15.01.2010 14:08 |

Profi-Sprengmeister

Nimm in "Saboteur" Nazis im besetzten Paris aufs Korn

Es kracht und rummst im Paris des Jahres 1940. Natürlich deshalb, weil die Nazis die Stadt besetzt halten. Vor allem aber auch, weil ein kampfeslustiger Ire namens Sean Devlin den Invasoren das Leben schwer macht. In dessen Haut schlüpft der Spieler in "Saboteur" und schießt bzw. sprengt sich durch die Reihen der Schergen – immer das große Ziel der Rache und der Befreiung von der Unterjochung vor Augen.

Kurz zusammengefasst ist der neue Output von Entwickler Pandemic und Publisher Electronic Arts ein "GTA"-Klon. Allerdings ein guter, das muss man dem Spiel lassen. In den Schuhen Devlins tut sich vor dem Auge des Spielers nämlich ein angenehm großzügig ausgefallenes Open-World-Game auf, das mit viel Abwechslung, einer gut inszenierten Story und stimmungsvoller Grafik punkten kann.

Zunächst zur Geschichte: Diese ist zwar gut und stimmig umgesetzt, allerdings mangelt es ihr an Originalität, könnte sie doch jedem x-beliebigen Nazi-B-Movie entnommen sein. Devlin ist ein harmloser Rennfahrer und Weiberheld, der gerne einmal einen über den Durst trinkt. Als er in einem Rennen dem Deutschen Kurt Dierker unterliegt – dieser arbeitet natürlich mit faulen Tricks – will er sich rächen. Gemeinsam mit seinem besten Freund steigt er in den Stützpunkt Dierkers ein, wird gefasst und gefoltert. Dabei tötet der Ober-Nazi-Scherge Dierker Seans Kumpel, woraufhin der sture Ire ewige Rache schwört – und schon ist der Spieler mittendrin in der Vergeltungsaktion. Wie gesagt: Das ginge sicherlich origineller und auch die charakterliche Darstellung Dierkers und Seans gewinnt sicherlich keinen Preis für die Vermeidung von Stereotypen.

Coole Sin-City-Optik
Spielt der Gamer bereits während dieses "Intros" die meisten Passagen selbst, so tut sich die große Welt des "Saboteurs" erst jetzt auf. Dabei überzeugt das virtuelle Paris auf den ersten Blick durch sein Sin-City-Feeling: Die Stadt ist zu Beginn des Games ganz in Schwarz-Weiß getaucht, nur die Partei-Armbinden und das Blut getöteter Feinde stechen rot aus der Tristesse hervor. Erst mit der Zeit gewinnen die unterschiedlichen Viertel Farbe, nämlich dann, wenn Sean Einrichtungen der Nazis sabotiert und so die Unterstützung der Bevölkerung gewinnt.

Aber nicht nur durch die Optik hebt sich das Game angenehm von "GTA" ab. Für Sean gilt die Begrenzung der Straßenzüge – auch wenn es irren Spaß macht, durch sie mit einem Sportwagen der 40er-Jahre zu brausen – nicht. Denn der Ire ist ein begnadeter Turner und kann deshalb auf so gut wie jedes Gebäude der besetzten Hauptstadt kraxeln. Von oben sieht die Welt des Berufssaboteurs und die Übermacht der Bösewichte dann schon anders aus. Denn über den Dächern kann der Gamer die Gegner aus dem Hinterhalt ausschalten und auch Einrichtungen der Deutschen sprengen.

Für das Zerstören wichtiger Einrichtungen abseits der Missionen wie etwa Flak-Stellungen oder Wachtürme erhält der Spieler Schmuggelgut, das er bei den Schwarzhändlern der Stadt gegen Waffen und Munition tauschen kann. Außerdem entwickelt sich durch das Erfüllen bestimmter Aufgaben die Spielfigur fast rollenspielähnlich weiter. So erlernt Sean etwa nach dem Töten von fünf Feinden mit bloßen Händen neue Angriffsvarianten oder kann nach der Sprengung von fünf Türmen mehr Dynamit mit sich herumtragen.

Abwechslungsreiche Missionen
Vor allem die Story-Missionen bieten dabei viel Abwechslung und liefern von Autorennen über Scharfschützen-Aufgaben und Diebstähle bis zu gezielter Sprengsabotage einiges. Das Free-Play macht zwar auch Spaß in der riesigen Welt, verkommt aber durch die hohe Anzahl möglicher Ziele doch schnell zur beliebigen Geldbeschaffungsaktion. Hier kristallisiert sich auch ein weiteres Manko heraus: Paris wirkt irgendwie zu unbelebt. Ja, es laufen viele Leute auf der Straße herum und ja, die sagen auch alle ganz artig irgendetwas, wenn Sean auf sie stößt. Eine wirkliche Möglichkeit zur Interaktion mit ihnen bietet das Game aber nur in den seltensten Fällen. Außerdem erweist sich die KI der Gegner in vielen Momenten als wirklich hölzern.

Die Grafik punktet vor allem durch den stimmungsvollen Wechsel zwischen Schwarz-Weiß und Farbe, ansonsten verschlägt sie dem Gamer nicht wirklich den Atem, ist aber als solide zu bezeichnen. Die Sprachausgabe kommt jedenfalls stimmig aus den Boxen und unterstützt die gut erzählte Story perfekt. Auch die Musik passt toll in das 40er-Jahre-Setting von "Saboteur".

Fazit: "Saboteur" macht vor allem durch die Kletterpartien und die große und stimmungsvoll gemachte Spielwelt wirklich Spaß. Leider gibt es aber doch einige Dinge, die es zu bekritteln gibt: Die Story könnte etwas weniger abgelutscht daherkommen, die Welt könnte belebter, die KI intelligenter sein. Hier haben die Entwickler wirklich Potenzial liegen gelassen. Deshalb ist "Saboteur" auch kein großartiges, sondern nur ein gutes Open-World-Game geworden. Trotzdem lohnt sich ein Abstecher in diese Welt von Gut und Böse, vor allem für Fans des Genres.

Plattform: PC (getestet), Xbox 360, PS 3
Publisher: Electronic Arts
krone.at-Wertung: 8/10

von Stefan Taferner

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