10.08.2019 14:00 |

Verborgene Schätze

In die Unterwelt der Klinik Innsbruck abtauchen

Das größte Krankenhaus Westösterreichs ist ein komplexer Organismus. Sichtbar in Form von Spitzenmedizin. Viele Abläufe sind aber unsichtbar. Ein Blick in den Keller der Klinik. Hier tut sich eine faszinierende Unterwelt auf: Wege und Straßen wie in einer kleinen Stadt, einzigartige Spezialräume.

Frage: Kennen Sie den „Geisler Knoten“ in Innsbruck? Eine Kreuzung, die in keinem Straßenverzeichnis aufscheint. Und doch ein sehr wichtiger Verkehrsknotenpunkt – unter der Erde, im Keller der Klinik Innsbruck.

Die Reise durch die Unterwelt beginnt am „Geisler Knoten“. Mal schauen, was kommt: Zuerst drei Ärzte, die beim Vorbeigehen die letzten Einzelheiten für die bevorstehende Operation besprechen. Die Mitarbeiter der Klinik nutzen die unterirdischen Gänge, um trockenen Fußes von A nach B zu gelangen. Dann rattert ein kleiner Zug vorbei. Im Schlepptau riesige Paletten mit frischer Wäsche. Ein Radfahrer, ebenfalls schwer bepackt. Er grüßt – und ist auch schon wieder verschwunden. Einige Minuten später „fliegt“ ein Krankenbett vorbei, ein Pfleger als Pilot. Der Passagier im weißen Patientenkittel verschläft die Reise unter Tage.

Straßennetz unter der Erde ist 3 Kilometer lang
Eine kleine Stadt breitet sich hier unten aus. „Die Gänge sind insgesamt drei Kilometer lang und verbinden nicht nur alle Gebäude miteinander, sondern führen auch zu den vielen technischen Einrichtungen, die so ein großes Spital braucht“, hat Klinik-Sprecher Johannes Schwamberger ein paar Zahlen parat. Fast 9000 Quadratmeter Nutzfläche befinden sich allein im ersten Untergeschoß, darunter sind es noch einmal 4000 Quadratmeter. Und in einigen Bereichen geht es noch einen Stock tiefer.

45 Kilometer für die hauseigene Rohrpost
Die Klinik ist ein lebendiger Organismus, der Keller der Bauch. Hier befindet sich auch die Aorta, sprich die Hauptschlagader des Krankenhauses. Von hier aus werden Energieversorgung, Computersteuerung, Wärme und Kälte geregelt. Aber nicht nur das! Schwamberger zeigt auf eine antike Erfindung, die heute wieder in Mode kommt: die Rohrpost. Während andere Krankenhäuser dieses Übermittlungssystem aufgegeben haben, hat die Klinik Innsbruck sogar zwei davon. Insgesamt 45 Kilometer umfasst das Netzwerk. An den Kreuzungen lenken Roboter die Sendungen in die richtigen Bahnen. „Heute sind wir froh, die Rohrpost nicht abgeschafft zu haben. Das Versenden von Laborproben, Blutkonserven und Formularen funktioniert so genial einfach und schnell“, erklärt Schwamberger. Und tatsächlich: Es geht flugs! So flugs, dass die Mitarbeiter die Versandbehältern als Bomben bezeichnen. An 3000 Stationen können sie mit Hilfe der Rohrpost gezündet werden. Für die ganz eiligen Sendungen zwischen Blutbank und Operationssälen gibt es ein eigenes Express-System.

Weiter geht es in der Unterwelt. Vorbei an Lagerräumen und anderen üblichen Kellerbereichen. Dann ein riesiger, sehr sonderbarer Automat. Er spuckt keine Getränke aus. Auch keine Lotto-Gewinne. Sondern Kleidung für das Klinikpersonal. „Über ein Chipsystem ist zu jedem Mitarbeiter Größe und Arbeitsbereich gespeichert. Mit einem Knopfdruck kommt jeder zur richtigen Ausstattung“, beschreibt Schwamberger die Funktionsweise.

Eine 16-Tonnen-Tür und der Raum der Stille
Die Reise hat noch zwei besondere Highlights parat: Nichts, aber auch gar nichts ist im „Raum der Stille“ unter der Frauen-Kopf-Klinik zu hören. Eine Camera Silenta, wie der schalltote Raum genannt wird. Hier werden Hörimplantate getestet und angepasst. Hier erforschen Wissenschafter der Medizin-Uni Innsbruck das Wesen des Schalls. Der Raum ist vom Rest des Gebäudes entkoppelt und speziell ausgekleidet. So gibt es keine Schallübertragung.

Ein paar hundert Meter entfernt, unter dem Chirurgie-Gebäude, tut sich hinter 16 Tonnen schweren Türen eine andere Einzigartigkeit auf. Hier unten stehen gut geschützt millionenteure Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie. Auch sie brauchen spezielle Räume mit extradicken Wänden und tonnenschweren Türen.

Wer nach diesem Rundgang wieder ans Tageslicht tritt, der sieht die Klinik mit anderen Augen. Vieles mag Unsichtbar sein im größten Krankenhaus Westösterreichs. Doch im Verborgenen tut sich Entscheidendes.

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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