Di, 21. August 2018

Nächtlicher Lärm

15.06.2018 06:00

„Presslufthammer“ im Schlafzimmer

Die Auswirkungen des Schnarchens werden heute nicht mehr unterschätzt - wie es entsteht und welche Folgen es haben kann, lesen Sie in unserer neuen Serie von Univ.-Prof. Dr. Manfred Walzl.

Viel belächelt und Mittelpunkt unzähliger Witze: Das Schnarchen, das rund zwei Millionen Österreicher plagt - und natürlich deren Lebenspartner! Seit die Schlafmedizin ihren festen Platz in der Heilkunde erobert hat, weiß man allerdings, wie gefährlich Schnarchen sein kann. Häufige Folgen sind nämlich gesundheitliche und psychosoziale Probleme. Keine Überraschung: Immerhin bringt es ein Schnarcher auf fast 100 Dezibel Lärmentwicklung! Das entspricht zum Beispiel dem Geräusch eines Presslufthammers, dem Krach, den ein am Fenster vorbeifahrender LKW verursacht oder dem Dröhnen einer zu stark aufgedrehten Stereoanlage.

Als zwar lästig, aber letztlich harmloser wird Schnarchen dann eingestuft, wenn es nur gelegentlich vorkommt und mittellaut ertönt. Oder präzise gesagt: Wenn die Lautstärke rund 25 Dezibel nicht überschreitet. Das hört sich aber immerhin noch immer so laut an wie das Brummen eines Kühlschrankes. Nach Ansicht der Schlafforscher gilt das noch als zulässig - absolut störend wird das Geräusch ab etwa 40 Dezibel. Charakteristisch für die harmlose Variante (falls man von einer solchen überhaupt sprechen kann) sind die tiefen Frequenzen, eine regelmäßige und (besonders wichtig!) ununterbrochene Atmung und ein ruhiger, ungetrübter Schlaf. Wie ihn zumindest der Schnarcher hat - ein Partner wird das wohl anders sehen

Als krankhaft präsentiert sich Schnarchen auf jeden Fall dann, wenn es jede Nacht mit einer Lautstärke von mehr als 65 Dezibel auftritt. Das entspricht dem Lärm entlang einer Hauptverkehrsstraße. Schlimm ist es auch, wenn das „Sägen“ noch im Nebenzimmer hörbar wird, wenn die Frequenzen hoch sind, die Atmung unregelmäßig und der Schlaf unruhig ist. Die Betroffenen fühlen sich am nächsten Tag nicht ausgeruht, sondern wie gerädert. Der Schritt zur vollen Ausbildung des gefährlichen Schlaf-Apnoe-Syndroms mit nächtlichen Atemstillständen ist dann nur kurz.

Wie Schnarchen entsteht
„Gesägt“ wird zum Beispiel, wenn die Atmung durch die Nase für die Sauerstoffversorgung nicht mehr ausreicht. In diesem Fall schaltet der Mensch auf Mundatmung um, was sich, vielleicht überraschend, gar nicht so einfach gestaltet. Während wir schlafen, legt ja die Muskulatur gleichsam eine Pause ein - sie erschlafft. Der Unterkiefer fällt locker nach unten und je nach Liegeposition auch ein bisschen nach hinten. Dadurch wird die erschlaffte Zunge in den hinteren Rachenraum verschoben. Nun ist der Luftraum erheblich eingeengt, die ausgeatmete Luft muss ihren Weg gegen diesen Widerstand nach außen bahnen. Die Anteile des weichen Gaumens geraten in Schwingungen. Sie flattern dann wie ein Segel im Wind und erzeugen die missliebigen Töne.

Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

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