Psychosoziales Wohnen

Barrierefreiheit muss in den Köpfen beginnen

Tirol
30.11.2018 12:06
Porträt von Anna Haselwanter
Von Anna Haselwanter

Der Blick zum Inn und auf frisch verschneite Berge: In Innsbruck entstand ein helles und freundliches Haus für Menschen mit psychischen Erkrankungen. 14 Personen können dort selbstständig wohnen, haben Rückzugsmöglichkeiten, aber sind auch in ein geschütztes, therapeutisches Umfeld eingebunden. Ein Meilenstein.

Es ist ein schöner Neubau, der in der Innsbrucker An-der-Lan-Straße durch seine architektonische Ausgefallenheit ins Auge sticht. Rund um das Haus sind Grünflächen, Spazierwege und der Inn. Drinnen leben 14 Menschen, die tagsüber durch ihren Alltag begleitet werden.

„Es kann jeden treffen“
„Das Haus ist natürlich barrierefrei zugänglich - aber noch viel wichtiger ist es, Barrierefreiheit in den Köpfen zu schaffen“, sagt Karl-Heinz Alber, Leiter des Psychosozialen Pflegedienstes (PSP) Tirol. Denn psychische Erkrankungen seien noch immer stark stigmatisiert. „Dabei kann es wirklich jeden treffen“, wie Soziallandesrätin Gabriele Fischer und Vize-Bürgermeister Franz X. Gruber betonen.

Lang- oder kurzfristig ein Zuhause finden
„Oft sind es Beziehungsabbrüche, die erkrankte Menschen erleben mussten, deshalb kann man hier unbefristet wohnen, um nicht wieder entwurzelt zu werden“, erklärt Alber. Aber auch kurzfristige Aufenthalte sind möglich. Mit 14 Bewohnern ist das Haus voll ausgelastet. Es bräuchte aber noch viel mehr solche Projekte, wie alle Beteiligten erklärten. „Der Bedarf ist sehr groß. Es gilt daher, die Angebote laufend zu verbessern“, sagt Landesrätin Fischer. „Vor allem Wohnheime mit einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung fehlen“, ergänzt Alber. „Pläne dafür liegen schon beim Land, wir hoffen auf eine Finanzierung“, so der PSP-Leiter.

Gelebte Inklusion
Erstmal freut man sich aber über die Eröffnung des neuen Hauses im O-Dorf. „Es ist ein Meilenstein, was psychosoziale Begleitung und Wohnen betrifft. Unsere Klienten fühlen sich sehr wohl. In den Gemeinschaftsräumen werden viele tagesstrukturierende Angebote umgesetzt, zum Beispiel kochen. Die Klienten können sich aber auch immer in ihre Wohnungen zurückziehen“, schildert Sibylle Fierer, Leiterin des Wohnheims. All das in der Urbanität Innsbrucks - ganz im Sinne der Inklusion. 

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