23.01.2019 09:00 |

Essstörungen

Erkrankungen zwischen Hungerwahn & Fressanfällen

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Essstörungen. Dir Gründe dafür sind vielfältig, der Weg aus der Erkrankung ist schwierig. Zu viel oder zu wenig essen führt aber zu massiven gesundheitlichen Schäden und sozialen Problemen. An der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall sind Essstörungen ein Dauerthema. Beim 5. Kinder- und Jugendpsychiatriekongress am kommenden Wochenende stehen die so genannten „Eating disorders“ deshalb im Fokus.

„Meist treten Essstörungen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren auf, manchmal aber auch schon früher. Unsere jüngste Patientin war erst neun Jahre alt“, schildert Kathrin Sevecke, ärztliche Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Bandbreite der Erkrankungen reicht von Anorexie (Magersucht) über Bulimie (Ess-Brech-Sucht) bis zur Binge-eating-Störung (Essattacken, die zu Übergewicht führen). Mischformen sind aber nicht selten. Die Ursachen sind komplex: „Genetische Faktoren, das Erleben eines Traumas, familiäre Probleme oder der Schlankheitswahn aus Gesellschaft und Medien können unter anderem dazu führen“, erklärt die Ärztin.

Gemeinsame Behandlung
Das Besondere an der auf Essstörungen spezialisierten Station in Hall ist, dass Patienten mit Über- und Untergewicht gemeinsam behandelt werden. „Die Therapien sind individuell, aber das Zusammenspiel funktioniert gut und bringt ein Stück weit Normalität auf die Station. Denn auch im echten Leben sind die Probleme ja nicht alle gleich“, erklärt Oberärztin Sigrid Hartlieb. Alle gemein haben aber, dass sie Essen wieder neu erlernen müssen. Die Therapiemöglichkeiten sind so vielschichtig wie die Ursachen der Essstörungen und reichen von Psychotherapie über Kunst-,Tanz-und Pferdetherapie bis Ergo- und Ernährungstherapie.  „Wir sprechen nicht von Kalorien, sondern von Ernährungsenergie. Durch verschiedene Therapien wird so Essen wieder neu erlernt“, erklärt Alice Angermann, Diätologin einen Therapieansatz.

Frühe Erkennung und richtige Nachsorge
Die Behandlung hört aber nach einem stationären Aufenthalt nicht auf. Vor allem die Nachsorge ist wichtig. Dabei sollte das soziale Umfeld so gut wie möglich miteinbezogen werden. Denn der Weg aus einer Essstörung ist langwierig. „50 Prozent der Patienten gehen geheilt ins Erwachsenenalter, 20 Prozent leiden weiter an Essstörungen, die restlichen 30 Prozent schwanken zwischen stabilem Gewicht und Rückfällen“, erklärt die Direktorin der Uni Klinik für Kinder- und Jugendpsychologie. Je früher es aber erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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