Tödliche Verwechslung:

Fehl-Diagnose hatte bisher keine Konsequenzen

Es ist ein furchtbar trauriger Jahrestag, der sich heuer zum zweiten Mal jährt: Am 20. November 2016 starb eine zweifache Mutter (36) aus Bad Zell an den Folgen eines Aneurysmas. Eine Ärztin hatte irrtümlich eine Migräne diagnostiziert. Es gibt zwar „schon“ eine Anklage, aber noch keinen Prozesstermin. Seit einem Verteidigerwechsel gerät auch das Linzer Spital mehr in die Kritik.

Die „Krone“ deckte den Spitalsskandal auf: Sabine W. (36) aus Bad Zell war am 18. November mit starken Kopfschmerzen von der Rettung in die Notfallambulanz der Barmherzigen Brüder in Linz gebracht worden, wurde dort von einer Ärztin in Ausbildung untersucht und mit der Falschdiagnose „Migräne“ wieder heimgeschickt. Zwei Tage später war die zweifache Mutter allerdings tot -  gestorben an den Folgen eines Aneurysma-Risses im Gehirn.

Anklage gegen Ärztin
Seither beschäftigt der Fall die Justiz: Mitte Mai reichte die Linzer Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Ärztin wegen fahrlässiger Tötung beim Bezirksgericht Linz ein. Einen Termin für die Hauptverhandlung gibt es noch nicht, da die Verteidigung ein weiteres Gutachten verlangt.

Keine verbindliche Leitlinie
Die Ärztin wird nicht mehr vom Spitalsanwalt vertreten, sondern von einer Grazerin verteidigt. Diese schreibt zum Gutachten des neurologischen Sachverständigen: „Die Angeklagte hatte zum Vorfallszeitpunkt keinen abgeschlossenen Turnus und somit kein ,jus practicandi‘. Sie befand sich im ersten Ausbildungsjahr auf der Abteilung für Neurologie und in ihrem dritten Berufsjahr. Sie war als Assistenzärztin tätig und keine Fachärztin für Neurologie.“ Und weiter: „Ferner sei darauf hingewiesen, dass es im Konventhospital keine verbindliche Leitlinie gibt, wann ein CT anzufertigen ist und wann nicht. Es gibt jedoch Leitlinien, welche die selbstständige Entlassung des Patienten durch Assistenten in Ausbildung ohne Beiziehung eines Facharztes ermöglichen.“
Der Linzer Anwalt Dominik Behr vertritt den Witwer, er meint: „Der Ablauf im Spital war suboptimal.“

Christoph Gantner
Christoph Gantner
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen