27.04.2019 08:00 |

Prävention im Fokus

„Sexualisierte Gewalt geht uns alle etwas an“

Von obszönen Witzen bis hin zur brutalen Vergewaltigung: Die Bandbreite beim Thema Sexualisierte Gewalt ist riesig! Das Land Tirol arbeitet eng mit Institutionen, Vereinen und Polizei zusammen, um diese Art von Übergriffen möglichst im Vorfeld zu verhindern und den Opferschutz zu gewährleisten. 

„Sexualisierte Gewalt ist Machtausübung und eine Grenzüberschreitung. Sie hat viele Gesichter und reicht quer durch alle Gesellschaftsschichten“, betont die grüne Frauenlandesrätin Gabriele Fischer. Daher brauche es hier auch eine klare Haltung - denn sexuelle Übergriffe „können ganze Menschenleben zerstören“.

Umso wichtiger sei die Gewaltprävention. „Insgesamt wurden die jährlichen Förderungen für diesen Budgetposten in den vergangenen zwei Jahren um über 75.000 auf 315.000 Euro aufgestockt“, so Fischer. Darüber hinaus werden Frauen- und Mädchenberatungsstellen mit jährlich 205.000 Euro gefördert.

74 Vergewaltigungen im Vorjahr in Tirol
Dass es solche Maßnahmen braucht, zeigen auch die Zahlen der Polizei. Allein im Vorjahr wurden unter anderem 74 Vergewaltigungen und 147 Fälle von sexueller Belästigung angezeigt. Die Dunkelziffer ist gewiss um einiges höher!

Internationale Tagung in Innsbruck
Um die Thematik mehr in den Fokus zu rücken, veranstaltet das Land mit dem Gewaltschutzzentrum Tirol vom 8. bis 10. Mai in Innsbruck eine internationale Tagung, bei der sich die Teilnehmer über rechtliche Entwicklungen und Projekte austauschen.

Interview: „Die Verantwortung liegt nie beim Opfer“

Als Geschäftsführerin des Vereins „Frauen gegen Vergewaltigung“ weiß Doris Stauder, wie sehr Opfer sexualisierter Gewalt leiden und wie man ihnen hilft.

Kann man sich als Frau vor sexualisierter Gewalt im öffentlichen Raum schützen?
Ich muss dazu betonen, dass die Verantwortung für das Geschehene nie bei der Frau liegt. Natürlich kann sie sich über K.O.-Tropfen oder Selbstverteidigung informieren. Aber die Schuld liegt immer beim Täter.

Was, wenn es in den eigenen vier Wänden geschieht?
Leider werden etwa 80 Prozent aller Übergriffe von Verwandten, Freunden, Partnern oder Bekannte verübt. Meiner Meinung nach ist das Vertrauensverhältnis in dieser Situation zu stark, als dass man einen Übergriff erahnen könnte.

Und wenn man das Gefühl hat, jemandem Nahestehenden wäre etwas passiert?
Am wichtigsten ist es, Betroffene richtig darauf anzusprechen. Man sollte keinen Druck ausüben. Die Opfer haben oft Angst, dass wenn sie sich jemandem anvertrauen, die Person sozusagen „ausrastet“ und sofort die Polizei alarmiert. Es sollte klargestellt werden, dass nichts passiert, solange das Opfer nicht bereit ist.

An welche Stellen kann man sich für Hilfe wenden?
Wenn es darum geht, sich selbst oder auch andere vor wiederkehrenden Taten in den eigenen vier Wänden zu schützen, sollte man sich immer an das Gewaltschutzzentrum wenden. Man muss nicht gleich zur Polizei. Unser Verein berät auch bei Fällen, die vielleicht schon eine Zeit lang her sind. Es geht ums Weiterleben, eine eventuelle Psychotherapie und ob man anzeigen sollte oder nicht.

Weshalb könnte man von einer Anzeige abraten?
Manche sind so psychisch instabil, dass sie niemals den langwierigen Prozess durchstehen könnten. Andere sollten sich Gedanken machen, ob sie es verkraften würden, wenn es nicht zu einer Verurteilung käme. Einige entscheiden sich trotz der schlechten Aussichten für eine Anzeige. Sie wollen den Täter vor Gericht holen und so andere schützen. Das zeugt von Größe und Belastbarkeit. Unser Verein unterstützt und berät diese Frauen während des Prozesses.

Mirjana Mihajlovic
Mirjana Mihajlovic
Hubert Rauth
Hubert Rauth
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