Mo, 22. Oktober 2018

Überwältigend

12.10.2018 06:00

Das junge Tel Aviv und das alte Jerusalem

Tagsüber lädt Tel Aviv zum Flanieren ein und beeindruckt mit moderner Architektur. Nach Sonnenuntergang kehrt in der Altstadt Ruhe ein, doch die Küstenmetropole schläft noch lange nicht. Unter dem Sternenhimmel verwandelt sie sich in eine riesige Feiermeile.

Einst war das Dolphinarium eine angesagte Diskothek direkt an der Küste von Tel Aviv. Von der Zeit damals ist nicht mehr viel zu erkennen. Seit dem Anschlag 2001 hat sich das „Dolphi“ in eine Ruine verwandelt. Entlang der neu sanierten Promenade sieht man sie in der israelischen Metropole als letzten „Schandfleck“. Sie werden sich fragen, warum ein Journalist seine Reisegeschichte ausgerechnet mit der Seite der Stadt beginnt, die Tel Aviv am liebsten aus seinen Geschichtsbüchern streichen würde - und das völlig zu Recht. Doch manchmal muss man eben erst die offensichtliche Fassade betrachten, um dahinterblicken zu können.

Denn auch wenn die Stadt im Konfliktgebiet mit der Hamas liegt, so ist Tel Aviv eine traumhaft schöne Metropole, die so viel mehr zu bieten hat und es wert ist, sie persönlich zu entdecken - sowohl bei Tag als auch in der Nacht. Und wahrhaftig: Denkt man an Israel, so kommen einem Clubs und ein ausschweifendes Nachtleben wohl weniger in den Sinn. Dabei entwickelt sich in Tel Aviv schon seit geraumer Zeit eine weltoffene und vitale Szene. Die Nachtclubs hier können mit den ganz großen der Welt gut mithalten - nicht zuletzt dank internationaler Star-DJs, die hier immer wieder gerne auftreten.

„Der Rothschild“, wie er von den Bewohnern Tel Avivs genannt wird, ist eine von dicken Akazien gesäumte Allee, die sich vom Nationaltheater Habima im Norden bis in das Stadtviertel Neve Zedek zieht. Es ist die Ausgehmeile, die übersetzt „Frühlingshügel“ heißt. Überall schwirren durchgestylte Tel Aviver auf Elektrorädern, Elektroscootern oder futuristischen Hoverboards mit zwei Rädern durch die Straßen.

Hier und da sieht man auch Polizisten auf Pferden die Straße entlangreiten. Und auch der legendäre erste Bürgermeister, Meir Dizengoff, beobachtet hier als Statue hoch zu Ross das rege Treiben. Um ihn herum tummeln sich junge Touristen in Feierlaune. Und hier sind sie genau richtig: Auf den beiden Seiten des Boulevards reihen sich unzählige Bars, Restaurants, Cafés und Diskos nebeneinander. 

Oft sind sie in aufwendig renovierten Bauhausgebäuden - einer Bauart, die hier in Tel Aviv sehr häufig zu finden ist. Geheimtipp ist die Sputnik Bar in der Allenby Straße. Von außen wirkt sie eher unscheinbar, klein und vielmehr wie der Hintereingang einer Spelunke. Dabei beherbergt das große Lokal die besten DJs der Stadt und überrascht mit seinem retro-futuristischen Thema samt gemütlichem Außenbereich.

Freunde von Architektur finden hier mehr als nur Bauhaus-Gebäude. Dazu zählen das israelische Nationaltheater der Stadt, die Habimah (hebräisch für „Die Bühne“) und das Golda-Meir-Kulturzentrum. Abseits des Trubels von Tel Aviv ist die Altstadt, Old Jaffa. Sie ist ein ruhiger Ort, um einmal einen Gang runterzuschalten. Die kleinen und verwinkelten Gassen laden zum Schlendern ein. Im Labyrinth der Gassen warten unzählige Restaurant und Cafés. Auch Kunst ist hier zu Hause, sowohl in den Galerien als auch in Form von Skulpturen - etwa der eines Baumes, der aus einer an Drahtseilen hängenden Betonkugel herauszuwachsen scheint. Oben vom Berg hat man außerdem einen gradiosen Ausblick auf den Strandabschnitt von Tel Aviv - ganz besonders bei Nacht.

Zu einem Besuch Tel Avivs gehört auch ein Besuch in Jerusalem. In der Altstadt tummeln sich viele Touristen. Sie zieht es vor allem in die Grabeskirche, die an der überlieferten Stelle der Kreuzigung und des Grabes Jesu steht. Auch die Klagemauer ist ein beeindruckender Ort: Je nachdem, ob man tagsüber, abends, an Festtagen, zum Schabbat, zum Gebet oder einfach als neugieriger Tourist zur Mauer kommt, wird man unterschiedliche Eindrücke bekommen. Sie sind nicht selten überwältigend.

Ebenso wie Yad Vashem, Israels zentrale Gedenkstätte für Holocaust und Heldentum. Sie wurde 1953 eröffnet und liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums an den Hängen des „Bergs des Gedenkens“, auf Hebräisch „Har Hasikaron“. Dieser Ort ist nicht nur das weltweit größte Informationszentrum des Holocaust: Hier wird der sechs Millionen ermordeten Juden bis in die Ewigkeit gedacht.

Ed Ricker, Kronen Zeitung

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