Nach dem Mord an seinem Bruder Pius sann der Innervillgrater Hermann Walder (81) jahrzehntelang auf Vergeltung und spaltete ein gesamtes Tal. Nun ist Walder in Deutschland verstorben. Seine kämpferische Art und sein eiserner Wille bleiben in Erinnerung.
Eine wahre Kämpfernatur, wie sie im Buche steht, ist nicht mehr. Hermann Walder aus Innervillgraten in Osttirol starb am Dienstag in Deutschland. Diese Meldung ereilte nicht nur all seine Bekannten und Angehörigen im Bezirk Lienz, Walder war weit über die Grenzen Osttirols bekannt, um Gerechtigkeit für den Mord an seinem Bruder Pius zu finden.
Der 81-Jährige nahm sich dabei nie ein Blatt vor den Mund und vermittelte seine Botschaften lautstark und in einer Art und Weise, die ihresgleichen gesucht hat. 1982 wurde sein Bruder Pius beim Wildern im Ortsteil Kalkstein von hinten erschossen.
Walder schwor „Rache auf ewig“
Der Schütze wurde für 3,5 Jahre wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Zu milde, wie sich Hermann Walder sicher war. Er war überzeugt, dass sein Bruder einem Komplott zum Opfer gefallen war. Der damalige Aufsichtsjäger und ein weiterer Jäger sollen Pius hinterrücks erschossen haben. Beim Begräbnis seines Bruders schwor Hermann „Rache auf ewig“.
Die Inschrift am Grab in Kalkstein von Pius untermauerte dies zudem. Dort heißt es: „Ich wurde am 8. September 1982 in Kalkstein von zwei Jägern aus der Nachbarschaft kaltblütig und gezielt erschossen und vom achten Schuss tödlich in den Hinterkopf getroffen.“
Ein gespaltenes Tal und ein Protest beim Begräbnis
Das Versprechen machte Hermann Walder Jahrzehnte nach dem Tod seines Bruders wahr. Mit Schlägereien, Protesten und weiteren Aktionen machte er immer wieder auf sich aufmerksam und schaffte es, dass der Mord an seinem Bruder nicht in Vergessenheit geriet. Den Höhepunkt erreichte Walder, als er beim Begräbnis des Todesschützen im Jahr 2012 mit einem Schild demonstrierte und den Verstorbenen einen Mörder nannte, der für seine Teufelstat „an der Gurgel erfasst und in die Hölle unter die Glut befördert“ worden sei. Dafür erhielt er eine Anzeige wegen Ruhestörung einer Bestattungsfeier.
Hermann Walder hinterlässt fünf Töchter und seine Frau Edith. Er wird, wie es sein Wille war, in Deutschland beigesetzt.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.