Mo, 19. November 2018

Schmerzpatienten

06.08.2018 06:00

Keine Lust auf Sex

Die Freude an Intimität geht bei chronischen Schmerzpatienten leider oft verloren. Entspannung fällt schwer und sie haben Angst, bestimmte Bewegungen könnten die Beschwerden verstärken.

Für 75 Prozent der Österreicher ist ein erfülltes Sexualleben wichtig, wie Daten einer Umfrage aus dem Jahr 2014 zeigen. Nicht zuletzt wegen der gesundheitlich positiven Auswirkungen und Nähe zum Partner. „Sexuell nicht aktive Menschen berichten von einer niedrigeren Lebensqualität und einer geringeren Befriedigung im persönlichen, beruflichen und emotionalen Bereich“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar, Abteilung für Anästhesiologie, allgemeine Intensivmedizin, Notfallmedizin, interdisziplinäre Schmerztherapie und Palliativmedizin, Klinikum Klagenfurt.

Aus der Untersuchung geht hervor, dass bei Schmerzpatienten das sexuelle Verlangen deutlich sinkt und weniger Zärtlichkeiten ausgetauscht werden. Die Wichtigkeit des Geschlechtsverkehrs nimmt ebenfalls ab. Was nicht verwundert. Denn Schmerz erzeugt Stress, und dieser kann die sexuelle Lust lähmen. Vor allem Rückenbeschwerden wirken sich negativ auf die Zweisamkeit aus. Prim. Likar: „Patienten mit Schmerzen in diesem Bereich haben weniger Geschlechtsverkehr als andere Schmerzpatienten. Frauen sind stärker beeinträchtigt als Männer.“

Migräne, von der vor allem Frauen betroffen sind, ist keine Ausrede, sich Zweisamkeit zu entziehen. Inzwischen ist bekannt, dass Betroffene tatsächlich gravierende Veränderungen im Liebesleben erfahren. Allerdings hat sich auch gezeigt, dass bei einem Teil der Patienten die Beschwerden nachlassen, während sich diese bei anderen verstärken. Schmerzen im Bauch oder Becken führen oft zu Verkrampfungen, die ebenfalls keine zufriedenstellende Sexualität zulassen.

Weitere Einflussfaktoren können Entzündungsprozesse, Nervenschäden - etwa durch Diabetes -, Hauterkrankungen, hormonelle Veränderungen und psychische Faktoren sein, welche das Liebesleben aus dem Gleichgewicht bringen, wie zum Beispiel Angst davor, dass bestimmte Bewegungen die Beschwerden verstärken und Probleme, die richtige Position zu finden. Depressive Verstimmungen, Angststörungen und vermindertes Vertrauen, was man dem Körper zumuten kann als Folge schmerzhafter Erkrankungen, sind ebenfalls nicht dazu angetan, Lust zu entwickeln. Auch Veränderungen im Körperbild machen oft zu schaffen.

Doch nicht nur die körperlichen Leiden und ihre psychischen Folgen können die Intimitäten negativ beeinflussen, sondern auch Schmerzmittel wie etwa Opioide. Schmerzpatienten sollten sich auf Grund der vielfältigen Ursachen nicht scheuen, mit ihrem behandelnden Arzt darüber zu sprechen, wenn sie unter sexueller Lustlosigkeit, Potenz- oder ähnlichen Problemen leiden. Dieser kann individuell beraten und eventuell bei Bedarf an Experten wie Sexualmediziner, Urologen, Gynäkologen usw. verweisen. Auch bezüglich verordneter Medikamente und eventueller Nebenwirkungen auf das Liebesleben fragen.

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Es ist von großer Bedeutung, dass Schmerzen nicht still erduldet, sondern rasch und effektiv behandelt werden. Auch wenn eine vollständige Beseitigung nicht immer möglich ist, lassen sich die Beschwerden meist deutlich lindern. Das bedeutet mehr Lebensqualität für die Betroffenen. Der aktuelle Ratgeber „Schmerzen und Bewegungsapparat verstehen“ liefert wissenswerte Informationen und hilfreiche Tipps für die medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlung verschiedener Schmerzformen. Darunter u. a. Rücken-, Gelenk- und Kopfschmerzen sowie postoperative Leiden und Tumorbeschwerden. Wie in der Buchreihe „Gesundheit verstehen“ üblich, wurden alle Beiträge gemeinsam mit Experten erstellt.

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Eva Rohrer, Kronen Zeitung

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