18.11.2019 15:18 |

Schauspielhaus Graz:

Neues Puppen-Stück ist ein echter Publikums-Hit

Was für ein toller Theaterabend! Rund um den Film „The Sound of Music“ haben die Puppenspieler Neville Tranter und Nikolaus Habjan mit „The Hills Are Alive“ eine böse Komödie über Flucht und Erbschuld geschaffen. Tickets für das Stück gehen weg wie warme Kaisersemmeln.

Kaum ein Film hat das Österreich-Bild im Ausland so sehr geprägt wie das kitschige Hollywood-Musical „The Sound of Music“, das sehr lose auf der Geschichte der Musikerfamilie Trapp basiert, die 1939 vor den Nazis aus Österreich in die USA flüchtete und dort zu gefeierten Stars wurden.

Flucht in die alte Heimat
Als Max und Maria von Trüb lassen Neville Tranter und Nikolaus Habjan den gealterten Patron der Familie und seine Frau nun wieder auferstehen. Und ganz so glamourös wie der Film verspricht ist ihr weiteres Leben nicht verlaufen: Die Kinder sind allesamt Versager oder Kriminelle, Max von Trüb hat nach Maria noch zahlreiche andere Nannys verführt und nun ist das Showbiz-Paar noch einmal auf der Flucht - diesmal vor Trumps Grenzpolitik.

So kehren sie nach Salzburg zurück, wo sie nicht von Fans, sondern vom übel gelaunten Bürokraten Norbert Frickl begrüßt werden: Er ist der Sohn jenes Nazis, der die Flucht der von Trübs einst nicht verhindern konnte - und er sinnt auf Rache!

Herzhaft und pointiert
Es ist ein Kunststück, das Tranter (Text und Puppenbau) und Habjan mit diesem Stück gelingt: Einerseits arbeiten sie sich herzhaft und pointiert an den vielen Legenden um die Familie Trapp und das Österreich-Bild in Hollywood (auch Arnie hat einen kurzen Gastauftritt) ab. Andererseits ist „The Hills Are Alive“ ein bissiger Kommentar auf die gegenwärtige Flüchtlingspolitik und die tragische Wiederkehr fremdenfeindlichen Gedankenguts.

Es ist also kein Zufall, dass der Bürokrat Frickl mit seinem Bärtchen verdächtige Ähnlichkeiten mit einem gewissen Adolf hat! Umso herrlicher ist es, diese Figur beim Scheitern an der englischen Sprache zu beobachten, in der gespielt wird. Doch keine Angst, das Stück ist trotzdem gut verständlich, nicht zuletzt weil mit Tranter und Habjan zwei der großartigsten Puppenspieler der Gegenwart auf der Bühne stehen. Wie vielseitig sie all die Figuren ausfüllen und wie flink sie zwischen ihnen wechseln ist atemberaubend. Und bei all den Andeutungen und Querverweisen, die sie in den gut 85-minütigen Theaterabend verpackt haben, finden sie auch noch Raum, sich gegenseitig aufs Korn zu nehmen.

Standing Ovations
Das Resultat ist alles, was man sich von einer bösen Puppenkomödie wünschen kann - und noch ein bisschen mehr. Verdiente Standing Ovations bei der Premiere. Alle Infos und Termine finden Sie hier

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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