Sa, 20. Oktober 2018

Bonitätsnote gekappt

01.06.2018 09:47

Deutsche Bank von Ratingagentur herabgestuft

Die Deutsche Bank ist mit ihrem US-Geschäft laut Medienberichten weiter in die Bredouille geraten. Die US-Einlagensicherung FDIC habe das Geldhaus im ersten Quartal auf eine Liste von „Problembanken“ gesetzt, schrieb die „Financial Times“ am Donnerstag unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Am Freitag hat die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) die Bonitätsnote des Geldhauses gekappt. Die Bewertung der Kreditwürdigkeit wurde um eine Stufe auf „BBB+“ von „A-“ gesenkt, wie S&P am Freitag mitteilte.

Damit liegt die Einstufung zwar weiterhin im Investmentbereich, doch die Bonitätsbewertung ist nun zwei bis drei Stufen niedriger als die vieler Konkurrenten. Dem Institut drohen damit nun höhere Finanzierungskosten. Den Ausblick für das Rating erhöhten die Bonitätswächter auf „stabil“ von „negativ“. Die Deutsche-Bank-Aktie hatte am Donnerstag so niedrig geschlossen wie nie zuvor, erholte sich am Freitag im vorbörslichen Geschäft aber und zog bei der Aktiengesellschaft Lang & Schwarz um drei Prozent an.

S&P hatte die Überprüfung des Ratings der Deutschen Bank bereits Mitte April - kurz nach der Auswechslung des Vorstandschefs - angekündigt. S&P-Analyst Giles Edwards hatte dann gesagt, die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung liege bei “mindestens 50 Prozent“. Auch Moody‘s prüft eine Herabstufung.

Tausende Jobs werden gestrichen
Der neue Chef Christian Sewing (48) hat der seit Jahren unter Druck stehenden Bank eine Schrumpfkur verordnet und sich zugleich von den globalen Ambitionen seiner Vorgänger verabschiedet. Sewing will sich vor allem auf das Geschäft in Deutschland und Europa konzentrieren. Im zuletzt schwächelnden Investmentbanking hat er harte Einschnitte angekündigt - vor allem in den USA. Insgesamt soll die Zahl der Stellen der gesamten Bank von derzeit 97.100 auf „deutlich unter 90.000“ sinken, wie er vor wenigen Tagen auf der Hauptversammlung in Frankfurt erklärte.

Kartellklage droht
In der Nacht auf Freitag wurde außerdem bekannt, dass der Deutschen Bank in Australien eine Kartellklage im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen die Australia and New Zealand Banking Group (ANZ) droht. Es geht dabei um eine 2,3 Milliarden Dollar (aktuell rund zwei Milliarden Euro) schwere Platzierung von Aktien im Jahr 2015. Australiens Wettbewerbsaufsicht ACCC teilte mit, es werde unter anderem Klage gegen die ANZ und zwei namentliche nicht genannte Unternehmen erhoben werden. Die Deutsche Bank und die Citigroup erklärten danach unabhängig voneinander, sie rechneten damit, angeklagt zu werden. Alle drei Banken wiesen zugleich jegliches Fehlverhalten zurück.

Mit der nun veröffentlichten Herabstufung durch S&P drohen dem Geldhaus weiter steigende Finanzierungskosten. Für Banken spielen diese eine wichtige Rolle: Je günstiger sie sich refinanzieren können, desto höher sind die Margen bei den ausgereichten Krediten. Die Einstufungen der großen Ratingagenturen liegen bei der Deutschen Bank allesamt in der unteren Hälfte des Investmentbereichs und sind drei bzw. vier Stufen vom Ramschbereich entfernt.

 krone.at
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