16.11.2018 13:54

Fliegender Helfer

KI-Kugel „Cimon“ auf ISS in Betrieb genommen

Weltpremiere auf der Internationalen Raumstation: Der deutsche ESA-Astronaut und derzeitige ISS-Kommandant Alexander Gerst hat seinen künstlichen Mitbewohner „Cimon“ in Betrieb genommen, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Freitag in Köln mitteilte. 90 Minuten dauerte demnach am Donnerstag das erste „Rendezvous“ zwischen Gerst und seinem fliegenden „Helferlein“.

Bei „Cimon“ handelt es sich um den weltweit ersten fliegenden und autonom agierenden Astronautenassistenten mit einer künstlichen Intelligenz. Er kann mit seinen Kameras, Sensoren, Mikrofonen und Prozessoren nicht nur „sehen“, „hören“, „verstehen“ und „sprechen“, sondern auch vielfältige Informationen sowie Experiment- und Reparaturanleitungen darstellen und erklären.

Den Ablauf des Technologie-Experiments am Donnerstag auf der ISS schilderte das DLR folgendermaßen: Nachdem Gerst seinen künstlichen Helfer aus dessen Box im europäischen Columbus-Modul der ISS geholt hatte, weckte er ihn mit den Worten „Wach auf, Cimon!“ - und die Antwort kam prompt: „Was kann ich für Dich tun?“.

Nach diesem ersten „Small Talk“ ließ Gerst „Cimon“ frei schweben - zunächst noch ferngesteuert vom Boden. Damit wurde das sogenannte „Guidance, Navigation and Control“-System in Betrieb genommen. Es folgte die autonome Navigation mit mehreren Drehungen und Bewegungen in alle Richtungen - und „Cimon“ war laut DLR in der Lage, das Gesicht von Gerst zu suchen und Augenkontakt aufzunehmen.

Als Demonstration seiner Assistenzfähigkeiten zeigte „Cimon“ auf seinem Display die Anleitung für ein Schüler-Experiment zur Kristallbildung und spielte einen Musiktitel ab. Außerdem nahm er mit seinen integrierten Kameras ein Video und ein Foto des deutschen Astronauten auf.

„Wir betreten hier Neuland“
„Es ist ein unglaubliches Gefühl und eine wahnsinnige Freude, zu erleben, dass ‘Cimon‘ wirklich sieht, hört, versteht und spricht“, erklärte Projektleiter Christian Karrasch. „Das System ‘Cimon‘ ist in dieser Form weltweit einzigartig und speziell für den Einsatz auf der Internationalen Raumstation konzipiert. Wir betreten hier Neuland und erweitern den technologischen Horizont in Deutschland.“

„Cimon“ befindet sich seit Anfang Juli an Bord der Internationalen Raumstation. Entwicklung und Bau des interaktiven Astronautenassistenten wurden von der Raumfahrtagentur im DLR mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Auftrag gegeben und von Airbus in Friedrichshafen und Bremen umgesetzt.

„Captain Future“ als Vorlage
Als sprachgesteuerte künstliche Intelligenz dient die Watson-KI-Technologie aus der IBM-Cloud. Die menschlichen Aspekte des Assistenzsystems wurden von Wissenschaftlern des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) mitentwickelt und betreut. Seit August 2016 arbeitet ein rund 50-köpfiges Projektteam von DLR, Airbus, IBM und der LMU an der Realisierung von „Cimon“.

Dessen robotisches Vorbild war übrigens in den 80er-Jahren Professor Simon Wright aus der Science-Fiction-Serie „Captain Future“ - viele Fans des Genres werden sich an das „fliegende Gehirn“ mit Sensoren, Kameras und einem Sprachprozessor erinnern.

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