In der Theorie ist somit alles klar, allein an der Umsetzung hapert es. Schuld sind zum Teil die mangelnde Geduld und das fehlende Können, teils aber auch der geringe Komfort beim Zeichnen: Freihändig gleichen alle Linien einer stetigen Berg- und Talfahrt, weshalb man gleich zu Beginn den Tipp erhält, am besten den Arm auf dem Knie abzustützen. Prinzipiell ein guter Hinweis, der in den ersten Minuten auch noch den gewünschten Effekt mit sich bringt, schon wenig später jedoch zu einer immer unbequemer werdenden Sitzhaltung führt.
Nach einigen erfolglosen Versuchen, einen halbwegs repräsentativen Helden auf den Bildschirm zu zaubern, bleibt als letzter Rettungsanker nur mehr der Griff zur vorhandenen Vorlage. Deprimierend dabei ist, wie gut diese aussieht. Eine ähnliche Qualität lässt sich mit den vorhandenen Mitteln wohl nur sehr schwer erreichen, weshalb sich die Frage stellt, wozu man mühevoll mit der Wii-Mote hantieren soll, wenn auf Knopfdruck sowieso das Nötigste vorhanden ist und für jeden Gegenstand im Spiel eine Vorlage existiert? Zur Verteidigung sei jedoch angemerkt, dass Kinder sicherlich mit mehr Enthusiasmus an die Aufgabe herangehen. Auch DS-Nutzer dürften beim Zeichnen im Vorteil sein.
Nachdem die Anfangsarbeit erledigt wurde, erfährt man, dass der eben erschaffene Held das Volk der Raposa vor den dunklen Wesen beschützen soll. Der Spieler, in der Rolle des Schöpfers, greift ihm dabei entscheidend unter die Arme. Die bunte 2D-Welt wird von unterschiedlichen putzigen Gesellen bevölkert, mit denen erst einmal ein wenig geplaudert werden sollte. Dabei erfährt man, wie die Welt von den dunklen Mächten befreit werden kann.
Auf dem Weg zum ersten Abenteuer hindert ein Abgrund das Fortkommen. Flugs wird der Stift gezückt und eine Brücke gezeichnet. Im weiteren Spielverlauf zeigt sich, dass der Titel eigentlich ein Jump'n'Run mit Mal-Einlagen ist, in dem der Held, wie in diesem Genre üblich, die Gegner durch einen beherzten Sprung auf den Kopf oder einen Schlag außer Gefecht setzen kann. Zwischendurch sind immer wieder Gegenstände zu zeichnen oder die Vorlage auszuwählen, um im Spiel voranzukommen.
Abzuwarten bleibt, ob die junge Klientel ihre Freude mit den Sprungpassagen hat, da diese nicht ganz so einfach zu bewältigen sind. Die Motivation, das Ende der lahmen Geschichte zu erfahren, hält sich aber ohnehin in engen Grenzen, zumal auch die notwendige Abwechslung fehlt.
Fazit: "Der magische Stift" macht sich eine gute Idee zunutze, um mehr Interaktivität ins Spielgeschehen zu bekommen und die Kreativität zu fördern. Kinder werden ob der Mal- und Zeichenmöglichkeiten dann auch ziemlich begeistert sein. Die Jump'n'Run-Passagen werden hingegen nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Die jungen Gamer hätten sich zudem eine spannende Geschichte verdient, die sie in ihren Bann zieht und zum Weitermachen animiert. So bleibt von der guten Idee nur in Ansätzen über, was eigentlich möglich gewesen wäre.
Plattform: Wii (getestet), DS
Publisher: THQ
krone.at-Wertung: 7/10
von Harald Kaplan
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