01.10.2019 16:23 |

Skandale und Politik

Geheime Mitschnitte: Das sagt Zuckerberg im Büro

Wenn Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit Politikern oder Investoren spricht, wählt er seine Worte mit Bedacht. Doch Facebook-intern sitzt seine Zunge lockerer. Das belegen Audio-Mitschnitte, die einem US-Medium zugespielt wurden. Darin spricht Zuckerberg über die vielen Skandale, die sein Unternehmen in den letzten Jahren gebeutelt haben.

Naturgemäß waren die verschiedensten Skandale auch Facebook-intern Thema. Das belegen Audio-Mitschnitte, die bei zwei internen Facebook-Meetings im Juli aufgenommen wurden. Rund zwei Stunden interne Kommentare von Zuckerberg wurden „The Verge“ zugespielt.

„Ob uns das stinkt? Natürlich!“
Über Bestrebungen einiger Politiker, Facebook zu zerschlagen, sagt Zuckerberg: „Wenn man jemanden wie Elizabeth Warren hat, die denkt, dass es die richtige Antwort ist, Firmen aufzuspalten, dann würde ich wetten, dass wir, wenn sie zur Präsidentin gewählt wird, einen Rechtsstreit haben werden. Und ich würde darauf wetten, dass wir ihn gewinnen. Ob uns das stinkt? Natürlich! Ich meine, ich will keinen großen Prozess gegen unsere eigene Regierung. Aber schaut, am Ende des Tages muss man auf die Matte und kämpfen, wenn einem jemand etwas so Existenzielles androht!“

Grund für die Idee, Facebook zu zerschlagen, waren nicht zuletzt Kampagnen zur Beeinflussung der politischen Meinung der User. Zuckerberg dazu: „Es ist so, dass die Zerschlagung dieser Firmen - ob nun Facebook, Google oder Amazon - in Wahrheit die Probleme nicht löst. Und wisst ihr, es macht Wahlbeeinflussung nicht unwahrscheinlicher. Es macht sie wahrscheinlicher, weil sich die Firmen nicht mehr koordinieren und kooperieren könnten.“

„Unsere Investition ist größer als ihr ganzer Umsatz“
Im Kampf gegen Fake News sehe er Facebook ohnedies am richtigen Weg, erklärt Zuckerberg seinen Mitarbeitern - mit einem Seitenhieb auf den Rivalen Twitter. „Es gibt einen Grund, wieso Twitter das nicht so gut kann wie wir. Ich meine, sie haben qualitativ die gleichen Probleme. Aber sie können das finanziell nicht stemmen. Unsere Investition in Sicherheit ist größer als der komplette Umsatz ihres Unternehmens“, sagt Zuckerberg - und erntet Gelächter von seiner Belegschaft.

Zuckerbergs Antwort auf die Frage, wieso er nicht allen Regierungen Rede und Antwort stand, die nach dem Cambridge-Analytica-Skandal nach ihm verlangten: „Ich gehe nicht zu jedem Hearing auf der ganzen Welt. Eine Menge verschiedene Leute wollen das. Als letztes Jahr die Probleme mit Cambridge Analytica aufkamen, habe ich an Hearings in den USA und in der EU teilgenommen. Es macht für mich einfach keinen Sinn, zu jedem Hearing in jedem Land zu gehen, das will, dass ich dort auftauche.“

„Glaube, einige Berichte werden überdramatisiert“
Berichte über psychologisch ungesunde Arbeitsbedingungen der bei Partnerfirmen beschäftigten Content-Moderatoren kommentiert er so: „Ich glaube, einige Berichte werden überdramatisiert. Wenn man sich das genauer ansieht, ist es nicht so, dass die meisten Leute den ganzen Tag nur schreckliche Dinge ansehen. Aber es gibt wirklich schlimme Dinge, mit denen diese Leute umgehen müssen. Und sicherzustellen, dass diese Leute die richtige Betreuung, Zeit und Raum für Pausen und Unterstützung für ihre mentale Gesundheit bekommen, ist eine wirklich wichtige Sache.“

Das Misstrauen gegen seine geplante Kryptowährung Libra machte Zuckerberg bei seinen Mitarbeitertreffen ebenfalls zum Thema. „Ich glaube, die öffentlichen Sachen sind hier etwas dramatischer. Ein größerer Teil davon ist aber die private Auseinandersetzung mit Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt. Und ich denke, diese Treffen sind oft substanzieller und weniger dramatisch. Und diese Treffen spielen sich nicht vor einer Kamera ab, aber das ist, wo viele Diskussionen und Details durcheinandergebracht werden.“

Die zwei Stunden Audio-Aufzeichnungen, die „The Verge“ im Volltext veröffentlicht hat, zeigen, dass Zuckerberg seinen Mitarbeitern recht ehrlich zu kommunizieren scheint, wie er gewisse Entwicklungen rund um Facebook sieht und was er von diesen Vorgängen hält. Ob das auch nach der Veröffentlichung der internen Mitschnitte so bleibt?

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