Sowohl der Polizist als auch die Freundin werden psychologisch betreut. Die beiden wurden bereits am vergangenen Sonntag einvernommen, so Schnell. Doch aufgrund ihrer Schockzustände waren die Aussagen "nicht zielführend".
Wie die Polizei bekannt gab, spielte sich das Drama vor den Augen der 27-jährigen Freundin des Mannes ab. Sie musste mit ansehen, wie ihr Freund eine Gaspistole (Bild) auf einen der Beamten richtete - und durch zwei Schüsse aus dessen Dienstwaffe starb. Das Büro für Interne Angelegenheiten hat sich in die Ermittlungen eingeschaltet, um die Hintergründe dieses "Suicide by Cop" (siehe Infobox) zu klären.
Mittlerweile konnte auch ein mögliches Motiv für die Selbstmord-Ankündigung des 31-Jährigen ermittelt werden: ein Beziehungsstreit. Die Frage, ob der Mann die Gas- bzw. Schreckschusspistole zog, um von dem Polizisten umgebracht zu werden, kann aber noch nicht beantwortet werden.
Beziehungsstreit am Telefon
Das Paar dürfte am Sonntag einen Beziehungsstreit am Telefon ausgetragen haben. Die 27-Jährige befand sich im Burgenland, der 31-Jährige war in ihrer Wohnung in Wien, für die er einen Schlüssel hatte. Gegen Mittag rief er seine Freundin noch einmal an und drohte mit Selbstmord. Die junge Frau verständigte die Polizei und gab an, am Telefon auch einen Schuss gehört zu haben. Nach dem Notruf machte sie sich mit einer Freundin auf den Weg nach Wien.
Unterdessen rief ein Polizist den 31-Jährigen an, der dann auch dem Beamten gegenüber seinen Selbstmord ankündigte, dabei aber nicht sagte, wo er sich gerade befand. Der Beamte behielt den 31-Jährigen am Telefon, während eine Funkstreifenbesatzung mit der mittlerweile in Wien eingetroffenen 27-Jährigen zur Wohnung fuhr. Doch es war zunächst nicht möglich, das Appartement aufzusperren, da innen der Schlüssel steckte. Einer der beiden Beamten verständigte die Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA).
Freundin musste Todesschüsse mit ansehen
Während die Polizisten mit der Frau auf die Verstärkung warteten, öffnete sich dann doch die Eingangstür. Der 31-Jährige ließ seine Freundin und die Exekutive in die Wohnung und machte einen ruhigen Eindruck, so die Polizei. Die Bekannte der Frau blieb draußen. Auch ein Beamter ging noch einmal kurz vor die Tür, um den Amtsarzt zu verständigen, der in solchen Situationen hinzugezogen wird, um den Geisteszustand eines Suizidgefährdeten zu prüfen.
Als sein Kollege mit der Frau und dem Lebensmüden in der Wohnung war, ging alles blitzschnell. Der 31-Jährige zog eine Pistole und richtete sie auf den Polizisten. Dabei handelte es sich - wie sich aber erst später herausstellte - um eine Schreckschuss-Gaspistole, die einer Waffe vom Typ Walther P99 täuschend ähnlich sah. Hahslinger: "Die Pistole war vom Aussehen und vom Gewicht nicht von einer echten zu unterscheiden." Im Glauben, es handle sich um eine echte Waffe, die auf ihn gerichtet wurde, griff der Polizist zur Dienstpistole und gab zwei Schüsse ab. Die Projektile trafen den 31-Jährigen in die rechte Schulter und in die Mitte der Brust. Für ihn kam jede Hilfe zu spät, Reanimationsversuche blieben erfolglos.
Paar galt bei Nachbarn als unauffällig und friedlich
Die 27-Jährige steht unter Schock und wird ebenso psychologisch betreut wie die beiden Polizisten und die Angehörigen des Toten. Zu den Personaldaten der beiden Polizeibeamten wollte die Exekutive am Abend keine näheren Angaben machen.
Auch ein Detail des Schussvorfalles ist noch unbekannt: So konnte bisher nicht ermittelt werden, woher der 31-Jährige die Gaspistole genau nahm, ob er sie eingesteckt oder wo abgelegt hatte. Für andere Hausbewohner war das Paar jedenfalls nicht sehr auffällig. Lautstarke Streitereien wollte laut Polizei niemand gehört haben.












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