In den Sälen des Innsbrucker Landesgerichts ist es keine Seltenheit, dass große Gangster vor den Tiroler Richtern ganz klein werden. In diesem Fall kamen zur späten Reue und zum unschuldigen Blick noch literweise Tränen und ein Schluchz-Konzert hinzu. Staatsanwalt Norbert Ladinig, der sich als Jurist seit 20 Jahren mit dem Drogenmilieu befasst, ließ sich von dem weinenden Angeklagten nicht weichkochen. Er beharrte auf den Vorwurf des Suchtmittelverkaufes.
"Die Ausrede, er habe einen Großteil des Suchtmittels selbst konsumiert, ist nicht glaubwürdig. Bei dieser Menge hätte der Beschuldigte ja jeden Tag völlig bekifft gewesen sein müssen", so Ladinig im Plädoyer. Schluchzend bat der Dealer um ein mildes Urteil. Die drei Monate U-Haft seien das Schlimmste gewesen, was ihm je widerfahren sei.
Die Richterin, die bis zu zehn Jahre Haft verhängen hätte können, brummte dem Angeklagten zwei Jahre Freiheitsstrafe auf. Doch hinter Gitter wird er wohl nicht landen, denn er stellte einen Antrag auf eine Therapie. Urteil nicht rechtskräftig.
von Matthias Holzmann, Tiroler Krone
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