07.07.2019 14:00 |

Osterloh schlägt Alarm

Harte interne Kritik wegen VWs Elektro-Offensive

Der Volkswagen-Konzern setzt - nicht zuletzt als Konsequenz aus dem hausgemachten Abgasskandal - voll auf den Ausbau der Elektropalette. Doch diese Alles-auf-eine-Karte-Haltung stößt intern auf wachsende Kritik. Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat wie zahlreiche Beschäftigte laut einem Medienbericht erhebliche Zweifel am Erfolg der Elektrooffensive.

„Viele fragen sich, ob die Elektromobilität, wie sie gerade aufgesetzt wird, auch tatsächlich fliegt. Schließlich bauen wir ja dafür einen Standort nach dem nächsten um“, sagte Osterloh der Automobilwoche. Zwar sei etwa der Stromer VW ID.3 „ein tolles Auto, mit viel Platz und bis zu 550 Kilometer Reichweite“. Doch, so Osterloh: „Was nützt es, wenn wir als Unternehmen jetzt die Hardware hinstellen - und im Land fehlt es an der Ladeinfrastruktur?“ Osterloh warnte vor den Konsequenzen, und VW habe nur bedingt Einfluss auf die Ladeinfrastruktur: „Wenn die nicht funktioniert, dann wird sich das nicht rechnen mit den ID-Modellen. So gesehen ist auch der Staat in der Verantwortung, etwas zu tun, damit es hier genug Arbeitsplätze gibt.“

Rüffel für den Vorstand
Zugleich kritisierte der oberste Arbeitnehmervertreter bei VW das Topmanagement: „Auch der Vorstand arbeitet noch längst nicht effizient genug.“ Osterloh konterte damit im Gespräch mit der Automobilwoche die Kritik von Konzernchef Diess, der jüngst mehr Leistung in Verwaltung und Produktion angemahnt hatte. Osterloh betonte, smarte Vorschläge, etwa zum Heben von Synergien, kämen meistens von der VW-Belegschaft, nicht von den Beratern des Vorstands. „Wir haben jetzt wieder neue Consultants im Unternehmen, die das Thema Zukunftspakt zu Ende bringen und dann mit digitaler Transformation weitermachen wollen. Denen habe ich gesagt, dass sie die Umsetzung ihrer Anregungen hoffentlich auch bis zum Schluss begleiten. Die VW-Beschäftigten sind die wahren Experten für Verbesserungsideen.“ Im VW-Konzern sei es ein großes Problem, gute Ideen in die betriebliche Praxis zu überführen, monierte Osterloh.

Massiv kritisierte der Betriebsratschef Überlappungen zwischen den Volumenmarken des Konzerns. VW Pkw, Audi, Škoda und Seat seien „weder preislich noch in der Produktsubstanz“ scharf genug voneinander abgegrenzt. Überdies müsse es bei VW „endlich viel stärker darum gehen, welche Marke für welchen Markt zuständig ist“. So vergebe Škoda enorme Chancen. Osterloh: „In vielen Märkten, wo Hyundai, Kia oder Dacia stark agieren, sind wir gar nicht mehr vertreten oder mit sinkendem Marktanteil.“

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