24.02.2019 05:59 |

Huawei-Chef im Talk:

„Würden eher zusperren, als Regierung zu helfen“

Ist Huawei gefährlich? Diese Frage über den chinesischen Netzwerkriesen stellen sich nach Warnungen vor angeblicher Spionage seitens US-amerikanischer Geheimdienste auch immer mehr Europäer. Huawei reagiert mit einer Transparenzoffensive und versucht, die bislang unbewiesenen Vorwürfe zu entkräften. So auch Huawei-Österreich-Chef Pan Yao im Interview mit krone.at.

Zehn Minuten räumt man uns mit Herrn Pan in einem Wiener Innenstadtcafé ein, nicht mehr. Ein Mitarbeiter einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit achtet penibel darauf, dass alles zügig abläuft. Draußen warten etliche weitere Pressevertreter auf ein Gespräch mit dem erst seit recht genau einem Jahr für die Österreich-Geschäfte der Huawei-Netzwerksparte verantwortlichen Chinesen.

Pan hat in Peking studiert, ist seit 1999 für Huawei tätig. Der 42-Jährige machte vor Österreich Station in Ländern wie den USA, Thailand und Vietnam. Heute stellt er sich im krone.at-Interview inmitten der wohl schwersten Vertrauenskrise in der 30-jährigen Unternehmensgeschichte unseren Fragen.

„Krone“: Wie sehen Sie persönlich die Anschuldigungen, die gegen Huawei erhoben werden? Woher kommt das, welche Auswirkungen hat es auf Ihre Geschäfte?
Pan Yao: Im Moment ist unser Unternehmen sehr oft in den Schlagzeilen. Für mich ist die Sache offensichtlich. Es handelt sich um eine gut geplante und organisierte Kampagne gegen Huawei durch die USA. Das kommt aus der Politik, das sehen auch die meisten Amerikaner so. Erst gestern habe ich auf CNN eine Umfrage gesehen, in der gefragt wurde, welche Gründe die Menschen dahinter vermuten. 56 Prozent nannten die Politik, 28 Prozent die IT-Sicherheit und der Rest die Wirtschaft. Ich glaube also, die Antwort ist recht eindeutig.

Die Anschuldigungen haben Huawei jedenfalls in eine Vertrauenskrise gestürzt. Wie wollen Sie die entstandenen Bedenken wieder ausräumen?
Das ist ganz einfach, deshalb sind wir heute hier. Wir waren in der Vergangenheit eher unbekannt, wir sind ja kein öffentliches Unternehmen und wollen eigentlich nur Geschäfte mit unseren Kunden machen. Jetzt erheben wir aber die Stimme und möchten mehr Verständnis für Huawei in der Öffentlichkeit schaffen. Zweitens, das hat auch unser Gründer in einigen Interviews gesagt: Wir wollen uns darauf konzentrieren, einfach die besten Produkte zu machen und unseren Kunden den besten Service anzubieten. Denn der Kunde wird immer das beste Produkt wählen. Wir konzentrieren uns also darauf, uns zu verbessern und unseren Kunden die beste Technik anzubieten. Ich denke, das ist die richtige Antwort.

Huawei hat ungewöhnliche Besitzstrukturen, ist nicht an der Börse notiert und gehört im Grunde seinen Angestellten. Wie funktioniert das eigentlich? Haben nur chinesische Mitarbeiter Anteile?
Das ist tatsächlich etwas kompliziert. Wer frisch zu Huawei kommt, bekommt zu Beginn erst einmal keine Anteile. Sie müssen sich erst einige Jahre beweisen, zeigen, dass sie loyal sind und zur Firma passen. Außerdem muss die Leistung stimmen. Zweitens: Da Huawei in China zuhause ist, ist die Sache mit Anteilen für Ausländer etwas kompliziert. Deshalb haben die Chinesen einen gewissen Teil der Firma und dann gibt es einen Topf für die ausländischen Mitarbeiter, mit dem wir sie für lange Mitarbeit bei Huawei belohnen und die Gewinne aufteilen, die wir gemeinsam erwirtschaften. Mit diesen beiden Mitteln halten wir die Firma für ihr langfristiges Wohl in der Balance.

Es gibt in China seit 2017 ein Gesetz, das Unternehmen zur Kooperation mit den Behörden verpflichtet. Was würde Huawei tun, wenn die Regierung von diesem Gesetz Gebrauch macht und Spionage anordnet?
Diese Frage wurde auch unserem Gründer schon gestellt. Ich möchte festhalten, dass unsere Regierung allein im letzten Monat dreimal gesagt hat, dass sie keine Zwangsmaßnahmen gegen eine Firma ergreifen würde, um das durchzusetzen. Was die chinesische Regierung von Firmen verlangt, ist genau das Gleiche, was auch die britische oder US-amerikanische Regierung von Firmen zum Zwecke der nationalen Sicherheit verlangen. Das bedeutet aber keinesfalls, dass wir Hintertüren installieren oder mit unserer Ausrüstung spionieren. Es gibt wirklich keinen Zwang für solche Maßnahmen. Außerdem haben wir klar gesagt: In den letzten 30 Jahren gab es bei Huawei nie derartige Anfragen. Sollte je der Fall eintreten, dass wir gefragt werden, dann werden wir uns weigern. Unsere Botschaft ist klar: Wir würden unser Unternehmen eher schließen, als irgendetwas zu tun, was unseren Kunden oder unseren Partnern schadet. Wir geben unseren Kunden und Partnern eine starke Stimme.

Und wie sieht es mit finanziellen Verflechtungen aus? Gibt es irgendwelche Finanzspritzen seitens der Regierung in Peking?
Da wir ein hundertprozentig privates Unternehmen sind, gibt es das nicht. Es gibt in China ja zwei Sorten Unternehmen: Privatfirmen und Staatsbetriebe. Firmen wie die China Bank gehören dem Staat, da gehen also alle Profite zurück zum Staat. Bei uns ist das anders: Wir gehören unseren Mitarbeitern. Also kommen auch die ganze Finanzierung und das ganze Investment von uns selbst. Wir nehmen das Geld aus unserer eigenen Tasche und investieren es.

Unsere Zeit ist um. Hastig bitten wir Pan zum Fototermin, bedanken uns für das Interview. Der nächste Termin wartet schon. Und der Huawei-Chef will so kurz vor dem Startschuss zum Ausbau des nächsten Mobilfunkstandards 5G auch diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen, das ramponierte Vertrauen in den weltgrößten Netzwerkausrüster wiederherzustellen.

Ist Huawei gefährlich? Diese Frage über den chinesischen Netzwerkriesen stellen sich nach Warnungen vor angeblicher Spionage seitens US-amerikanischer Geheimdienste auch immer mehr Europäer. Auf krone.at haben wir uns dem Thema mit einem umfangreichen Special gewidmet und analysiert, wie der 5G-Ausbau zur Vertrauenskrise wurde, mit Österreich-Chef Pan Yao gesprochenund die wichtigsten Zahlen und Fakten zu Huawei zusammengetragen.Wir wünschen viel Freude bei der Lektüre.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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