Mo, 10. Dezember 2018

Gewerkschafts-Appell

20.09.2018 09:14

„Macht aus der EU wieder ein Europa der Menschen“

Mit einem dramatischen Appell an die Teilnehmer des EU-Gipfels in Salzburg hat sich Spitzen-Gewerkschafter Gerald Forcher gewandt: „Macht wieder ein Europa der Menschen! Wir müssen zusammenrücken und die Herzen berühren. Das Leben jedes einzelnen Bürgers in Europa kann verbessert werden.“

Im Gespräch mit der „Krone“ erinnert sich Gerald Forcher an seine Jugend in der Steiermark.

„Ich bin dort geboren und groß geworden, ehe ich nach Salzburg übersiedelt bin. Im Sommer 1991 hat Slowenien seine Unabhängigkeit erklärt, daraufhin ist Krieg ausgebrochen.“ Die Kämpfe reichten bis zur steirischen Grenze, wohin das Bundesheer seine Truppen verlegte. Darunter waren auch Präsenzdiener aus Salzburg. Gerald Forcher kann sich noch erinnern, wie die Kampfjets über den elterlichen Garten gedonnert sind, während seine Familie friedlich mit dem Grillen beschäftigt war.

Wäre dieses Szenario heute noch möglich?
Forcher sieht die EU als nicht mehr wegzudenkendes Friedensprojekt. Und er beschreibt seine Tätigkeit im Industrie-Unternehmen Austria-Antriebstechnik in Spielberg, von 1992 bis 1995.
„Wir haben Elektromotoren für Rasenmäher, Geschirrspüler und Trockner produziert. Bis zum Beitritt zur EU mussten wir in vielen europäischen Ländern noch Strafzölle bezahlen. Für die Firma war das Beitrittsdatum 1. Jänner 1995 eine regelrechte Erlösung.“

Die Verwandten in Bristol und der Brexit
In Bristol in Großbritannien hat Forcher Verwandte. Er meint, diese sehen sich klar als Europäer und sie würden alles tun, um den Austritt, mit dem Kunstwort Brexit umschrieben, rückgängig zu machen.
Die EU mache einen Kniefall vor den großen Super-Konzernen, meint der Gewerkschafter. Tagtäglich müsse sich die EU dahingehend weiter entwickeln, um das Leben der Europäer zu verbessern.
Forcher: „Dazu gehören faire Löhne, die Sicherung der Demokratien in den einzelnen Mitgliedsstaaten und ein soziales und gemeinschaftliches Miteinander.“

Heikles Thema der Illegalen: Hart, aber…
Im „Krone“-Gespräch zeigt Gerald Forcher auch keine Scheu, das Thema der Migration und der Illegalen anzusprechen. Denn: „Wir müssen das Ohrwaschel bei den Leuten haben“, meint er.

Illegale Migration müsse klar verhindert werden, ebenso illegale Beschäftigung und wer sich nicht rechtmäßig im Land befindet, habe die Konsequenzen zu tragen.
Nach einer Reportage in „Servus TV“ habe er Sepp Schellhorn gratuliert, der als Besitzer von mehreren Hotels und Gastro-Betrieben sinngemäß gemeint habe, das Marketing für die Urlaubsgäste sei in Salzburg perfekt, sie würden wegen der wunderbaren Landschaft, der Freundlichkeit der Menschen und der Sicherheit kommen. Aber mit dem Marketing für Mitarbeiter stimme etwas nicht, und da könne es nur um eine gerechte Bezahlung gehen. Der Top-Gewerkschafter ergänzt: „Die Menschen in der Gastronomie hätten auch ein Anrecht auf ein geregeltes Privatleben und auf notwendige Phasen der Erholung.“

Die Sozial-Union muss es endlich geben
Die Forderung nach einer Sozial-Union, neben einer Währungs- und Wirtschaftsunion, sei notwendiger denn je. Lohn-und Sozialdumping gehörten endlich wirksam bekämpft und natürlich auch geahndet.
Gerald Forcher spricht auch das Problem der gefährdeten Demokratie an: „In einigen Staaten wird diese zunehmend verwässert. Ganz bewusst untergraben Mitgliedsstaaten demokratische Eckpfeiler in ihrem Land. Das Rütteln an den demokratischen Basiselementen und das Vorantreiben des Nationalismus stellen eine große Gefahr für die Grundidee eines geeinigten Europa dar. Dagegen muss die EU vorgehen und das muss auch ein wesentliches Thema am Gipfel in Salzburg sein.“

Hans Peter Hasenöhrl

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