So, 16. Dezember 2018

Neues Studioalbum

01.10.2018 07:00

Nile Rodgers bittet wieder zum „chicen“ Tanz

Ein kurzer, knallender Schlagzeug-Beat, und schon kommt der Chic-Groove in die Gänge - unwiderstehlich, unnachahmlich. Nach nur wenigen Zehntelsekunden des Comeback-Albums der Band um den US-Gitarristen Nile Rodgers erklingt dieses so typische, wuchtig treibende Funk-Riff, das eine heute schon legendäre Ära mitbegründete. Nun erscheint „It‘s About Time“.

Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass der Afroamerikaner und einstige Black-Panther-Anhänger Rodgers seit den 70ern mit seiner Disco-Musik die Welt zum Tanzen gebracht hat. Und jetzt, mit 66 Jahren und hoch motiviert nach zwei glücklich überstandenen Krebserkrankungen, will er es wieder tun. Auf eine Reihe schweißtreibender Live-Konzerte rund um den Globus folgt das erste Studioalbum von Nile Rodgers & Chic seit 25 Jahren. „It‘s About Time“ ist gespickt mit Promi-Gästen wie Lady Gaga, Elton John, Emily Sandé oder Craig David. Sie sind aber eigentlich nur schmückendes Beiwerk für genau jenen quasi patentierten Sound, den man von Welthits wie „Le Freak“, „Dance Dance Dance“ oder „Good Times“ kennt.

Sicherheitsgefühl
Wer sich auf die lange angekündigte Chic-Rückkehr gefreut hat, dürfte über selbsterklärende Stücke wie „Boogie All Night“, „Do You Wanna Party“, „Dance With Me“ und „Dance My Dance“ glücklich sein. Der Opener „Till The World Falls“ enthält aber auch politische Untertöne: „If the world is going mad/We might be safer on the dancefloor“. Hier klingt an, was Nile Rodgers kürzlich in einem Interview des Magazins „Spex“ so beschrieb: Disco, das war vor 40 Jahren gerade auch für Schwarze und für Schwule „das Konzept eines Ortes, an dem man sich sicher fühlte“.

Rodgers‘ Gitarren- und Produzentenkünste haben nach den millionenfach verkauften Platten seiner Disco-Funk-Band vor allem in den 80ern Musik vieler berühmter Kollegen geprägt. Diana Ross („Upside Down“), Sister Sledge („We Are Family“), David Bowie („Let‘s Dance“), Madonna („Like A Virgin“) und Duran Duran („Notorious“) zählten ebenso zu seinen Kunden wie Debbie Harry von Blondie, INXS, Grace Jones und die B-52s. Die Zusammenarbeit mit jüngeren Stars der Tanzmusik wie Daft Punk („Get Lucky“) und Avicii („Lay Me Down“) katapultierte Rodgers zuletzt wieder ins Rampenlicht. Im Laufe der Jahre seien über 500 Millionen Alben, an denen er mitwirkte, verkauft worden, sagte Rodgers im August fast ungläubig bei einem grandiosen Auftritt im Berliner Tempodrom.

Disneyland der Musiker
Von all seinen Auszeichnungen dürfte ihn die Aufnahme in die Rock And Roll Hall Of Fame im vorigen Jahr mit besonderer Genugtuung erfüllt haben. Denn Chic waren mit ihrer fröhlichen Verherrlichung der Dancefloor-Kultur ein willkommenes Feindbild vieler Rockfans. Inzwischen ist Nile Rodgers sogar „Chief Creative Adivisor“ der weltberühmten Londoner Abbey Road Studios, in denen die Beatles, Pink Floyd, Deep Purple und Oasis einige ihrer größten Alben aufnahmen. „Für mich als Künstler ist das die Verwirklichung eines Traums“, sagte er im „Spex“-Gespräch. Schließlich sei Abbey Road „ein magischer Ort, wie Disneyland“.

Das neue Chic-Album enthält neben einer Neuaufnahme des Uralt-Hits „I Want Your Love“ mit Lady Gaga und der eher untypischen, etwas lahmen Soul-Ballade „Queen“ mit Elton John auch ein Stück, das an Rodgers‘ Ursprünge erinnert. Den Titelsong „State Of Mind (It‘s About Time)“ zelebriert der Gitarrist zusammen mit dem französischen Jazz-Keyboarder Philippe Saisse, als eine Art Chillout-Track für die sich leerende Tanzfläche am frühen Morgen. Disco-Funk und Piano-Jazz finden hier ganz entspannt zueinander.

Den Kampf gewonnen
Rodgers verweist bis heute gern auf seine Jazz-Wurzeln. „Mein Background war Bebop“, sagte er im Interview. Doch dann habe „das Konzept der Disco mit ihren zwei Plattentellern“ in den 70ern auch für ihn alles verändert. „In anderthalb Stunden wurde ich vom Hardcore-Jazzer zum Typen, der versuchte, den Hustle zu tanzen.“ Im Booklet des Comeback-Albums dankt der New Yorker „den vielen Ärzten, die zahllose Male mein Leben gerettet haben“. Aber auch die Musik, das Komponieren, die Konzerte und die Kollaborationen mit anderen Künstlern hätten ihm immer wieder Auftrieb im Kampf gegen den Krebs gegeben, sagte er beim Berliner Konzert. Willkommen zurück, Nile Rodgers & Chic!

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