12.08.2019 09:54 |

Android-Ersatz

Huawei enthüllt eigenes Betriebssystem HarmonyOS

Aus Furcht vor dem Verlust des Zugangs zum Android-System von Google hat der chinesische Huawei-Konzern ein eigenes Betriebssystem für seine Smartphones präsentiert. Sollte Huawei künftig Android nicht mehr nutzen können, „können wir sofort vollständig auf HarmonyOS umstellen“, sagte Huawei-Manager Richard Yu bei einer Entwicklerkonferenz im südchinesischen Dongguan.

Huawei drohen Sanktionen aus den USA, die das chinesische Unternehmen umgehen will - zugleich will es unabhängiger von Google werden.

„Mehr Harmonie und Komfort“
Das HarmonyOS oder HongMeng getaufte System werde „mehr Harmonie und Komfort in die Welt bringen“, sagte Yu. Die zukunftsgerichtete Software sei „sicher“ und unterscheide sich von Android sowie vom Apple-Betriebssystem iOS. Der Telekommunikationskonzern machte dabei klar, dass er weiterhin Android bevorzuge. Jedoch sei der Konzern vorbereitet, sollte die Nutzung nicht mehr möglich sein.

Im Mai hatte Yu bereits der „Welt“ gesagt, Huawei sei „gewappnet“, sollte das chinesische Unternehmen andere Systeme nicht mehr nutzen können. „Das ist unser Plan B.“

Android ist dominierendes Betriebssystem
Der US-Konzern Google rüstet mit seinem Betriebssystem Android derzeit noch die große Mehrheit der Smartphones weltweit aus, darunter auch die Huawei-Telefone. Huawei arbeitet aber auch bereits seit Jahren an einem eigenen Betriebssystem - um unabhängiger zu werden und nun auch, um drohende US-Sanktionen zu umgehen.

Die USA hatten Huawei kürzlich auf eine schwarze Liste gesetzt. Das Land befürchtet Spionage, was das chinesische Unternehmen zurückweist. US-Präsident Donald Trump untersagte zudem Unternehmen seines Landes per Dekret die Nutzung von Telekommunikationstechnik, die als Sicherheitsrisiko eingestuft wird - das zielt auf Huawei ab. Daraufhin schränkten mehrere Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit Huawei ein, auch Google selbst.

US-Regierung gewährte Huawei Galgenfrist
Zwar gewährte die US-Regierung kürzlich einen Aufschub von drei Monaten für Technologieexporte an Huawei - dieser läuft aber Ende kommender Woche ab. Vor allem die eingeschränkte Zusammenarbeit von Google mit Huawei könnte letztlich weitreichende Folgen für die Nutzer haben - betroffen wären nicht nur Updates von Android, sondern auch der Zugriff auf Apps wie Gmail und Google Maps.

HarmonyOS soll Open Source werden
Huawei will nun die erste Version seines eigenen Betriebssystems in China noch in diesem Jahr auf den Markt bringen. In den kommenden Jahren sollen Produkte wie Smartwatches und intelligente Lautsprecher dazukommen. Das System werde auf Open Source basieren, also auf einem öffentlichen Quellcode, sagte Yu. Das Unternehmen wolle ein globales Betriebssystem schaffen, das „nicht nur von Huawei genutzt wird“.

Experten gehen indes davon aus, dass der Konzern sein eigenes System eher auf dem chinesischen Markt nutzen und dort seine Geräte damit ausstatten wird. Außerhalb des Landes dürfte es demnach schwer werden für das Unternehmen, die Verbraucher von der Alternative zu Android zu überzeugen.

Ist Huawei gefährlich? Diese Frage über den chinesischen Netzwerkriesen stellen sich nach Warnungen vor angeblicher Spionage seitens US-amerikanischer Geheimdienste auch immer mehr Europäer. Auf krone.at haben wir uns dem Thema mit einem umfangreichen Special gewidmet und analysiert, wie der 5G-Ausbau zur Vertrauenskrise wurdemit Österreich-Chef Pan Yao gesprochen und die wichtigsten Zahlen und Fakten zu Huawei zusammengetragen. Wir wünschen viel Freude bei der Lektüre.

 krone.at
krone.at
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen