Di, 18. Juni 2019
25.02.2019 22:41

Japanders als andere

Neuer Mazda3: Das macht ihn so ungewöhnlich gut

Er ist wohl einer der spannendsten Kompaktwagen des Jahres, der Mazda3, nicht zuletzt weil er den weltweit ersten Serien-Benzinmotor mit Kompressionszündung (ähnlich wie beim Diesel) bekommt. Allerdings erst im Herbst - und das ist eigentlich gut so, denn sonst könnte zum Marktstart am 22. März in den Hintergrund geraten, was das auch sonst für ein hervorragendes (wenn auch nicht perfektes) Auto ist.

Schon die Optik ist speziell. Keine Charakterlinien, dafür großflächige, sanfte Wölbungen, in denen erst durch Spiegelung Kanten entstehen. Da zahlt es sich aus, genauer hinzusehen, denn auf den ersten Blick, von Weitem, fällt das gar nicht so auf. Auch auf Fake-Lufteinlässe und Auspuffblenden wird verzichtet, da ist alles echt - ein erholsamer Gegenentwurf zum Plastikwahn vieler Konkurrenten, auch in höheren Klassen.

Im Innenraum startet Mazda ebenfalls in eine neue Ära, mit tollen Materialien und reduziertem, aufgeräumtem Design. Das Armaturenbrett gleicht einer sanft hügeligen Landschaft, in die ein 8,8-Zoll-Display eingebettet ist. Auf einen Touchscreen verzichten die Japaner vernünftigerweise, damit der Blick nicht zu lange von der Straße abgelenkt wird. Kleiner Exkurs: Nur weil wir es gewohnt sind, Tablets und Smartphones mit Tappen und Wischen zu bedienen, heißt das längst nicht, dass das im Auto sinnvoll ist. Im Gegenteil. Nur bei der Nutzung von Apple CarPlay und Android Auto vermisst man das Tippen auf dem Bildschirm, weil die beiden Systeme grundsätzlich darauf ausgelegt sind.

Bedient wird alles über einen haptisch sehr gelungenen Drehdrücksteller sowie einige wenige Tasten und einen echten Lautstärkeregler. Die Menüführung ist eine komplett andere als früher und jetzt wirklich gelungen. Auch die Klimaanlage hat ein eigenes Panel mit herrlichen Drehreglern.

Im Verborgenen durchdacht
Die ganze Bedienung unterstützt den Wohlfühleindruck, der im Mazda3 herrscht und zu dem auch die Sitzposition gehört. Die Japaner sind besonders stolz darauf, dass sich das Lenkrad tatsächlich mittig vor dem Fahrer befindet statt minimal seitlich versetzt, wie es bei Fronttrieblern eigentlich üblich ist. Und das Bremspedal wurde angeblich so konstruiert, dass man beim Bremsen keine Muskeln unnötig belastet. Aufgefallen ist uns das nicht, aber das ist ja auch der Ansatz, den Mazda bei der Entwicklung des 3er verfolgt hat: vieles so zu konzipieren, dass kein Unterschied auffällt, sich aber alles besonders gut anfühlt.

Ein Auto für die Freude am Fahren
Auf kurvenreichen Straßen an der portugiesischen Atlantikküste haben wir den Mazda3 mit dem 122-PS-Benziner getestet, der statt eines Turboladers zwei Liter Hubraum hat. Wie heißt es immer so schön: „Hubraum ist durch nichts zu ersetzen.“ Allerdings wirkt so ein Motor in der heutigen, turboverwöhnten Zeit etwas schwachbrüstig, weil eben nicht schon bei geringen Drehzahlen mächtiger Turboschub da ist, sondern erst bei 4000/min. das maximale Drehmoment von 213 Nm anliegt. Vorteil an dem Konzept: kein Turboloch, sondern eine harmonische Kraftentfaltung.

Für flottes Vorankommen braucht es fleißige Schaltarbeit im knackigen Getriebe, was aber die pure Freude ist. So schafft der (nach DIN, also ohne Fahrer gewogen) 1275 kg schwere Kompakte den Standard-Sprint in 10,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 197 km/h.

Der Benzinmotor (mit Zylinderabschaltung und variabler Ventilsteuerung) wird von einem 24-Volt-Mildhybridsystem unterstützt - wieder so etwas, was nicht auffällt, sich aber gut anfühlt, denn der integrierte Startergenerator liefert keinen fetten Extra-Boost, sondern soll lediglich etwas mehr Geschmeidigkeit einbringen, indem er etwa Drehzahlunterschiede beim Schalten angleicht oder ein Ruckeln bei zu untertourigem Fahren verhindert.

