21.03.2019 08:17 |

Im Deutschen Eck

Römer, Burgen, Marx und Stahl entlang der Mosel

Eine Reise vom Deutschen Eck am Rhein entlang der Mosel bis an Frankreichs Grenze an der Saar bietet ein buntes Kaleidoskop deutscher Geschichte, Kultur und Kulinarik.

Kaum 250 Kilometer sind es von Koblenz, am Zusammenfluss von Rhein und Mosel gelegen, entlang des durch seine Weinterrassen weltberühmten Moseltals und dann weiter an der Saar bis nach Saarbrücken an der deutschen Grenze. Ein relativ kleines Stück Deutschland, gelegen in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland, aber eines, das es in sich hat.

Höchst geschichtsträchtig schon der Ausgangspunkt, das Deutsche Eck mit dem gigantischen Denkmal für Kaiser Wilhelm I., 1897 feierlich eingeweiht, 1945 zerstört. Der reiterlose Sockel stand bis 1993 als Mahnmal für die deutsche Einheit, jetzt ziert eine 14 Meter hohe Rekonstruktion von Wilhelms Reiterstandbild das insgesamt 37 Meter hohe Denkmal, das jährlich zwei Millionen Besucher anzieht.

Von Koblenz, schon zu Römerzeiten ein Kastell, geht es entlang der Mosel mit ihrer romantischen Terrassenlandschaft, auf der in steilsten Lagen hauptsächlich Weißwein – der trockene Riesling ist Weltspitze – höchst arbeitsintensiv angebaut wird. Entzückende Orte mit typischen Fachwerkbauten – besonders hübsch ist Bernkastel – laden zu Pausen und Rundgängen ein, viele Weingüter und Vinotheken entlang des Flusses bieten gemütliche Verkostungen mit schönstem Blick auf Fluss, Hügel und viele historische Burgen.

Die Mosel-Hauptstadt Trier ist für historisch Interessierte sicher der Höhepunkt dieser Reise: Nirgendwo nördlich der Alpen ist die Römerzeit so authentisch erlebbar wie in Deutschlands ältester Stadt, vor 2000 Jahren als Augusta Treverorum eine der größten des Römischen Reiches, blühendes Handelszentrum und Verwaltungssitz, in der Spätantike Residenz des Kaisers im weströmischen Teil des Reiches. Die schwarzen Quader der im 2. Jahrhundert errichteten Porta Nigra, eines kolossalen und erstaunlich gut erhaltenen Stadttors, beeindrucken, genau wie das Amphitheater für mehr als 18.000 Besucher, die vier Hektar großen Barbarathermen und die Thermen am Viehmarkt.

Riesig auch der katholische Dom der Stadt, Deutschlands älteste Bischofskirche; kleiner, aber weltbedeutend das Geburtshaus von Karl Marx. Der Philosoph, Ökonom und Revolutionär, dessen Kommunistisches Manifest den Lauf der Geschichte entscheidend beeinflusste, wurde 1818 in Trier geboren, ihm ist ein Museum gewidmet.

Der Brückenschlag zur neueren Geschichte ist im nahe gelegenen Saarland spürbar: Dort steht mit der Völklinger Hütte das einzige weltweit komplett unveränderte Stahlwerk seit dem 19. Jahrhundert, sogar im 2. Weltkrieg nicht bombardiert und mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe. Einstige Ingenieure des Werks führen durch die 1873 begonnene Anlage, der Besuch ist ein Abenteuer, durch dunkle Gänge, in luftige Höhen mit Blick auf den Hochofen. Mehr als 7000 Meter Weg führen durch dieses Industriedenkmal, in dem es vor 40 Jahren noch 17.000 Arbeitsplätze gab und in dem täglich 6000 Tonnen Stahl erzeugt wurden. Heute ist ein Teil des Geländes von Bäumen überwachsen, ein Teil wird für Kunstausstellungen genutzt.

Moderne Kunst ist auch in Saarbrücken, dem Endpunkt dieser Rundreise, gefragt: Die vom Barockbaumeister Friedrich Joachim Stengel einheitlich in Grau-Weiß und streng symmetrisch angelegte Residenzstadt an der Grenze zu Frankreich fördert neuerdings besonders die Street Art, unter dem Motto „Barock is Pop“. Wieder eine andere Facette dieses kleinen, feinen, interessanten Stücks Deutschland, das vor allem durch seine Vielfalt fasziniert.

Brigitte Egger, Kronen Zeitung

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