02.06.2019 07:00 |

Großer Absturz

Madonna: Der Abgesang einer Pop-Legende

Sie wurde als krönender Höhepunkt zum Song Contest eingeladen. Doch was man dann sah, war einer der Tiefpunkte einer früher so schillernden Karriere. Die einstige Pop-Queen Madonna ist derzeit nur mehr ein Schatten ihrer Selbst. Ein unrühmliches Finale einer einzigartigen Karriere.

Madonna - zero Points, null Punkte, darin waren sich alle einig nach ihrem verwunderlichen Auftritt beim Song Contest in Tel Aviv. Mit ihrer Pop-Hymne „Like A Prayer“ wollte die 60-Jährige die Tage als Queen des Show-Biz beschwören. Doch zu hören war nur der Abgesang einer fallenden Pop-Ikone. Da war fast kein Ton weniger schief als der Turm von Pisa. Schon das hatte einen beträchtlich hohen Fremdschäm-Faktor, Madonna machte es allerdings noch schlimmer, als sie das Video vom ESC auf ihrem YouTube-Kanal hochlud - in einer aufgehübschten Version, in der die schiefen Töne im Studio einfach zurechtgerückt worden waren. Was nicht passt, wird passend gemacht. So lautet wohl auch Madonnas Devise, wenn es darum geht, ihren Körper dem Alterungsprozess trotzen zu lassen.

Idol der Pop-Welt
Eine wirklich große Sängerin war Madonna nie. Aber das machte nichts - das Gesamtkonzept war umwerfend. Diese Frau sprengte in den 80er-Jahren alle Konventionen des Musik-Business, sie brach Tabus, heizte mit ihrem Sex-Appeal bis auf Sauna-Temperaturen ein, wurde zur Übermutter der queeren Szene und zum ewigen Vorbild aller Pop-Girls, die nach ihr kamen. Madonna hat die Pop-Welt geprägt wie kaum eine andere Frau, keine Frage. Sie hat Trends gesetzt, sich immer wieder neu erfunden - nur jetzt im Alter scheint sie nicht anzukommen, sondern nur noch mit aller Gewalt den Jugendtagen von einst hinterherzulaufen.

Der ESC war nicht der erste wunde Punkt in einer Karriere, die sich sichtlich dem Ende zuneigt. In den vergangenen Jahren geriet sie immer öfter mit schrägen Auftritten in die Schlagzeilen. Bei einem Konzert in Melbourne fiel sie betrunken vom Dreirad und lallte wenig erotisch in die Menge, dass sie doch jemand f..., na, Sie wissen schon. Immer öfter verliert sie sich in wirren Wortmeldungen, sei es nun über Politik oder Schwierigkeiten mit ihrem Sohn Rocco. Bereits bei ihren letzten Wien-Konzerten 2008 auf der Donauinsel und 2012 im Happel-Stadion war die Pop-Göttin von einst kaum mehr zu erahnen - sie ließ die Fans stundenlang warten, beschimpfte sie wüst und erntete auch da für ihre stimmliche Leistung Buh-Rufe.

Zähe Verbissenheit
Schon damals fragte man sich, wie lange Madonna sich dem ewigen Kampf mit dem unbarmherzigen Jugendwahn der Unterhaltungsbranche noch stellen will. Ja, es ist unfair, Männer wie Mick Jagger, Bruce Springsteen oder Tom Jones dürfen in Würde auf der Bühne alt werden, ein Sex-Idol wie Madonna tut sich da wesentlich schwerer. Verbissen stählt sie ihren Körper in eine straffe Form, mit der sie tatsächlich so mancher 30-Jährigen Konkurrenz machen könnte. Doch diese Verbissenheit sieht man ihr leider bei jedem Auftritt an. „Ihr seid alle Gewinner“, bestärkte sie in Tel Aviv die ESC-Teilnehmer. Nur sie war die Verliererin. Und das ist irgendwie traurig am Ende einer so unfassbaren Karriere.

Franziska Trost
Franziska Trost
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