05.03.2020 06:00 |

„Krone“ in New York

Die Eagles in New York: Ein Abend Rockgeschichte

Mitte Februar spielte die amerikanische Kult-Rockband Eagles gleich an drei Abenden im jeweils ausverkauften New Yorker Madison Square Garden. Beim ersten dieser Gigs war nicht nur die „Krone“, sondern auch Beatles-Superstar Paul McCartney live dabei. Das legendäre Erfolgsalbum „Hotel California“ wurde samt Orchester in seiner Gänze zelebriert, dazu gab es im gesamt dreieinhalbstündigen Programm auch ein üppiges Best-Of-Set. Damit kommen Don Henley und Co. Ende August auch für zwei exklusive Europa-Konzerte ins Londoner Wembley Stadion.

Am Ende hielt es noch nicht einmal mehr Sir Paul McCartney auf seinem Sitz. Der deklarierte Eagles-Fan bejubelte seine Helden im New Yorker Madison Square Garden mit nicht enden wollender Euphorie. Es ist keinesfalls ein schlechtes Zeichen, wenn der vielleicht größte noch lebende Songwriter im Pop-Zirkus sich für dreieinhalb Stunden fallen lassen und einfach nur begeisterungsfähiger Anhänger sein kann. Das ist eben die Macht der Eagles. Der vielleicht konsenstauglichsten „All American Band“, die 2021 bereits ihr 50. Jubiläum zelebriert, aber bereits in diesem Jahr mit einem besonderen Programm durch Amerika tourt. Don Henley und Co. spielen nicht nur ihr 1976 erschienenes Erfolgsalbum „Hotel California“ zur Gänze, sondern würzen die Show auch mit einem opulenten Greatest-Hits-Set und diversen Solosongs der einzelnen Bandmitglieder. Ein einziges Festspiel für Rock-Connaisseure, das sich - mit Pause - noch dazu auf eine unglaubliche Spielzeit von gut 200 Minuten ausdehnt.

Generationsverbinder
Die Bedeutung von „Hotel California“ kann für die Musikwelt gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es ist bis heute das drittmeistverkaufte US-Studioalbum, wurde 26-fach mit Platin ausgezeichnet und räumte auch zwei Grammys ab. Mit dem Album gelang den Eagles schon Mitte der 70er etwas, das sie noch heute vom Gros der Konkurrenz herausstechen lässt: die Verbindung aller Generationen. Was „Wetten, dass…?!“ einst als TV-Sendung im deutschsprachigen Raum war, sind die Eagles auf der Bühne. Bei den zwischen Country, Americana und Blues mäandernden Songs finden sich ganze Familienstammbäume zusammen, weil sie noch mehr als viele andere Bands ein künstlerisches Kulturgut darstellen. „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen und meist weißt du nicht, was drinnen ist“, erklärt Henley im Laufe des New-York-Konzerts dem enthusiasmierten Publikum, „aber es gibt auch solche Schachteln, die dir zeigen, was genau drinnen ist. Wir sind eben diese Art von Pralinenschachtel.“

Rund 50 Minuten brauchen die Eagles, um „Hotel California“ entschleunigt und passgenau zu spielen. Wie bei den Kaliforniern üblich, stehen nicht nur das letzte übrig gebliebene Gründungsmitglied Don Henley und der kantige Rockgitarrist Joe Walsh im Vordergrund, sondern abwechselnd alle sechs Stammmitglieder der Band. Jeder bringt seine eigene Farbe in den Sound, jeder darf sich im Laufe des Sets an das Publikum wenden und jeder hat die Möglichkeit, das zentrale Rampenlicht für sich zu nutzen. Neben dem angenehmen Gleichheitsprinzip überzeugen die Eagles mit ihrer fast schon klinischen Perfektion. Alle zusammen sind sie nicht nur Ausnahmemusiker, sondern meist auch auf verschiedenen Instrumenten firm. Henley wechselt etwa mit einer beneidenswerten Selbstverständlichkeit zwischen Gitarre und Schlagzeug hin und her. Der würdevoll ergraute Timothy B. Schmit und Songwriter Vince Gill stellen das rhythmische Fundament der Band war.

Beneidenswerte Präzision
Doch nicht nur die gesamt neunköpfige Eagles-Stammbesetzung überzeugt mit Präzision, während des „Hotel California“-Teils fahren die Musiker auch mit einem 46-köpfigen Orchester und einem 22 Stimmen starken Chor auf, um dem Kultmaterial eine noch speziellere Note zu verleihen. Dass die Eagles bei ihren Konzerten leicht einzuschätzen sind und dazu noch mit derartiger Akkuratesse spielen, wurde in den letzten Jahren des Öfteren kritisiert. Für ausufernde Improvisationen oder spontane Planänderungen gibt es im Kosmos der Perfektionisten keinen Platz, doch dafür sind andere zuständig. Trotz des ausgedehnten „Hotel California“-Sets brillieren die Eagles natürlich umso mehr mit ihrem Best-Of. Songs wie „Take It Easy“, das mit einer vierköpfigen Bläsersektion ausstaffierte „Witchy Woman“ oder „Take It To The Limit“ überzeugen mit ehrlicher Spielfreude und vielen Emotionen.

Zwischenzeitlich bleibt auch genug Zeit, um dem 2016 verstorbenen Gründungsmitglied und Songwriter Glenn Frey zu huldigen. An seiner Stelle rückte schon vor Jahren Sohnemann Deacon, der die Diskografie der Eagles aus dem Effeff beherrscht und zudem ein ähnliches Charisma wie der Vater aufweist. Während seiner Dankesrede flackern Bilder aus glücklichen Tagen von der Videoleinwand. Der Vater mit dem kleinen Sohn spielend. Ein besonders schöner Moment nostalgischer Melancholie. Die Frey-Nummern werden im Laufe des Sets von unterschiedlichen Bandmitgliedern interpretiert, was die mannschaftliche Geschlossenheit innerhalb der Band nur noch verstärkt. Songs wie „Tequila Sunrise“ oder „Those Shoes“ vermitteln unweigerlich das warme Gefühl des „American Dream“. Du kannst alles erreichen, und wir, die Eagles, geben dir den Soundtrack dazu.

Mission erfüllt
Auch die Rollen auf der Bühne sind mehr oder weniger klar verteilt. Henley ist der alles zusammenhaltende Kitt, Schmit der in sich ruhende „Elder Statesman“, Gill das ruhige Genie, Deacon Frey der bescheidene Sohn in den großen Fußstapfen und Joe Walsh der kantige Gegenpol, sozusagen der Keith Richards in einem Becken voller Paul McCartneys. Beeindruckend auch die Stimmleistung von Don Henley, der im stolzen Alter von 72 Jahren noch immer mühelos seine komplette Vocal-Range ausspielen kann. Als spät im Zugabenblock auch noch „Desperado“ folgt und das opulente Set mit Doppel-Leadgitarren beim „Hotel California“-Reprise beschlossen wird, gibt es im randvollen Madison Square Garden zurecht Standing Ovations. „Wir wollen euch hier für etwa drei Stunden aus dem unausweichlichen 24/7-Nachrichtenzirkel herausholen“, erklärt Henley während des Sets dem Publikum. Da bleibt nur zu sagen: Mission accomplished!

Live in London
Nach Europa kommt die orchestral verstärkte „Hotel California“-Show mit dem üppigen Best-Of-Set der Eagles nur zweimal: am 29. und 30. August spielt die Kultband im altehrwürdigen Londoner Wembley Stadion. Infos und Karten dazu gibt es unter www.ticketmaster.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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