben geschlossen
Unterdessen kündigten erste Bundesstaaten vorsichtige Lockerungen der Schutzmaßnahmen an - darunter Minnesota. Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sagte am Freitag in Austin, derzeit geschlossene Geschäfte könnten ab Freitag nächster Woche wieder öffnen, wenn sie Waren lieferten, schickten oder zur Abholung bereitstellten. Mit der Wiedereröffnung von Parks unter Verwaltung des Bundesstaats werde bereits am Montag begonnen. Besucher müssten aber Schutzmaßnahmen befolgen. Schulen blieben in diesem Schuljahr geschlossen.

Golfplätze und Freiluft-Schießstände in Minnesota bald wieder offen
Minnesotas Gouverneur Tim Walz kündigte am Freitag an, dass unter anderem Parks, Wanderwege, Golfplätze, Freiluft-Schießstände und Geschäfte zum Verkauf von Angelködern wieder öffnen könnten, wenn Besucher Schutzmaßnahmen befolgten. „Es ist wichtig für uns, aktiv zu bleiben und die Natur zu genießen und gleichzeitig die Verbreitung von Covid-19 zu verhindern“, sagte Walz nach einer Mitteilung. In Vermont können unter bestimmten Bedingungen Händler wieder öffnen und Bauarbeiten wieder aufgenommen werden.

Trump kündigte Milliarden-Hilfspaket für Bauern an
Bei seiner täglichen Pressekonferenz kündigte Trump ein Hilfspaket mit einem Volumen von 19 Milliarden Dollar (17,50 Mrd. Euro) für US-Landwirte an. Landwirtschaftsminister Sonny Perdue erläuterte, 16 Milliarden Dollar aus diesem Paket würden direkt an Landwirte ausgezahlt. Mit den verbleibenden drei Milliarden werde die Regierung Agrarprodukte aufkaufen. Die Mittel sind im Rahmen von früheren Hilfspaketen wegen der Corona-Krise bereits vom US-Kongress freigegeben.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).