Und den versteht Naughty auf unnachahmliche Weise und auf Hunderte Arten zu bringen. Zu Beginn prügelt er seinen ersten Kontrahenten einfach die Watte aus den süßen Bärenschädeln. Doch schon bald findet er Waffen: Äxte, Macheten, Baseball-Schläger, Schraubenzieher. Der Bär mit dem abgeknabberten Ohr weiß mit all diesen fiesen Gegenständen umzugehen. Dementsprechend macht er die bunten "Freunde" dann auch am liebsten mit einem super animierten Finishing-Move fertig und heimst dadurch massig Punkte ein.
Überhaupt darum geht es eigentlich in "Naughty Bear": Sammle möglichst viele Punkte durch die größtmöglichen Gemeinheiten. Und von denen hat "Naughty Bear" in den sieben Episoden zu jeweils fünf Leveln mehr als genug auf Lager, denn nicht nur mit Waffen rückt er seinen Kollegen auf den Pelz. Naughty kann auch die Umgebung nutzen, um Gevatter Tod bei den Bärchen anklopfen zu lassen. Durch geschicktes Sabotieren von Stromkästen, Grillern oder Toiletten fordert er seine Widersacher immer wieder zu unüberlegten Aktionen heraus. Sind diese ordnungsliebenden Zeitgenossen nämlich mit Reparieren beschäftigt, kann auch eine Toilette einmal zur Todesfalle durch Naughtys Hand werden.
Sehen dabei noch andere Bären zu, verfallen diese immer weiter in Panik. Der "Held" der Story verstärkt dieses Gefühl natürlich nur allzu gerne und hüpft wild schreiend aus dem Gebüsch hervor, um sie zu erschrecken. Auf diese Weise lassen sich die Plüsch-Spießer dann schon einmal in den Wahnsinn treiben – was wild animierte Selbstentleibung und massig Punkte für den Spieler zur Folge hat. Unvorsichtigkeit wird allerdings auch in "Naughty Bear" bestraft: Die KI der Bären ist nämlich nicht zu verachten. Diese kleinen Plüsch-Leutchen arbeiten geschickt zusammen, verbarrikadieren sich in Häusern und rufen in unachtsamen Momenten schon einmal die Teddy-Polizei oder –Armee zu Hilfe, die Naughty dann das Leben schwer macht.
Leider war das auch schon der ganze Spaß an "Naughty Bear", denn so überdreht und witzig (wenn man mit dieser tiefschwarzen Art von Humor etwas anfangen kann!) das alles klingt, so schnell nutzt es sich auch ab. Naughty muss in den Levels eigentlich immer dieselben Aufgaben erledigen: Sammle XY-Punkte oder töte XY- bzw. alle Bären. Maximal kommt noch hinzu, dass man sich dabei nicht erwischen lassen oder keine Waffe für sein schändliches Treiben verwenden darf.
Kombiniert mit den immer gleichen Umgebungen nützt sich das leider schnell ab. Und auch die Finishing-Moves wiederholen sich nach einer gewissen Spielzeit immer und immer wieder. Kurz: Der Spieler hat einfach zu schnell fast alles gesehen, was es in "Naughty Bear" zu sehen gibt. Hinzu kommen noch ständige Fehler bei der Kollisionsabfrage und eine extrem nervige Kameraführung. Der Spieler beißt deshalb nicht nur einmal ins Gras, weil er die Übersicht komplett verloren hat - eigentlich muss die Kamerasicht ständig manuell nachjustiert werden, was sogar die stärksten Plüsch-Nervenstränge auf eine harte Probe stellt.
Fazit: "Naughty Bear" könnte der Hit für alle Fans schwarzen Humors sein. Leider liegt dabei die Betonung auf könnte! Am Ende des Tages gibt das Game nämlich einfach zu wenig her, um auf Dauer motivierend zu sein. Sich ständig wiederholenden Aufgaben, Animationen und Leveldesigns – hier haben die Entwickler wirklich sehr viel Potenzial liegen gelassen. Auch wenn "Naughty Bear" Spaß beim kurzen Zocken zwischendurch macht, ist es ein klassisches Beispiel dafür, dass eine gute Idee oft einfach nicht reicht.
Plattform: PS3, Xbox 360 (getestet)
Publisher: 505 Games
krone.at-Wertung: 5/10
von Stefan Taferner
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