Fr, 24. Mai 2019
06.02.2019 16:48

Kleine große Fasnacht

Wie man in Wald ruft, so schallt es zurück

Die Fasnacht in Wald im Pitztal gehört zu den ältesten im Land. Die Teilnehmer-Quote ist rekordverdächtig! Kein Wunder, dass das Dorf in den Tagen vor dem großen Auftritt an diesem Sonntag Kopf steht.

Kroas hoaßt des, Kroas“, beharrt Raphael auf den Dialektausdruck, als die erwachsenen Fasnachtler von Wald im Pitztal Gästen ihren Brauch – zu dem auch der Kreis der tanzenden Hexen gehört – auf Hochdeutsch erklären. Für Raphael und die anderen 15 Buben der Hexenmusik ist der „Kroas“ ihr großer Fasnachstraum. Für die meisten Buben des Dorfes ist diese spezielle Musikkapelle die Eintrittspforte zur jahrhundertealten Tradition. „Bis ins 17. Jahrhundert reichen die Überlieferungen zurück“, erläutert Fasnachtsobmann Tobias Raggl nicht ohne Stolz. Nächstes Jahr feiert der Ort Wald sein 950-Jahr-Jubiläum. Da will man auch die Fasnachtsgeschichte genauer erforschen.

Video: Die Buben proben die Hexenmusik

Nicht Schönklang, sondern Anarchie
Doch zurück in die Gegenwart. Im Keller von Gerald Raich versteht man sein eigenes Wort nicht. Die Hexenmusik probt. Melodisch klingt anders! Aber es geht ja nicht um Schönklang, sondern um den Ausdruck einer anarchischen Tradition, die die Fasnacht für die Menschen in vielen Tiroler Orten immer war. Die Hexenmusik gibt den Rhythmus einer Zeit vor, in der andere Gesetze als die der Obrigkeit gelten. Ausnahmezustand!

Ausnahmezustand trifft es in Wald genau. Wer das 600-Seelen-Dorf kennt, erkennt es nicht wieder, wenn alle vier Jahre die Fasnacht ausgerufen wird. Zwischen dem lauten „Ja“ am Beginn der Fasnachtszeit und dem letzten Ton der Schallner beim Umzug ist mit den Männern des Dorfes sonst wenig anzufangen. „200 sind ins Geschehen eingebunden“, berichtet Obmann-Vize Martin Tschurtschenthaler. Während seine Begleiter noch überlegen, ob es überhaupt so viele Männer in Wald gibt, läutet Tschurtschenthaler auch schon an der Tür der Familie Beranek.

Drei Generationen für eine gemeinsame Sache
Aus diesem Haus rücken heuer drei Generationen gemeinsam aus: Karl (71), Sohn Michael (39) und Enkel Fabio (15). Die Larven sind hergerichtet, die Gewänder wurden von den Frauen kunstvoll verziert. Ohne sie geht nichts – das wissen die Männer wohl.

Der Älteste im Bunde mimt heuer einen Wifligsackner, auch der Mittlere ist Ordnungsmaske und der Jüngste geht als schöner Engelspritzer. In seiner Schule in Imst gehört die Diskussion über die prächtigste Fasnacht im Oberland quasi zum Lehrplan. „Klar ist für mich unsere die wichtigste Tradition“, lässt Fabio keine Zweifel aufkommen. Opa Karl schlüpft am Sonntag in eine 18 Kilo schwere Tracht. „Da muss man durch“, kommentiert der sportliche 71-Jährige knapp.

16-Meter-Hallen auf Zeit für die Wagenbauer
Da müssen sie durch, die Männer aus Wald. Der Countdown läuft. Während die Beraneks ihre Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen haben, wird in den 16 Meter langen und acht Meter hohen Hallen der Wagenbauer noch fieberhaft gewerkt. Die Hallen wurden extra aufgestellt, damit niemand das Wagenthema ausspionieren kann. Es soll eine Überraschung sein. Wer glaubt, die Wagen seien nur Anhängsel des Fasnachtszuges, irrt. „Sie gehören untrennbar dazu“, bekräftigt der Obmann.

Die Hexenmusikanten haben in der Zwischenzeit ihre Probe beendet. Erich (6) und Julian (7) gehören zu den Jüngsten in der Runde. Die beiden wissen genau, was sie einmal werden wollen: Schallner und Rollner natürlich. Viele Walder Buben träumen davon, einmal eine der Hauptfiguren zu bekleiden. Doch bis sie sich die riesigen Schallen um den Bauch binden können, müssen noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Heuer konzentrieren sich Erich, Julian und die anderen darauf, dass die Hexen nach ihrer Pfeife tanzen und die Besucher nach altem Brauch „einführen“.

Walder Fasnacht am Sonntag (10.2.). Beginn 12 Uhr.

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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