27.07.2019 09:00 |

Bergführer übt Kritik:

„Wir sind die Profis, nicht YouTube!“

Die Arbeit der Bergführer hat sich in den vergangenen Jahren massiv geändert, nicht unbedingt zum Vorteil der Profis am Berg.

Wolfgang Schupfer ist seit rund 20 Jahren weltweit in den Bergen unterwegs. Und dabei hat der Obervellacher schon sehr viel gesehen: „Die Ansprüche der Kunden haben sich in den vergangenen Jahren massiv geändert, wie auch die mittlerweile hervorragende Qualität und der Service in den Hütten der Ostalpen.“

Keine Waschmöglichkeit ist ein NoGo, was in den Westalpen aber immer noch Standard ist. Geändert hat sich aber auch die Einstellung der Gipfelaspiranten. Schupfer: „Früher haben sich die Leute auf ihre Bergführer verlassen, heute informieren sie sich vorab im Internet. Mittlerweile muss sich ein Bergführer rechtfertigen, warum er etwas nicht so macht wie es in den YouTube-Videos gezeigt wird. Dabei sieht man dort so viel Blödsinn.“

Acht von zehn Leuten, die etwa auf den Großglockner wollen, fragen Schupfer bei der Stüdlhütte, ob die Glocknerscharte wirklich so schwierig und gefährlich ist. „Dann am Gipfel frage ich meine Kunden: War die Scharte wirklich so schlimm? Und immer wieder bekomme ich die gleiche Antwort: Ach sind wir da schon drüber gekommen?“

Die Nachfrage nach Bergführern ist aktuell dennoch so groß wie noch nie. Allein die Alpinschule Innsbruck (ASI) beschäftigt in den Sommermonaten mehr als 300 Berg- und Wanderführer. Denn die Bergkompetenz liegt eindeutig bei den bestens ausgebildeten Bergführern. „Das Erlebnis und die Sicherheit der Kunden steht bei uns über allem. Ich habe deshalb immer ein kurzes Seil und zwei leichte Klettergurte für den Notfall in meinem Rucksack mit dabei“, erklärt Schupfer: „Am Großglockner haben wir Bergführer drei Leute am Seil, am Stüdlgrat überhaupt nur zwei, während so mancher Tourenführer der alpinen Vereine mit zehn Leuten am Stüdlgrat oder 17 Leuten am Ortler-Hindergrat unterwegs ist. Das ist absolut fahrlässig!“

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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