Do, 13. Dezember 2018

Akute Lebensgefahr

24.11.2018 06:00

Plötzlich „verstopft“ die Lunge

Nach Herzinfarkt und Schlaganfall stellt die Lungenembolie die dritthäufigste kardiovaskuläre Todesursache dar. Doch noch immer wird die Gefahr eines Gerinnsels im Atemorgan unterschätzt - auch junge Menschen sind häufig davon betroffen!

Jedes Jahr sterben in Österreich über 4000 Menschen an dieser heimtückischen Krankheit, bei der ein Blutgerinnsel ein Lungengefäß blockiert. Betroffen sind nicht selten junge und zuvor gesunde Personen. Das ist umso bedauerlicher, zumal die Diagnose heute rasch gestellt werden kann und mit modernen Gerinnungshemmern eine wirksame und sichere Therapie zur Verfügung steht. „Viele Lungenembolien werden allerdings erst nach ihrem tödlichen Ausgang oder gar nicht erkannt“, beklagt der Internist Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Marschang, Präsident der ÖGIA (Österreichische Gesellschaft für Internistische Angiologie).Oftmals folgen SpätschädenUnd auch wenn man eine Lungenembolie überlebt, verläuft der Alltag vielfach nicht mehr wie zuvor. So sind ein Jahr später nur noch 57 Prozent der Patienten am Leben. Ein Fünftel der Betroffenen muss innerhalb eines Jahres wieder ins Spital, 27 Prozent können innerhalb eines Jahres nach dem Ereignis nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Besonders alarmierend sind neue, in Deutschland erhobene Daten, die man durchaus auch auf Österreich umgelegt kann: Demnach wurde zwischen 2005 und 2014 bei jungen Frauen ein 45-prozentiger Anstieg der Fälle von Lungenembolien beobachtet. Experten vermuten den Zusammenhang mit einem veränderten Hormonhaushalt, etwa durch die Pille zur Verhütung. Denn bei der Einnahme bestimmter Präparate kann sich das Risiko dafür um das Zwei- bis Vierfache erhöhen. In der Schwangerschaft steigt die Gefahr für Blutgerinnsel ebenfalls an. Neben den weiblichen Hormonen (Östrogene) gibt es noch weitere Risikofaktoren für das schwere Leiden. Dazu zählen vorangegangene operative Eingriffe oder Verletzungen, Bewegungsunfähigkeit sowie Krebserkrankungen.

Die Experten setzen daher auf Vorbeugung. Der Lungeninfarkt lässt sich in vielen Fällen durch eine Verhinderung von Thrombosen (siehe Kasten unten) hintanhalten. Diese treten oft auf, wenn Patienten über einen längeren Zeitraum liegen mussten, etwa nach Operationen. Eine entscheidende Maßnahme ist die frühe Mobilisation. Je nach Blutungs- und Thromboserisiko stehen zudem mechanische (z. B. Kompressionsstrümpfe) sowie pharmakologische Maßnahmen zur Verfügung.

Die Symptome eines akuten Falles präsentieren sich sehr unspezifisch. Sie reichen von Schmerzen im Brustkorb über eine plötzliche oder sich schleichend einstellende Luftnot bis hin zu verminderter Leistungsfähigkeit und plötzlicher Bewusstlosigkeit. Eine bedeutende Rolle in der Abklärung spielt der D-Dimer-Wert. Fällt dieser negativ aus, kann mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit ohne weitere Abklärung eine Lungenembolie ausgeschlossen werden. Zur Anwendung kommt ebenfalls das sogenannte PAE-CT, eine spezielle Angiographie der Lungenarterien mittels Computertomogramm.

„Die Akutbehandlung hängt von der Rechtsherzbelastung und der Kreislaufsituation ab“, erläutert Angiologe Univ.-Prof. Dr. Rudolf Kirchmair, MedUni Innsbruck. Droht die rechte Herzhälfte zu versagen oder hat es bereits getan, ist eine Lyse - die medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels - angezeigt, bei Rechtsherzbelastung ohne Schocksymptomatik reicht eine gerinnungshemmende medikamentöse Therapie mit Heparin und Beobachtung am Monitor.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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