Prozess in Graz

Schenkkreis: „Das sind ja nur Schauergeschichten“

Steiermark
10.10.2019 07:30
Etliche Zeugenbefragungen standen im Prozess um ein illegales, weststeirisches Pyramidenspiel am Mittwoch in Graz am Programm. Tausende Euro investierten sie in den Schenkkreis, für die meisten hieß es aber: „Außer Spesen nix gewesen.“ „Ich wurde nicht betrogen“, meinte eine Dame, obwohl sie 10.000 Euro los ist.

„Der Angeklagte ist kein Betrüger, er hat mich nur getäuscht“, erzählt eine Zeugin und ehemalige Schenkkreis-Spielerin Richterin Michaela Lapanjé – und meint damit den Erstangeklagten in der Dreier-Runde. „Täuschen ist aber ein Teil des Betrugs“, hilft ihr Staatsanwalt Hansjörg Bacher auf die Sprünge. Bis ihr plötzlich einleuchtet: Richtig, sie hat 10.000 Euro investiert, die sind futsch. „Ich brauche keine Abdecker, hat man mir gesagt“, beteuert sie. Bis man diese doch von ihr verlangt habe. „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich nie mitgespielt!“

„Ich soll alle Unterlagen entsorgen“
Ein weiterer Zeuge, einst selbst Vermögensberater, investierte noch mehr Geld: 40.000 Euro, teils von der Mutter ausgeborgt, fehlen ihm heute. „Quittungen nach Geldübergaben hat es nie gegeben. Diese dürfen nur unter vier Augen stattfinden, dann kann niemand etwas nachweisen, hat man uns gesagt. Als das Haus des Erstangeklagten durchsucht wurde, hat er mich angerufen und verlangt, ich soll alle Unterlagen entsorgen. Ich hab’ dann die Sachen schnell zum Bauhof geführt.“

„Alles nur Lügen- und Schauergeschichten!“, verteidigt sich der Erstangeklagte. Vertagt.

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