25.08.2019 09:01 |

Sennheiser vs. Sony

Echt kabellos: Wie praktisch sind moderne In-Ears?

Kabellose In-Ears boomen: Apples Airpods haben es vorgemacht, ernteten Vergleiche mit Zahnbürsten im Ohr, nur um heute als augenscheinlicher Trend überall präsent zu sein. So gut wie jeder Rivale am Smartphone-Markt hat es Cupertino seither gleichgetan, die Audio-Industrie macht munter mit und preist ebenfalls ihre kabellosen In-Ear-Ohrhörer an. Die Fülle der Anbieter ist also groß, aber sind zwei leicht zu verlierende Einzel-In-Ears überhaupt praktisch? Wir haben es mit Sonys WF-1000XM3 und Sennheisers Momentum True Wireless (TW) ausprobiert.

Kurze Akkulaufzeit, leicht zu verlieren, nicht austauschbare Akkus und obendrein noch teuer: Vernunft-Kopfhörer sind die kabellosen In-Ears, die jetzt überall aus den Ohren junger Menschen hervorblitzen, nicht. Schon gar nicht bei Preisen von 250 bis 300 Euro wie bei den Geräten von Sony und Sennheiser, die wir uns näher angesehen haben.

Generell decken kabellose In-Ears eine weite Preisspanne ab: Apples Airpods kosten mit kabellosem Lade-Etui 200, Samsungs Galaxy Buds 110 Euro. Am billigsten sind unbekanntere chinesische Hersteller, ihre Modelle wechseln im Online-Handel aktuell schon für vierzig, fünfzig Euro den Besitzer.

Große Unterschiede beim Tragekomfort
Beim Tragekomfort gibt es dabei große Unterschiede - schon bei den beiden Modellen, die wir uns näher angesehen haben. So saßen die Sennheiser-In-Ears im Test deutlich besser als die Rivalen von Sony im Ohr - obwohl Sony eine Unmenge verschiedener Ohrstöpsel mitliefert, mit denen die In-Ears in jedem Ohr Halt finden sollten.

Das ist konstruktionsbedingt: Während bei Sony der komplette Ohrhörer am im Ohr fixierten Silikonstöpsel hängt und beim Gehen oder Laufen ein wenig an der „Verankerung“ im Ohr zieht, liegt die Elektronik beim Sennheiser-Modell in der Ohrmuschel auf, wodurch sie gestützt wird und man das mit dem Sony-Modell vergleichbare Gewicht kaum wahrnimmt.

Hier sehen Sie Sonys WF-1000XM3:

So sehen die Sennheiser Momentum TW aus:

Sony klingt bassbetonter, Sennheiser neutraler
Beim Klang hat uns wiederum das Sony-Modell etwas besser gefallen. Es bietet die mächtigeren Bässe, gibt sich aber auch im Mittel- und Hochtonbereich keine Blöße. Sennheisers Momentum TW liefern für In-Ear-Verhältnisse ebenfalls sehr guten Klang, sind im Bassbereich aber etwas zurückhaltender und insgesamt neutraler.

Die Maximallautstärke liegt bei Sony gefühlt leicht über dem Sennheiser-Modell, außerdem gibt’s beim Sony-In-Ear - nicht am Niveau großer Over-Ear-Kopfhörer, auf der Straße oder in den Öffis aber durchaus brauchbares - aktives Noise Cancelling und einen Modus, der Umgebungslärm durchlässt. Letzteres gibt es bei Sennheiser zwar auch, die Geräuschunterdrückung haben die Sony-In-Ears aber voraus.

Der Bedienung sind Grenzen gesetzt
In puncto Bedienung haben uns beide Probanden nicht so recht überzeugt, setzen sie doch auf Touch-Gesten, was angesichts der winzigen Touch-Sensoren an den Stöpseln in der Praxis mehr schlecht als recht funktioniert.

Beim Sony-Modell aktiviert und deaktiviert man durch langes oder kurzes sowie ein- oder mehrmaliges Antippen am Stöpsel die verschiedenen Betriebsmodi, auch eine Mute-Funktion gibt es. Die Lautstärke kann man allerdings nicht direkt am Gerät regeln, außerdem brauchten wir im Test stets mehrere Anläufe, um die gewünschte Funktion zu aktivieren. Da kann man die Bedienung auch gleich ganz am Smartphone erledigen.

Beim Momentum TW war die Situation durch den geringeren Funktionsumfang etwas besser, aber auch hier haben wir im Test eine intuitive Möglichkeit zur Lautstärkeregelung vermisst und letztlich lieber direkt am Smartphone mit den Ohrstöpseln interagiert.

Begleit-Apps sind noch ausbaufähig
Zumal beide Probanden über eine Begleit-App verfügen, mit der man mehr - zum Beispiel die Equalizer-Settings - einstellen kann als direkt am Stöpsel. Zumindest, wenn sie funktioniert. Beim Sennheiser Momentum TW hatten wir immer wieder das Problem, dass die In-Ears zwar vom Smartphone, nicht aber von der Begleit-App erkannt wurden. Die Sony-In-Ears harmonierten besser mit der Begleit-App, überdies bot selbige mehr Funktionen.

Allgemein betrachtet sind jedoch beide Apps ausbaufähig: Jene von Sennheiser wird von den Nutzern im Google Play Store nur mit 2,7 von fünf möglichen Punkten bewertet, die Sony-App kriegt immerhin 3,3 von fünf Punkten. Bedenkt man, dass die kabellosen In-Ears als „smarte“ Ohrhörer vermarktet werden und nebst Musikwiedergabe auch als Freisprechgerät oder Google-Assistant-Eingabegerät genutzt werden, lässt man hier wertvolle Punkte liegen.

Gute Akkulaufzeit bei beiden Modellen
In puncto Akkulaufzeit hinterließen beide getesteten Modelle einen soliden Eindruck. Beim Sony-Modell wird die Herstellerangabe von rund sechs Stunden bei aktivierter Geräuschunterdrückung in etwa eingehalten. Das Sennheiser-Modell schaffte im Test vier bis fünf Stunden mit einer Akkuladung. Nichts für den Langsteckenflug, aber da gibt es im Feld der gänzlich kabellosen In-Ears deutlich schlechtere Werte.

Während die Sony-In-Ears in ihrer Ladeschale mit integriertem Akku zuverlässig vor der nächsten Nutzung vollgeladen wurden, schienen sich die Sennheiser-In-Ears bisweilen unerklärlicherweise in der Ladeschale zu entladen. Die Bluetooth-Verbindung blieb im Test bei beiden Modellen über weite Strecken stabil, vereinzelt haben wir aber bei beiden Modellen Aussetzer festgestellt. Die Ladeschale der Sennheiser-In-Ears ist etwas kompakter als beim Sony-Pendant und liegt damit angenehmer in der Hosentasche.

Fazit: Teurer Spaß, der Kompromisse verlangt
In-Ears ohne jedes Kabel haben Vor- und Nachteile. Klanglich wussten sie in unserem Test durchaus zu gefallen, klangen nicht schlechter als gute In-Ears mit Kabel. Auch die Laufzeit sollte für die musikalischen Bedürfnisse der allermeisten User ausreichen, zumal ja Ladeschalen beiliegen.

Beim Tragekomfort hatte im Test Sennheiser, beim Klang Sony etwas die Nase vorn. Bedienung und Begleit-App erschien uns dort wie da ausbaufähig. Da stellt sich angesichts von Preisen jenseits der 250 Euro ein wenig die Frage, ob eine Investition in kabellose Edel-In-Ears eine nachhaltige ist.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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