Bei Kämpfen in Syrien
120 IS-Mitglieder aus Gefängnis ausgebrochen
Bei Kämpfen im Nordosten Syriens sind ungefähr 120 Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus einem Gefängnis ausgebrochen. Regierungstruppen hätten nach ihnen gesucht und etwa 80 von ihnen wieder festgenommen, teilte das syrische Innenministerium mit.
Die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sagten hingegen, dass gar 1500 Kämpfer aus dem Gefängnis ausgebrochen seien. Offiziell ist es ein Lager, wobei die Bewohnerinnen und Bewohner von einem Gefängnis sprechen, da sie es nicht freiwillig verlassen könnten. Neben Kämpfern sind auch Tausende Angehörige untergebracht, vor allem Frauen, Jugendliche und Kinder. Man habe dort keine Kontrolle mehr, Verbündete der Regierung hätten trotz eines Waffenstillstands mehrere Haftanstalten im Nordosten des Landes angegriffen, sagten die Demokratischen Kräfte.
Die SDF waren der wichtigste Verbündete des US-Militärs im Kampf gegen den IS. Bisher kontrollierten die kurdisch angeführten Milizen auch die Gefängnisse. Nach dem Vormarsch der Regierungstruppen besteht nun die Sorge, dass der Islamische Staat die instabile Lage ausnutzen und sich neu gruppieren könnte.
Eigentlich hatte die Regierung von Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa am Sonntag einen Waffenstillstand mit den SDF angekündigt nach Gefechten im Nordosten und in der Stadt Aleppo. Beide Seiten melden aber weiter Tote und Verletzte. Aus Kreisen in Damaskus hieß es, dass SDF-Kommandant Mazloum Abdi den Waffenstillstand als beendet betrachte, und ein Angebot der Regierung abgelehnt habe, zum Vize-Verteidigungsminister ernannt zu werden. Auf diese Weise hätten die SDF und ihre Kämpfer in staatliche Strukturen eingegliedert werden sollen.
Viertägiger Waffenstillstand vereinbart
Am Dienstagabend einigten sich die SDF und die Übergangsregierung schließlich wieder auf einen Waffenstillstand. Er beginne um 20 Uhr (Ortszeit, 18 Uhr MEZ) und solle für vier Tage gelten, hieß es. In dieser Zeit soll ein Plan ausgearbeitet werden, wie die Provinz Hasaka integriert werden kann. Damaskus will das Land seit dem Sturz von Machthaber Bashar al-Assad einen. Dadurch könnten die Kurdinnen und Kurden jedoch Gebiete, Macht und erkämpfte Rechte verlieren.
Der IS hatte 2014 in Syrien und im benachbarten Irak große Gebiete überrannt. Teilweise kontrollierte er etwa ein Drittel Syriens und 40 Prozent des Irak. Das US-Militär begann daraufhin mit Verbündeten einen Kampf gegen den IS. In beiden Ländern sind heute schätzungsweise noch etwa 2500 Kämpfer der Terrorgruppe aktiv, die auch Anschläge verüben.
Proteste an türkischer Grenze
Die prokurdische Partei Dem in der Türkei hat jüngst an der Grenze zum Nachbarland gegen das Vorgehen der syrischen Armee protestiert. Anhängerinnen und Anhänger versammelten sich an der Grenze zu Syrien, Parteichefin Tülay Hatimogullari beschuldigte die Regierung, ein „Massaker“ an den Kurdinnen und Kurden zu verüben. Kurdische Verantwortliche fürchten, dass die Kämpfe zu einem Kontrollverlust über die Gefängnisse führen könnten, und die gesamte Region in einer neuen Phase von Gewalt und Instabilität versinkt.











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