11.01.2020 15:00 |

Ausstellung

„Abseits vom profanen Alltag“

Seit 1885 wurden immer wieder Pläne für ein Festspielhaus erwogen, quasi gewälzt. Allerdings blieb es bei Plänen und Ideen, die im Entwurf vollendet waren und dennoch glorios gescheitert sind. Die Salzburger Festspiele rekurrieren zum Jubiläum auf diesen „Traum von einem Feentempel“ – mit vier Kunst-Interventionen.

Der Titel dieser Kunst im öffentlichen Raum-Aktion macht ein wenig nervös. Weshalb Feentempel? Sind da auch die Prinzen eingerechnet, oder geht das heute eher schwer, gar nicht? Kleines Scherzchen, hin zur Festspielhaus-Fantasy. Vier Orte sind es, die die Erbaulichkeiten ins Leidenschaftliche verführten: Mönchsberg, Hellbrunn Schlosspark, Kapuzinerberg und Mirabellgarten. Drei davon mindestens „fern vom Getriebe des profanen Lebens“ und abseits des städtischen Alltags.

Die berühmten Theaterbau-Architekten Helmer & Fellner ersannen 1890 ein Mozart-Festspielhaus am Mönchsberg, pompös an Wagners Bayreuth angelehnt. Esther Stocker wird ab Mai eine filigrane Knitter-Faltstruktur installieren.

Der Berliner Architekt Hans Poelzig plante ab 1920 ein gigantomanisches Pyramiden-Projekt in Hellbrunn, heute würde sich das vom Nashorn-Gehege bis weit in den südlichen Schlosspark erstrecken. Das Architekturteam Flöckner & Schnöll wird es mit dem Architekturhistoriker Norbert Mayr ausmessen.

1942/43 plante Otto Reitter ein gigantisches Projekt am Kapuzinerberg, unter dem Druck von Hitlers Allmacht-Wahnsinns-Fantasien. Werner Feiersinger stellt in eine Lichtung einen flachen Tisch mit dem etwas vergrößerten Modell davon, in Bronze, weiß lackiert.

1950/51 mühte sich Clemens Holzmeister um den Mirabellgarten, wir sind weg von den Stadt-Bergen. Isa Rosenberger lässt einen großen, goldlackierten dreiteiligen Portalrahmen bauen. Das ist zwar als Objekt nicht unbedingt ganz frisch, wird sich aber in den Betrachtern finden. Gewissermaßen eine offene, öffentliche Bühne.

Die temporären Kunst-Interventionen werden ab Mai bis Oktober zu erleben und zu erforschen sein, Führungen sind im Angebot. Geschichte ist nicht immer Gegenwart, zuweilen sinnstiftend.Hans Langwallner

Hans Walter Langwallner
Hans Walter Langwallner
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