Mo, 19. November 2018

Kultige Neuauflage

04.11.2018 09:00

Nokia 8110: So schlägt sich das „Anti-Smartphone“

Früher war nicht alles besser, aber viele Features früherer Mobiltelefone würde man sich bei aktuellen Modellen durchaus wieder (zurück)wünschen, wie die Neuauflage des Nokia 8110 aus dem Jahre 1996 zeigt. Was das „Anti-Smartphone“ manchem Flaggschiff voraus hat, verrät der - nicht immer ganz ernstzunehmende - Test.

Es ist krumm.
Warum, wissen wir nicht, die gebogene Form schmeichelt aber Hand und Wange. Wenn es mal wieder länger dauert, eignet sich das Nokia zudem hervorragend als Kreisel. Oder wie es Markeneigner HMD Global ausdrückt: „Seine einzigartige Form bedeutet (…), dass sich das Smartphone auf unvorstellbare Weise drehen lässt.“

Es ist klein.
Mit seinen Abmessungen von 133,45 x 49,3 x 14,9 Millimetern erfüllt das Nokia zwar nicht die EU-Anforderungen für Importbananen (14 cm lang, 27 mm dick), passt dadurch aber umso besser in wirklich jede Hosentasche. Leicht ist es mit seinen 117 Gramm sowieso.

Es ist cool.
Der Schiebemechanismus alias Slider schützt die Tastatur nicht nur vor Staub, sondern ist zweifelsohne auch die coolste Art, das Handy zu entsperren. Das wusste auch schon Keanu Reeves alias Neo, als er mit dem Original in der „Matrix“ telefonierte.

Es läuft und läuft und läuft.
Bis zu 25 Tage Standby-Zeit verspricht der 1500-mAh-Akku des Nokia 8110. Wir haben ehrlicherweise bereits nach sieben Tagen aufgehört, weiter mitzuzählen. In Zeiten, in denen moderne Smartphones nicht länger als bestenfalls zwei Tage durchhalten, darf alles, was darüber hinaus geht, bereits als Erfolg gefeiert werden.

Es ist nachhaltig.
Wo übrigens schon vom Akku die Rede ist: Der lässt sich austauschen. Ganz ohne Handy-Reparaturservice oder Spezialwerkzeug. Einfach die Plastikrückseite entfernen, fertig. Verrückt, oder?

Es hat Snake.
Wer braucht schon „PUBG“, „Fornite“ oder „Clash of Clans“, wenn er mit „Snake“ das wahrscheinlich legendärste aller Handyspiele haben kann? Eben. Noch dazu in Farbe - auf dem Original von 1996, dem ersten Nokia mit monochromen LCD-Display, war daran noch nicht zu denken.

Es hat eine Kopfhörerbuchse.
Bügelhörer oder Stöpsel mit Kabel können also wie gewohnt verwendet werden. 3,5 Millimeter, ganz wie früher. Keine Adapter nötig. Wer es dennoch lieber drahtlos mag, für den steht eine Bluetooth-4.1-Verbindung zur Verfügung.

Und einen microSD-Slot.
Das ist mehr Luxus, als manch Premium-Smartphone bietet. Huawei beispielsweise hat diese kostengünstige Form der Speichererweiterung bei seinen Flaggschiff-Modellen P20 und P20 Pro wegrationalisiert, Apples iPhone hat sie erst gar nicht besessen.

Es wird per Micro-USB geladen.
Und nicht per neumodischem USB-C. Man braucht also nur in die Schublade zu greifen, in der die im Lauf der Jahre angehäuften Ladekabel lagern, und hat garantiert das passende zur Hand. Immer.

Es hat keine Frontkamera.
Frontkameras haben uns nichts als Ärger gebracht, allen voran Selfie-Tote, Narzissten, Influencer und narzisstische Influencer. Wer sich mit dem Nokia selbst fotografieren möchte, macht dies genau einmal und lebt dann mit dem Ergebnis. Keine Filter, ungeschönt.

Es bietet Platz für über 5000 Fotos.
Zugegeben: Vier Gigabyte interner Speicher sind für heutige Maßstäbe nicht viel. Die Zwei-Megapixel-Auflösung der Kamera aber auch nicht. Minus mal minus ergibt bekanntermaßen Plus - so passen an die 5000 Fotos aufs Nokia.

Es setzt akustische Statements.
Versehentlich die Lautstärke verstellt und einen Anruf verpasst oder Unbeteiligte in Verlegenheit gebracht, weil der peinliche „Crazy Frog“-Klingelton mit voller Lautstärke ertönte? Unmöglich beim Nokia 8110: Die Lautstärke lässt sich nur über Umwege in den Einstellungen ändern, entsprechende Tasten gibt es nicht. Wer sich für eine bestimmte Lautstärke entscheidet, setzt damit ein klares Statement. Hört her, hier bin ich!

Es hat Tasten.
Touchscreens mögen intuitiv, schnell und bequem sein. Aber am Ende des Tages sind sie von Fingerabdrücken übersät. Viel Glas bedeutet zudem mehr Kratzer und ein erhöhtes Bruchrisiko. Das Nokia 8110 setzt daher auf konventionelle Tasten. Wer es nicht glaubt und vergeblich aufs Display drückt, kann sich glücklich schätzen: Der 2,45 Zoll kleine QVGA-Bildschirm ist im Nu geputzt.

Es ist smarter als man denkt.
Mit den Handys von einst hat das neue Nokia 8110 nur wenig gemein. Apps für YouTube, Google und Google Maps sind ebenso vorinstalliert wie ein Browser, E-Mail-Client und Kalender. Ein UKW-Radio, Taschenrechner, Einheitenumrechner und eine Aufnahmefunktion runden das Angebot ab. Und weil Tasten nicht mehr so ganz dem Zeitgeist entsprechen, darf dank Google Assistant auch per Sprache befehligt werden.

Es gibt einem Gewissheit.
Bei der ersten Neuauflage des Nokia 3110 hatten wir noch kritisiert, dass es ohne WLAN, geschweige denn 3G daherkommt. (Zwischenzeitlich hat HMD nachgebessert und bietet eine 3G-Version an.) Beim Nokia 8110, das dank WLAN (802.11 b/g/n) und 4G vollends internetfähig ist, wissen wir nun: Das braucht es alles nicht. Denn wenn wir ehrlich sind, schauen wir ohnehin zu oft auf Facebook & Co. Und mittels Tasten auf dem Mini-Display durch die Seiten zu scrollen, ist nicht gerade die komfortabelste Art der Navigation. So bleibt am Ende die Gewissheit, dass man mit dem Nokia 8110 ins Internet könnte, wenn man denn müsste. Weniger ist aber mehr und „Digital Detox“ liegt ohnehin gerade schwer im Trend.

Fazit: Zum Preis von derzeit günstigstenfalls 60 Euro bekommt man beim Nokia 8110 mehr „Smartphone“ als man zunächst vermuten würde. Das kleine, noch dazu nicht Touch-fähige Display trübt den Internetgenuss unterwegs dann aber doch, zudem mangelt es dem mobilen Betriebssystem KaiOS - einer auf FirefoxOS basierenden, von Google entwickelten Plattform - an Apps. Das nötige Rüstzeug zur Bewältigung des Alltags ist jedoch vorhanden, darüber hinaus glänzt das 8110 - wie nicht anders zu erwarten - mit einer für heutige Verhältnisse enormen Akku-Laufzeit. Internet-Verweigerer und all jene, die auf der Suche nach einem robusten und ausdauernden Zweitgerät sind (sei es für Reisen ins Ausland oder den Sport), können demnach bedenkenlos zugreifen. 

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle

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