Den Verbrauch gibt Mazda mit 5,2 l/100 km nach NEFZ bzw. mit 6,3 l/100 km nach dem realistischeren WLTP an. Im Realbetrieb wird man nicht viel darüber liegen.

Aktive Autofahrer werden ihre Freude an der leichtgängigen, aber gefühlvollen Lenkung haben, ebenso an der sehr verbindlichen Straßenlage. Erstaunlich ist das Bremsgefühl, denn beim Tritt aufs Bremspedal merkt man nicht, dass zunächst per Generator die Hybridbatterie (0,216 kWh Kapazität) geladen wird, bevor nahtlos die normale Bremse dazukommt. Dafür sorgt wie im Audi e-tron ein Bremspedalsimulator.

Die Antriebsalternativen
Zur Markteinführung ist ein 1,8-Liter Turbodiesel mit 116 PS die einzige Alternative zum genannten Benziner. Er stellt ab 1600/min. ein maximales Drehmoment von 270 Nm zur Verfügung und knausert mit 4,2 Liter Normverbrauch. Den Sprint von 0 auf 100 schafft er sogar eine Zehntel schneller als der Benziner - allerdings nur mit manuellem Getriebe. Für beide Triebwerke bietet Mazda um 2000 Euro eine Sechsstufenautomatik an, die den Sprintwert beim Benziner nur um vier Zehntel verschlechtert, beim Selbstzünder aber um ganze 1,8 Sekunden!

Alles durchdacht, bis auf …
Es wirkt alles sehr durchdacht im neuen Mazda3. Nur die breiten C-Säulen stören im Alltag, weil sie die Sicht nach schräg hinten beeinträchtigen (zum Glück gehören Parksensoren zur opulenten Basisausstattung) und auch für ein recht „höhliges“ Gefühl bei den Rückbankpassagieren verantwortlich sind. In Reihe zwei dürfte gerne etwas mehr Platz sein - aber mit dieser Einschränkung kommt z.B. auch die Mercedes-A-Klasse ganz gut durch.

Die Limousinenversion, die im Mai auf den Markt kommt und den Fünftürer mit 4,66 Meter Länge um 20 Zentimeter überragt, verwöhnt mit besseren Platzverhältnissen und birgt mit 450 bis 1138 Liter auch mehr Platz für Gepäck (Hatchback: 358 bis 1026 Liter).

Interessante Aufpreispolitik
Mazda lässt sich beim 3er auf keinen Preiskampf ein, ein plakativer „Ab-Preis“ wird nicht ausgerufen. Wenn man sich aber ansieht, was zum Basispreis von 23.990 Euro (gilt für den Benziner) serienmäßig an Bord ist, muss man beinahe von einem Schnäppchen sprechen: Navigationssystem, Radartempomat, City-Notbremse, Aufmerksamkeitsassistent, LED-Scheinwerfer oder auch ein echtes Head-up-Display, um nur einige zu nennen. Darüber gibt es dann eine noch etwas bessere Ausstattungsstufe sowie vier Optionspakete. Diese Pakete werden allerdings nur für den Benziner angeboten, aber nicht für den gut 2000 Euro teureren Diesel, darunter etwa der Querverkehrswarner an der Front oder der erweiterte Stauassistent.

Ungewöhnlich ist, dass zwar LED-Scheinwerfer serienmäßig sind, das Tagfahrlicht aber Halogen ist. Außer man bestellt LED-Matrix-Scheinwerfer als Teil des Style-Pakets.

Unterm Strich
Mazda gönnt sich den Luxus, seine kompakte Baureihe völlig neu zu erfinden. Das gilt fürs Außendesign ebenso wie für den Innenraum. Dabei haben die Japaner Konventionen und Modeströmungen über den Haufen geworfen und sich auf das Wesentliche konzentriert, nämlich darauf, ein durch und durch gutes Auto zu bauen. Das fällt vordergründig nicht auf und wird vielen oberflächlichen Interessenten verborgen bleiben. Es lohnt sich aber, genauer hinzusehen, um diese Qualitäten zu entdecken. Diese Liebe zum Detail macht den Mazda3 zum Premiumauto.

Warum?
Reduziertes, aber sehr aufwendiges Design
Durchdachte Lösungen, die sich aber nicht sofort erschließen
Gelungenes neues Bedienkonzept

Warum nicht?
Vorläufig sehr überschaubares Motorenprogramm
Einschränkungen durch breite C-Säulen

Oder vielleicht …
… auf den selbstzündenden Benziner namens Skyactiv-X warten

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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