Di, 14. August 2018

Initiative Schmerz

24.06.2018 06:00

Es kann überall wehtun!

Keine Beschwerden gleichen den anderen. Manche werden aber weniger thematisiert, wie etwa jene bei Krebs oder nach OPs. Hier gilt es ganz besonders, diese ernst zu nehmen und gezielt zu behandlen, damit sie nicht chronisch werden.

Welche Möglichkeiten, im Körper Schmerzen zu empfinden, gibt es eigentlich?
„Akute Schmerzen setzen dann ein, wenn Gewebe geschädigt wurde. Sie treten meist im Rahmen von plötzlichen Erkrankungen, Verletzungen oder Operationen auf“, erklärt OÄ Dr. Waltraud Stromer, Abteilung für Anästhesie und allgemeine Intensivmedizin, LK Horn (NÖ). „Diese machen auf krankhafte Veränderungen aufmerksam und haben somit eine Schutzfunktion. Im Normalfall klingen sie nach Heilung oder Beseitigung der Ursache ab.“

Chronische Schmerzen halten im Gegensatz dazu länger als drei Monate an und haben ihre Signalwirkung verloren. Manchmal hängen sie gar nicht mehr mit der ursprünglichen Krankheit zusammen. So kann beispielsweise ein Bandscheibenvorfall bereits behoben sein, doch die leidigen Folgen dauern noch Monate oder Jahre an. Diese Beschwerden können auch entstehen, wenn sich akute Probleme häufig wiederholen: Nervenzellen „erinnern“ sich an vorangegangene unangenehme Reize und reagieren entsprechend überschießend auf die folgenden.

„Schmerzhafte Symptome, die ursprünglich durch vorübergehende Hyperaktivität bestimmter Neuronen verursacht werden, können so dauerhaften werden, wenn der auslösende Reiz zu lange besteht oder sich in kurzen Abständen öfters wiederholt“, erläutert Dr. Stromer. „Dadurch entsteht ein körperliches Schmerzgedächtnis, das mitunter auch nach Wegfall der Ursache aktiv bleibt oder reaktiviert wird. Wiederholt eintreffende starke und anhaltende Reize führen zudem zu einer Sensibilisierung. Die körperliche Qual wird dabei immer intensiver empfunden und auch das schmerzende Areal kann sich ausdehnen.“

Damit es gar nicht zu so einem Prozess kommt, muss eine rechtzeitige und gezielte Therapie einsetzen. Über Kopf-, Rücken-, Gelenk- und Rheumaschmerzen klagen viele Menschen. Weniger zum Thema gemacht werden etwa Beschwerden beim Fibromyalgiesyndrom, bei dem mehrere Körperstellen im Bereich der Muskulatur, des Bindegewebes und der Gelenke weh tun. Weiters oft unerkannt bleiben neuropathische Schmerzen. Sie treten nach einer Schädigung oder einer Erkrankung von Nervenstrukturen auf. Die daran beteiligten Nervenzellen reagieren mit der Zeit immer stärker auf Reize und auch leichte Berührung kann als sehr unangenehm empfunden werden.

Was vielfach ignoriert wird: Alle Patienten empfinden nach einer Operation Schmerzen, 30 bis 40 Prozent von ihnen klagen jedoch über starke. „Es ist deshalb von großer Bedeutung, am besten schon vor, besonders jedoch während und direkt im Anschluss an die Operation, also bereits im Aufwachraum, mit ausreichender Schmerztherapie zu beginnen“, betont Anästhesist OA Dr. Wolfgang Jaksch, Wilhelminenspital Wien. „Der OP-Tag und jener danach spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung, auch im Hinblick auf die Verhinderung einer Chronifizierung.“ Ebenfalls „Stiefkind“ sind Schmerzen bei Krebs. Diese werden überwiegend durch das Tumorwachstum ausgelöst, doch auch durch die Therapie selbst. Ziele der Behandlung sind neben der Linderung die Therapie von Begleitsymptomen (z. B. Appetitlosigkeit) und dadurch natürlich eine Verbesserung der Lebensqualität der Patienten.

Patientenratgeber „Schmerzen und Bewegungsapparat verstehen“ - derzeit in der Apotheke erhältlich!
Es ist von großer Bedeutung, dass Schmerzen nicht still erduldet, sondern rasch und effektiv behandelt werden. Auch wenn eine vollständige Beseitigung nicht immer möglich ist, können die Beschwerden meist deutlich gelindert werden. Das bedeutet mehr Lebensqualität für die Betroffenen. Der aktuelle Ratgeber „Schmerzen und Bewegungsapparat verstehen“ liefert wissenswerte Informationen und hilfreiche Tipps für die medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlung verschiedener Schmerzformen. Darunter u. a. Rücken-, Gelenk- und Kopfschmerzen sowie postoperative Leiden und Tumorbeschwerden. Wie in der Buchreihe „Gesundheit verstehen“ üblich, wurden alle Beiträge gemeinsam mit Experten erstellt.

Die Broschüre ist ab sofort in den Apotheken kostenlos erhältlich. Zudem steht sie online - ebenfalls kostenlos - zum Download zur Verfügung: www.gesundheitverstehen.at.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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