21.08.2019 12:40 |

Noch Aufklärungsbedarf

E-Scooter: Jeder Vierte fährt illegal am Gehsteig

Mehr als 7000 E-Scooter von sieben Verleihfirmen rollen bereits durch Wien, noch im Herbst will ein achter Anbieter starten. Dazu kommen zahlreiche E-Scooter im Privatbesitz. Eine Analyse des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) zeigt nun jedoch, dass es nach wie vor großen Aufklärungsbedarf gibt. So ist etwa jeder vierte E-Scooter-Fahrer verbotenerweise am Gehsteig unterwegs.

In umfassenden Beobachtungen, Befragungen und Analysen setzte sich das KFV mit der Thematik E-Scooter auseinander. So wurden von Juni bis August in Wien mehr als 1500 E-Scooter-Fahrer beobachtet. Dabei kam heraus, dass sie im Schnitt mit 15,1 km/h unterwegs sind. Die höchste gemessene Geschwindigkeit betrug im Rahmen der Beobachtungen 31 km/h, berichtete das KFV am Mittwoch. Erlaubt sind maximal 25 km/h.

Keine Handzeichen, kein Helm und Fahren am Gehsteig
Besonders erschreckend: Nur ein Prozent der Fahrer zeigte einen geplanten Abbiegevorgang ordnungsgemäß an. Die Helmtragequote lag lediglich bei drei Prozent, wobei Nutzer von privaten E-Scootern wesentlich häufiger einen Helm trugen (zehn Prozent) als Nutzer von Leih-E-Scootern (zwei Prozent). Wenn eine Infrastruktur bestehend aus einem Radweg, der Fahrbahn für den Mischverkehr und einem Gehsteig vorhanden ist, so wählen 73 Prozent der E-Scooter Fahrer den Radweg, 23 Prozent nutzen verbotenerweise den Gehsteig.

Seit Juni dieses Jahres sind E-Scooter Fahrrädern gleichgestellt. Aus unserer Befragung geht jedoch hervor, dass jeder Fünfte glaubt, dass die Nutzung des Gehsteigs mit dem E-Scooter erlaubt ist. Hier ist noch viel Bewusstseinsbildung zu leisten“, sagte Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV. Was sich im Rahmen der Beobachtungen ebenfalls zeigte: Bei drei Prozent aller beobachteten Fahrten waren zwei Personen gemeinsam auf einem E-Scooter unterwegs - was strikt verboten ist.

1000 verletzte E-Scooter-Fahrer auf Österreichs Straßen
„E-Scooter bieten viele neue Chancen und Möglichkeiten. Dennoch sind sie nicht ganz ungefährlich: Wir rechnen damit, dass sich allein in diesem Jahr mehr als 1000 E-Scooter Fahrer auf Österreichs Straßen verletzen“, erläuterte Robatsch. „Damit sich E-Scooter dauerhaft als eine bereichernde, sichere neue Mobilitätsform etablieren können, ist noch viel Informationsbedarf gegeben und Bewusstseinsbildung erforderlich.“

So weiß etwa nur jeder vierte E-Scooter Nutzer, dass man ab einem Alter von zwölf Jahren alleine mit einem E-Scooter fahren darf (darunter nur mit Radfahrausweis) und nur rund 28 Prozent haben Kenntnis darüber, dass für Kinder bis zwölf Jahre beim E-Scooterfahren die Helmpflicht gilt.

Bei der Befragung von mehr als 500 E-Scooter-Nutzern (200 an Ort und Stelle in Wien, 300 online) gaben 14 Prozent der Teilnehmer an, dass sie bereits einen Konflikt mit einem anderen Verkehrsteilnehmer - besonders häufig mit Fußgängern oder Radfahrern - hatten. 17 Prozent der Befragten haben bereits eine Situation erlebt, in der ihr E-Scooter - etwa aufgrund von Nässe, Unerfahrenheit oder der Geschwindigkeit - nicht mehr kontrollierbar war.

Verband rechnet heuer mit 30.000 verkauften E-Scootern
Allen Risiken zum Trotz zeigen die Ergebnisse des KFV, dass das Potenzial von E-Scootern groß ist: Knapp die Hälfte der befragten Personen, die bisher noch keinen E-Scooter nutzen, sind daran interessiert. Nach Angaben des Verbands der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs wurden im Vorjahr rund 25.000 E-Scooter verkauft, für 2019 wird mit rund 30.000 verkauften E-Scootern gerechnet.

 krone.at
krone.at
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter