03.03.2019 07:04 |

Alltagsgeschichten

Ein Faschingsball im Nonnenkloster

Von der seltsamsten Faschingsunterhaltung seines Lebens berichtet uns Eduard Hanslik. Ihr Schauplatz war – man glaubt es kaum – ein Nonnenkloster mitten in Klagenfurt

Eduard Hanslik – der Wiener Finanzberater, der 1850 wegen „Insubordination“ eines Vorgesetzten nach Klagenfurt strafversetzt wurde – schrieb während seiner Zeit im Süden Österreichs seine Memoiren. Sie liefern ein buntes Bild der Stadt! Auch von einer Faschingsgeschichte wusste der spätere Musikkritiker zu berichten:  „Die Elisabethinen in Klagenfurt brachten ihre sonntäglichen Kirchenmusiken hauptsächlich durch die Mitwirkung von Dilettanten zustande, darunter Freund Ruckgaber. Schwester Franziska spielte die Orgel und war für diese Kirchenmusik rastlos tätig...

Sie bewog die Oberin, die Musiker einmal im Jahr zu einem bescheidenen Souper zu laden. Dabei wurde auch musiziert und schließlich tanzten die Schwestern miteinander. Das sollte sich während meiner Anwesenheit im Fasching 1851 wiederholen. „Du musst mich mitnehmen, Ruckgaber, um jeden Preis!“, bat ich.

Inkognito unterwegs als Klavierspieler
Das Mittel war bald gefunden: Ruckgaber meldete im Elisabethinen-Kloster, dass für den Abend ein Klavierspieler nötig sei – er habe schon jemanden organisiert und werde ihn mitbringen. Beim Nachtmahl saß nur die Oberin, eine würdige alte Dame, mit uns Musikern am Tisch – die Nonnen an einer größeren Tafel für sich. Es ging ziemlich stockend und feierlich her.

Dann ließ ich einen Straußschen Walzer ertönen, zu welchem einige Nonnen zu tanzen begannen, eine von ihnen auch mit dem hageren Beichtvater. „Das kann ich auch“, dachte ich: „Und besser!“ Ich nötigte Ruckgaber ans Klavier und engagierte die jüngeren Nonnen, eine nach der anderen, zum Tanz.

Mit Nonnen in den Fasching tanzen
Ich hielt mich bald an einige Lieblingstänzerinnen, die alle mit niedergeschlagenen Augen, aber sichtlich erfreut, tanzten. Außer dem langen Beichtvater war ich der einzige Tänzer. Ich arbeitete seelenvergnügt im Schweiße meines Angesichts, denn meine guten Nonnen waren nicht eben flink im Tanzen...

Gerüchte verbreiten sich schnell
Am Morgen, wie taten mir da alle Glieder so himmlisch weh! Eines war mir doch sehr merkwürdig und erfreulich: Die ernste Sittsamkeit, der tadellos gute Anstand, welchen die Nonnen trotz der ganz ungewohnten und vergnügten Aufregung durchaus bewahrten.

So schweigsam wir Eingeladenen uns aus Dankbarkeit später auch verhielten, die Kunde von dem improvisierten Klosterball verbreitete sich doch – wahrscheinlich mit etlichen Ausschmückungen – in der Stadt. Leider glaubte der Fürstbischof, dem Gott weiß was berichtet wurde, den Gerüchten und es ist seit jenem Faschingsabend kein Walzer mehr getanzt worden im Refektorium der ehrwürdigen Elisabethinen...

Clara Milena Steiner
Clara Milena Steiner

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